Zwei Männer, zwei Busse, kein gemeinsames Ziel

Vor nicht allzu langer Zeit haben wir den Fahrtenfuchs über die aktuelle Situation der Reisebusszene interviewt. Zeit also, einmal zwei Dienstleister in dieser Branche genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei haben die beiden Bus- und Weltvermessenden Thilo und Fabian sich „geopfert“, die Linien MeinFernbus und Flixbus auf einer mindestens vierstündigen Fahrt genauer unter die Lupe zu nehmen. Naja, in Wirklichkeit haben sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden wollen. Ob das bei jedem von ihnen geklappt hat, sehen wir im heutigen Beitrag.

MeinFernbus - weltvermessen.de


Bewertungsfaktoren:

1. Akquise
2. Usability der Seite und Buchung
3. Service
a. Pünktlichkeit
b. Support
c. Verpflegung
d. WLAN
4. Bus- und Mitfahrer
5. Fahrtzeit und Pausen
6. Fazit

Thilos Fahrt mit MeinFernbus von Köln ins schöne Berlin

Faktor 1) Akquise

Nach Hause musste es gehen, leider dieses Mal billig, sodass die Variante Zugfahrt für mich ausfiel. Angespitzt durch die überall herumkursierenden, billigen neuen Buslinien bin ich gleich zur Reisesuchmaschine Fahrtenfuchs und habe meine Reisedaten eingegeben. Ich habe dann zwei, drei in Frage kommende Verbindungen gefunden, bin aber sicherheitshalber bei den Kandidaten der engeren Auswahl auf deren eigenen Seiten noch einmal spionieren gegangen.

Faktor 2) Usability der Seite und Buchung

In Zeiten von Bezahldiensten wie PayPal habe ich es beim ersten Blick auf die Startseite gleich als beruhigend empfunden, die Symbole für EC und VISA-Card zu erblicken. Die Supersparpreise von 8 Euro für irgendwelche internationalen Verbindungen können mich so gut wie nie abholen. Gesundes Misstrauen. Aber wenn man am Anfang schon weiß, dass man am Ende mit dem Zahlungsmittel seiner Wahl bezahlen kann, ist das ein Bleibegrund auf der Website.

Das Eingabesystem ist super einfach, rasch hatte ich schon die Wahl zwischen einer Verbindung um 7 Uhr morgens und einer um 1 Uhr mittags. Nachdem ich meinen Platz angeklickt hatte, standen mir für das Buchungsverfahren 30 Minuten zur Verfügung – Pluspunkt! Bei eventim.de, dem Konzertkarten-Ticket-Verticker, hat man nur die Hälfte der Zeit für wesentlich kompliziertere Verfahren.

Auch eine Handynummer sollte ich reichen. Für den Fall, dass ich zu spät kommen würde? Andererseits stand auf dem ausgedruckten Ticket, dass die Plätze von Passagieren, die 5 Minuten vor Abfahrt noch nicht erschienen sind, an andere vergeben werden können. Aber wie viele Leute würden das Angebot denn schon nutzen?

Faktor 3) Service

Auf die Frage von eben gibt es eine klare Antwort: alle! Jeder einzelne Platz war letzten Endes besetzt. Der Bus kam ein bisschen später als geplant, hielt am Kölner Busbahnhof und erfreute uns positiv mit seiner frischen, grünen Lackierung. Der Busfahrer sah recht ausgeruht aus, und half beim Verstauen der Gepäckstücke, von denen jeder zwei im Bauch des Busses transportieren lassen darf.

Zu Anfang der Fahrt gab es ein paar Bordinformationen über dieses und jenes, was man tun und lassen sollte. Ein Service für Snacks und Kaffee wurde versprochen, der in Nähe des Busfahrers zu finden sei und mit der „Kasse des Vertrauens“ abzuwickeln wäre – aber jener machte leider keine Anstalten, mit irgendetwas an Essen oder Trinken herauszurücken. Minuspunkt!

Das WLAN bei MeinFernbus befindet sich noch in der Testphase. Aktuell können 16 Endgeräte im Bus für das kabellose Internet benutzt werden, Anleitungen zum Zugang befinden sich in den Sitztaschen vor einem. Das WLAN funktioniert allerdings nur in unmittelbarer Nähe von Städten, auf Autobahnen hat man keine Chance.

MeinFernbus - weltvermessen.de

Faktor 4) Bus- und Mitfahrer

Der Busfahrer war ein recht schweigsamer Mann, der sich allein aufs Fahren konzentrierte. Von waghalsigen Überholmanövern sah er freundlicherweise ab, und erschien auch sonst ganz souverän. Von meinem direkten Nachbarn konnte ich mich auf Grund von glücklicherweise verschiebbaren Sitzen etwas abkoppeln, und den Sitz etwas in den Gang bewegen. Leider saß er am Fenster, da er schon in Bonn eingestiegen war, und hat mir zudem noch die Steckdose geklaut. Naja, machste nix dran.

