Auszeit vom Alltag: Drei Tage Bergurlaub in Lech am Arlberg

Die Ferienregion am Arlberg im Westen Österreichs steht für Pistenspaß, Hüttengaudi und nächtelange Aprés-Ski-Partys. Dachte ich. Schließlich gilt St. Anton am Arlberg als die Wiege des alpinen Wintersports. Bereits 1928 wurde auf der legendären Kandahar Abfahrt der erste Wettbewerb im alpinen Abfahrtslauf ausgetragen. Dass die Ferienregion am Arlberg mit traumhaften Wanderwegen und actionreichem Outdoor-Vergnügen im Sommer als Geheimtipp für einen Bergurlaub  gilt, erfuhr ich erst, nachdem ich unter arlberg-friends.com ein wenig recherchiert hatte.

Lech am Abend - weltvermessen.de

Bergsommer in Lech: Sonnenschein und schroffe Gipfel

Die Alpen üben auf mich eine unglaubliche Faszination aus. Zahlreiche Regionen hatte ich schon kennengelernt, den Arlberg kannte ich bisher nur von Hinweisschildern am Straßenrand. Kurz entschlossen entschied ich mich, ein verlängertes Wochenende für einen Bergurlaub zu nutzen. Als Reiseziel wählte ich das Bergdorf Lech am Arlberg aus. Im Jahr 2004 wurde die Ortschaft zum schönsten Dorf Europas gekürt. Uns das zu Recht, wie ich bei der Ankunft auf 1.450 Metern über dem Meeresspiegel feststellen durfte. Malerisch ziehen sich Häuser im alpenländischen Stil am Ufer des Wildflusses entlang. Bewaldete Berghänge und grüne Almwiesen rahmen das zauberhafte Örtchen ein. In höheren Lagen gehen die grünen Flächen in steinige Geröllfelder über, die von schroffen Felsgipfeln überragt werden. Ich hatte Glück, denn die Sonne strahlte von einem azurblauen Himmel und nur vereinzelt zogen weiße Wolkenfetzen am Himmel vorüber. Daran sollte sich in den kommenden Tagen auch nichts ändern. Das Hotel hatte ich schnell gefunden und konnte es kaum erwarten, die Bergwelt zu erkunden. Bergschuhe schnüren, Wasserflasche verstauen, Rucksack schultern und schon konnte es losgehen.

Prähistorische Zeitreise: Geologischer Wanderweg am Rüfikopf

Ein paar Schritte durch das Bergdorf führten mich zur Rüfikopfbahn, die den ganzen Sommer in Betrieb ist. Die Bergbahnen werden in der Wanderregion am Arlberg konsequent in das alpine Gipfelerlebnis einbezogen und mit der Lech Card, die vom Tourismusverband ausgegeben wird, können die Aufstiegsanlagen uneingeschränkt genutzt werden. Die Gondel beförderte mich auf den Rüfikopf, wo ich auf einer Höhe von 2.350 Metern an der Bergstation anlangte. Hier nimmt der markierte „Geowanderweg“ seinen Anfang, der über das Rüfikopf Plateau zum Monzabonsee und zurück zur Bergstation führt. Vor Jahrmillionen hoben sich die Kalksteinalpen aus einem flachen Urzeitmeer zu einem mächtigen Gebirge an und die Spuren der einstigen Meeresbewohner sind heute in einer alpinen Höhe von mehr als 2.000 Metern immer noch sichtbar. Auf dem geologischen Wanderweg wird anhand von zahlreichen Stationen und Schautafeln dieser Prozess anschaulich erläutert. Versteinerte Ammoniten, Spuren von Seeigeln und bizarre Muster von Muscheln und Korallen sind im Gestein zu erkennen. Die Wanderung auf dem Rundweg gleicht einer spannenden Zeitreise durch die Erdgeschichte. Nach rund 3,5 Kilometern langte ich wieder an der Bergstation an und legte vor der Abfahrt eine Pause im Panoramarestaurant ein.

Wandern auf dem „Grünen Ring“

Ein außergewöhnliches Bergerlebnis ist eine Wanderung auf dem sogenannten „Grünen Ring“. Die Route folgt in ihrem Streckenverlauf dem „Weißen Ring“, über den im Winter das längste Skirennen der Welt absolviert wird. Der „Grüne Ring“ kann in drei Tagesetappen erwandert werden und führt in eine Welt der Sagen, Mythen und Legenden. Zahlreiche Naturdenkmäler säumen die Wegesränder und regionale Künstler schufen eindrucksvolle Skulpturen und Monumente. Ich entschied mich für die zweite Etappe, die im kleinen Bergdorf Zürs ihren Anfang nimmt. In Serpentinen ging es zunächst einen reizvollen Waldweg hinauf bis zum grünlich schimmernden Zürsersee. Im kristallklaren Wasser spiegelten sich die schroffen Berggipfel und eine erhabene Stille liegt über der Szenerie. Dem markierten Weg folgend gelangte ich nach einem kräftezehrenden Aufstieg zur sagenumwobenen Höhle des Riesen Taurin. Über die Gletscherstadt am Madloch passierte ich am Madlochjoch den höchsten Punkt der Tour. Der Abstieg erfolgte durch verkarstetes Gelände mit bizarren Felsformationen. Höhepunkt der Wanderung ist ein Besuch beim Riesen Taurin. Dabei handelt es sich um die gigantische Holzfigur eines Riesen, der an einer Felsspalte steht und versucht, die herumliegenden Felsblöcke wieder auf den Berg zu tragen.

Unterwegs zu den Quellen des Lechs

Der Lech ist der letzte ungebändigte Wildwasserfluss Europas und am letzten Tag meines Bergurlaubs wollte ich mich auf eine Entdeckungsreise zu den Quellen des Flusses begeben. Also folgte ich dem Lauf des Lechs, der den gleichnamigen Ort durchfließt, auf dem Lechuferweg flussaufwärts. Unterwegs passierte ich zunächst den Quelltopf des Weißbaches. Kristallklar und eiskalt sprudelte das Wasser aus dem Fels. Nur 100 Meter weiter entspringt mit dem Schwarzbach ein weiterer Quellbach des Lechs. Aus einer Infobroschüre erfuhr ich, dass die hochalpine Herkunft des Wassers höchste Wasserqualität garantiert und selbst mit hochempfindlichen Messmethoden praktisch keine Schadstoffe nachgewiesen werden können. Natürlich füllte ich meine Wasserflasche mit dem kühlen Nass und nahm sofort eine Kostprobe von dem sauberen Wasser. Auf dem Rückweg legte ich eine Rast im Gasthof Älpele ein und ließ mir eine köstlich zubereitete Forelle aus dem Wildwasserfluss schmecken.

Geröllfeld und Zürsersee - weltvermessen.de

Damit endete mein dreitägiger Bergurlaub in Lech am Arlberg. Geblieben sind Erinnerungen an unvergessliche Momente im alpinen Hochgebirge in einer Alpenregion, die ihrem Ruf als Wanderparadies in vollem Umfang gerecht wird.

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