Bruder Leichtfuß im Interview über Abenteuer, Reiselust und das Bloggen

Bruder Leichtfuß wird vielen von euch bereits ein Begriff sein. Bei diesem Klassiker unter den Reiseblogs aus dem deutschsprachigen Raum dreht sich alles um das abenteuerliche Unterwegssein in der Natur und Welt. Blogger Timo Peters berichtet aus erster Hand vom Segeln, Wandern, Trampen und Übernachtungen im „Eine-Million-Sterne-Hotel“. Dass der jungendliche Peters bereits mit 13 Jahren samt Fahrrad und Zelt durch Holland reiste, bei dem Wort „sesshaft“ einen Schauder kriegt und dennoch immer wieder gern in die Heimat Hamburg zurückkehrt, verrät er im Interview zu unserem Blog des Monats Mai.

TimoPeters Bruder Leichfuß FreiheitHallo Timo Peters, vielen Dank, dass du dir Zeit für unsere Interviewfragen nimmst. Auf welchem Flecken Erde befindest du dich gerade?

Gerne! Ich bin gerade in einem meiner aktuellen Lieblingsländer: Norwegen. Vor ungefähr einem Jahr war ich zum ersten Mal hier und seitdem immer wieder. Die Landschaft hier hat es mir einfach angetan.

Bruder Leichtfuß steht für Reisen mit und in der Natur. In anderen Worten: Du vermisst die Welt beim Segeln und Wandern. Wann hat sich deine Leidenschaft zu diesen beiden Sportarten entwickelt?

Zuerst kam eindeutig das Wandern, das habe ich schon als Kind gerne mit meinen Eltern getan. In den letzten zehn Jahren habe ich dann alle möglichen Alternativen zum Fliegen und Autofahren ausprobiert, was dann zuerst meine Wanderleidenschaft wieder angestachelt hat. In das Segeln habe ich mich erst vor knapp vier Jahren verliebt, dafür aber umso heftiger: Auf einer Tour per Anhalter durch Europa traf ich in Portugal einen Kapitän, der mich das erste Mal mitsegeln ließ. Seitdem komme ich davon nicht mehr los!

Seit wann bist du auf Reisen? Wie kam die Entscheidung dazu auf?

Ich habe mich dafür nicht bewusst entschieden, das war einfach schon immer so bei mir. Es gibt eine Menge Kinderfotos von mir auf dem Dreirad und einem Koffer am Lenker – so bin ich schon damals gerne ausgebüchst. Als ich dreizehn war, machte ich meine erste Fahrradtour für einige Tage mit dem Zelt durch Holland. Das Reisen zieht sich bei mir durch das ganze Leben – ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das irgendwann mal aufhört.

Du bezeichnest dich selbst als Reisesüchtigen. An welchen Symptomen erkennen wir, ob wir auch infiziert sind?

Ohja, das bin ich! Das offensichtlichste Symptom sind wahrscheinlich die Wände meines WG-Zimmers in Hamburg: Die sind fast komplett mit Landkarten aus der ganzen Welt tapeziert. Ein weiteres Symptom ist, dass ich es in diesem Zimmer meist nicht all zu lange aushalte: Spätestens nach ein paar Wochen werde ich innerlich unruhig und will wieder was erleben. Dann dauert es meist nicht mehr lang, bis ein chronisches Fingerzucken einsetzt, wenn mein Mauszeiger sich über einem „Buchen“-Button befindet.

Wie bist du zum Reisebloggen gekommen und was macht für dich den Reiz dazu aus?

Das war bei mir die klassische Geschichte: Lange Zeit habe ich Emails an unendlich viele Freunde und an meine Familie geschickt. Irgendwann wurde dann das Bloggen technisch so einfach, dass sogar ich begriff, dass das eine sinnvolle Alternative ist. Dort bemerkte ich an den Besucherstatistiken dann recht schnell, dass es unmöglich nur mein Bekanntenkreis sein kann, der bei mir mit liest. Das ist dann auch das Beste am Bloggen: Über bruderleichtfuss.com habe ich schon eine Menge sehr spannender Menschen kennen gelernt, von denen einige mittlerweile zu meinen Freunden gehören.

Erkennen dich neue Reisebekanntschaften mittlerweile schon aufgrund deines Blogs?

Auf Reisen ist mir das noch nicht passiert, aber bei mir zu Hause in Hamburg rief mir kürzlich jemand in der S-Bahn zum Flughafen hinterher: „Hey, Bruder Leichtfuß!“. Das fühlte sich einerseits irgendwie komisch an, andererseits freue ich mich irgendwie auch heute noch darüber. Immerhin heißt das, dass bei mir eben auch ein paar Leute mitlesen.

Dein Maskottchen ist ein brauner, die Zunge herausstreckender Trekking-Rucksack. 🙂 Gibt’s eine Story dazu?