Faktor 5) Fahrtzeit und Pausen

Jetzt jibbet e mal wieder en Pluspunkt! Die Fahrtzeit von rund 8 Stunden wurde locker um 30-40 Minuten unterboten. Positiv war auch, dass es bei MeinFernbus nur ganz wenige Zwischenhalte gibt, auf denen die Passagiere dann aber auch höchstens nur aussteigen, und keine neuen zusteigen. Ach, da geben wir noch einen Pluspunkt für!

Die Pause wurde nach exakt 4 Stunden auf einem Autobahnrasthof gemacht. Alle müssen den Bus dafür verlassen, weil er abgeschlossen werden muss. Der Fahrer hatte einen Rastplatz mit einem McDonald’s als Haltepunkt auserkoren, womit eigentlich die große Mehrheit immer zufriedengestellt werden kann.

Fazit

Ganz viele Plussis, nur wenig Minussis, mit diesem Busunternehmen lässt es sich gut reisen. Gut, nicht jeder würde in die enge Toilette passen, aber gute Freunde halten auch gern die Tür von außen zu.

Der Weltvermessen.de Faktor kommt als Resultat zu einer 22,47. Das ist der Fahrpreis in Euro gewesen. 22 Euro Reinerlös für MeinFernbus, 47 Cent als freiwillige Abgabe für die Kompensation der CO²-Emission und zur Unterstützung von Klimaprojekten durch MeinFernbus.

Fabians Fahrt mit FlixBus von Köln nach Hamburg

FlixBus - weltvermessen.de

Faktor 1) Warum FlixBus?

Ziel meiner Reise war das Auswärtsspiel des 1. FC Köln am 3. Dezember in der Hamburger Imtech Arena. Da ich diesen Trip gleichzeitig mit dem Besuch bei einem Freund verbinden wollte, habe ich mir eine Verbindung gesucht, mit der ich schon einen Tag vor Anpfiff, also am 2. Dezember, in der Hansestadt ankomme. Aus diesem Grund schied der FC-Fanbus für mich aus. Mit dem Zug hätte ich auch fahren können, ich wollte jedoch den Reisebus einmal ausprobieren. War außerdem auch preiswerter. Aus der Erwartung heraus, dass alle Fernbuslinien mehr oder weniger gleich sind, habe ich mich schlichtweg für Flixbus entschieden, weil ich von dieser Linie am meisten wahrgenommen hatte. Die Internetseite versprach zudem komfortable Sitze, WLAN und den Verkauf von Snacks an Board.

Faktor 2) Usability der Seite und Buchung

Die Navigation auf der Seite von www.flixbus.de war wirklich übersichtlich und die gewünschte Verbindung schnell gefunden. Zur Bezahlung hatte ich nun die Option mir ein neues Konto zu eröffnen oder ohne Anmeldung fortzufahren. In diesem Fall würde mir die Möglichkeit genommen per Lastschrifteinzug zu zahlen. Da ich aber ohnehin vorhatte per PayPal zu zahlen, war mir das recht gleich. Die persönlichen Daten mit Namen und E-Mail-Adresse waren dennoch anzugeben. Der Bezahlvorgang war also sehr einfach. Nach der erfolgten Bezahlung bekam ich dann eine Mail mit dem Link zu meinem Ticket.

Faktor 3) Service

Der Punkt Service war in meinem Fall der klare Schwachpunkt der Reise. Aber der Reihe nach: Wie auf meinem Ticket angegeben, fand ich mich um 8:00 Uhr am Fernbusbahnhof in Köln Deutz ein. Der Bus sollte zwar erst um 8:30 Uhr abfahren, ich dachte mir aber „besser zu früh als zu spät“. Nachdem irgendwann die geplante Abfahrtszeit des Busses verstrichen war und darüber hinaus auch noch eine weitere halbe Stunde, entschloss ich mich telefonisch nachzufragen, wo mein Bus denn wohl bliebe. Die Dame am Telefon sagte mir jedoch, der Bus sei planmäßig abgefahren. Das kam mir in diesem Moment wie blanker Hohn vor. Wer vor einer nahezu unbefahrenen Straße eine Stunde bei winterlichen Temperaturen auf seinen Bus wartet und ihn nicht an sich vorbeifahren sieht, kann sich sehr sicher sein, dass diese Haltestelle an diesem Tage noch keinen FlixBus gesehen hatte. Ich sollte daraufhin meine Telefonnummer angeben, damit mich ein Kollege aus der Zentrale würde zurückrufen können. Weshalb mich die Dame nicht schlicht durchstellen konnte, ist mir in Zeiten moderner Kommunikationsstrukturen, die das Internet und moderne Software ermöglichen, noch immer schleierhaft.

Nach dem ich dann den Anruf aus der Zentrale erhielt, wurde ich von diesem Mitarbeiter angeraunzt, dass auf meinem Ticket doch stünde, dass ab September alle Busse vom Kölner Hauptbahnhof abfahren würden. Weder an der Bushaltestelle noch auf meinem Ticket war ein entsprechender Vermerk zu finden, was mir der FlixBus-Mitarbeiter, immer noch patzig, partout nicht glauben wollte. So musste ich wieder nach Hause fahren, mein Ticket scannen und per Mail an die FlixBus-Zentrale senden. Als man sich dann nach der „Prüfung des Tickets“ dazu durchringen konnte, mir einen Ersatz zu liefern, sollte ich ein Ticket für eine spätere Busverbindung am Tag erhalten. Dieses Ticket kam jedoch auch auf wiederholte Anfrage nie an. Ich bin dann trotzdem in diesen späteren Bus gekommen, was nur dank des Busfahrers möglich war.