Ich war schon immer und bin noch immer ziemlich gerne alleine unterwegs. Dann ist mir irgendwann aufgefallen, dass in meinen Fotoalben vom Reisen deutlich mehr Fotos von meinem Rucksack waren als von mir selber. Wenn ich an einen Ort kam, an dem das typische „Beweisfoto“, das wir Reisenden wohl alle kennen, her musste, baute ich meinen Rucksack auf und knipste ihn. Dann war der Schritt nicht mehr weit, ihm ein freundliches Gesicht zu verpassen – das hat übrigens auch beim Trampen schon oft geholfen.

Reisen ist Abenteuer. Du selbst schreckst beim Weltenbummeln nicht vor Übernachtungen unter freiem Himmel und dem Trampen zurück. Deine schönste und deine unangenehmste Erfahrung in diesem Zusammenhang:

Im Gegenteil: Ich liebe es! Schlafen unter freiem Himmel ist einfach die schönste Unterkunft, sozusagen im Eine-Million-Sterne-Hotel. Und beim Trampen liebe ich es, den ganzen Tag über neue Leute kennen zu lernen. Zu sehen, wie hilfsbereit die sind, ist eine der tollsten Dinge überhaupt. Ich war als Tramper schon bei Familienessen dabei, Trucker haben mir per Bordfunk Routen durch ganz Europa organisiert und ich habe Leute kennen gelernt, mit denen ich noch immer in Kontakt stehe. Zu den schlechten Erfahrungen zählen wohl stundenlange Wartezeiten an der Autobahn oder unbequeme Übernachtungen im Regen – aber wie unangenehm man so etwas dann wirklich empfindet, ist Einstellungssache!

Hast du einen Lieblingsort auf dieser Erde?

Auf einen einzigen Lieblingsort kann ich mich naturgemäß nicht festlegen – dann bräuchte ich ja nicht mehr zu reisen. Aber generell mag ich es wild: Mein Lieblingsort dürfte damit entweder irgendwo hoch oben in den Bergen zu finden sein, wie hier beim Wandern in Norwegen. Oder er ist weit draußen auf See – Hauptsache, weit weg von menschlichen Spuren. Wobei auch das wieder nicht stimmt: Ich bin eigentlich auch ein ganz geselliger Typ und gerne unter Leuten. Vielleicht ist mein Lieblingsort einfach „Unterwegs“.

Hat sich durch das Reisen etwas an deinem Verhältnis zu deiner Heimat Hamburg verändert?

Norddeutschland ist und bleibt meine Heimat, das wird sich nicht ändern. Deshalb fühlt es sich auch immer gut an, wenn ich wieder nach Hamburg komme – egal, ob ich mit dem Flieger, mit dem Zug oder per Anhalter komme, sehe ich immer zuerst die Elbe. Dann kribbelt es bei mir im Bauch und ich freue mich auf mein Altona, auf meine ganzen Parks, meine Kneipen und meine Freunde.

Welche Gefühle kommen in dir hoch, wenn du das Wort „sesshaft“ hörst? 😉

Erster Reflex war tatsächlich gerade ein Schaudern. Vor allem denke ich wohl an die ganzen tollen Orte, die man dabei verpassen würde. Allerdings werde auch ich wohl irgendwann in ferner Zukunft mal sesshaft werden – wo und wann das sein wird, ist allerdings noch nicht abzusehen.

TimoPeters Bruder Leichfuß Freiheit

Was sind deine Ziele, wo in der Welt willst du noch einmal hin? Wo sehen siehst du dich in 5 Jahren, auch hinsichtlich Deines Blogs Bruder Leichtfuß?

Mein persönliches Top-Traumziel sind die ganzen Inseln in der Südsee. Am meisten schwärmen die Leute von den Marquesas-Inseln im Südpazifik – da muss ich wohl mal vorbei schauen. Am besten mit dem eigenen Segelboot auf meiner Weltumsegelung, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob das innerhalb der nächsten fünf Jahre klappt – ansonsten würde ich auch wieder per Anhalter segeln. Bruder Leichtfuß soll bis dahin der Anlaufpunkt schlechthin für deutsche Abenteuerfans sein und mein Leben auf dem Boot finanzieren – auch wenn ich mal ein paar Wochen auf See bin und kein Internet habe.

Der weltvermessen.de Faktor

Allerletzte Frage: Du kennst wahrscheinlich unseren Weltvermessen-Faktor! Hier stellen wir eine Zahl vor, die mit dem Thema oder Land zu tun haben soll, um das es sich gerade dreht oder in dem sich der Reisende momentan befindet. Welchen Faktor hast du für uns, Timo?

17! Hier in Norwegen merkt man nämlich gerade, dass die Menschen mehr und mehr dem 17. Mai entgegen fiebern, das ist der norwegische Nationalfeiertag. Da steht hier wohl einen Tag lang das ganze Land auf dem Kopf – es schaut ganz gut aus, dass ich dieses Jahr mit feiern kann!

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1 Kommentar

  1. Ich wünsch dem coolen Blogger Timo viel Glück bei der Verwirklichung der grossen Segelpläne. Bin einmal gespannt, was daraus wird. Fünf Jahre sind doch ein recht langer Horizont…