Fernbus - weltvermessen.de

Dann an Board wurden wir nett vom Busfahrer begrüßt, doch von dem Verkauf von Snacks, Süßigkeiten und Getränken war nichts mehr zu vernehmen. Halb so wild, es gab immerhin kostenfreies WiFi. Von diesem bin ich auch positiv überrascht worden. Es hat über weite Strecken besser funktioniert als das Internet an meinem Handy. Nur Videoportale wie YouTube und MyVideo waren gesperrt.

Faktor 4) Bus- und Mitfahrer

Die Busfahrer waren insgesamt nett. Überhaupt fand ich es gut, dass es bei der Strecke Köln – Hamburg schon zwei Busfahrer gab, die sich nach der halben Strecke abgewechselt haben. Das gab mir auf jeden Fall ein gutes Gefühl. Insgesamt war der Bus auch nicht überfüllt, sodass ich während der gesamten Fahrzeit genügend Platz für mich selbst und mein Gepäck hatte. Die anderen Fahrgäste kann ich keiner eindeutigen Kundengruppe zuweisen. Die Klientel reichte vom Studenten über den Anzugträger bis hin zum Rentner-Ehepaar. Das war wirklich nett und interessant.

Faktor 5) Fahrzeit und Pausen

Die Fahrzeit meiner zunächst eingeplanten Verbindung war mit 5 Stunden und 20 Minuten angegeben, vermutlich weil sie früher am Tage und nicht während der Rushhour der Großstädte hätte durchgezogen werden können. Der spätere Bus war schon planmäßig eine Stunde länger unterwegs und stand zudem weitere 20 Minuten im Stau. Davor ist aber natürlich auf deutschen Straßen niemand gefeit. Das macht in meinem Fall eine extra Fahrtzeit von 80 Minuten.  Durch Pausen wurde diese dann auch nicht weiter hinausgezögert. Die einzigen Stopps bestehen bei FlixBus beim Ein- und Aussteigenlassen der Fahrgäste. Längere Pausen für die Fahrer waren nicht notwendig, da sie sich abwechseln konnten.

6) Fazit

Einmal im Bus hat alles meinen Erwartungen und Ansprüchen genügt. Nur die Leistung des Telefonsupports war frech und mangelhaft. Das mag selbstredend ein Einzelfall sein, aber ich werde nicht noch einmal mit diesem Unternehmen reisen.

Der Weltvermessen.de Faktor ist auch hier der Preis: 22 Euro pro Fahrt plus 1,08 € freiwilligem Umweltzuschlag zur Co2-Kompensation, sowie 3 € für Zusatzgepäck und 9 € für Sperrgepäck. Ich habe darüber hinaus ca. 5 € für die Anrufe aufgewendet und komme in der Summe also auf 24,50 € pro Fahrt.

Nachtrag:
Nachdem ich die Pressestelle von FlixBus auf unseren Artikel aufmerksam gemacht habe, hat man sich dort für die Unanehmlichkeiten entschuldigt und mir einen 10 € Gutschein geschenkt. Die Reaktion war überraschend nett und stimmt mich etwas milder. Vielleicht bekommt FlixBus bei der nächsten Reise doch nochmal eine Chance.

Unsere „Kolleginnen“ Janett und Kerstin von teilzeitreisender.de waren ebenfalls mit diesen beiden Fernbussen unterwegs und berichten hier über die Erfahrung mit
FlixBus und hier über das Reiseerlebnis mit MeinFernbus.

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7 Kommentare

  1. Sehr interessanter, aufschlussreicher und gut geschriebener Artikel. Von den paar Querelen abgesehen, lässt es sich via Fernbus doch prima reisen. Ich denke, es wird noch etwas dauern, bis überall eine gewisse Kontinuität einkehrt, zumal Fernbusse ja bei weitem noch nicht flächendeckend fahren und es in vielen Städten an Terminals mangelt. Ich denke, je mehr sich die Geschichte verbreitet und je mehr Anbieter, bzw. Wettbewerb es gibt, umso professioneller und angenehmer werden die Fernbusreisen werden. In diesem Sinne eine schönes Wochenende und allzeit gute Fahrt.

  2. Pingback: Mein Roadtrip von Hamburg nach Düsseldorf - mit Flixbus unterwegs | Teilzeitreisender.de

  3. Sehr schöner, ausführlicher Artikel! Vielen Dank dafür.
    Gerade in den USA sind ja Fernbuslinien sehr beliebt, es ist gut das es die auch endlich in Deutschland gibt.

  4. Bin auch mit flix-bus zufrieden gewesen. Finde es aber sehr schade , daß jetzt noch zusätzliche Busse die Autobahnen befahren müssen. Politikfehler . Bahnfahren zu diesen Preisen würde mir weit besser gefallen .

  5. Niemals wieder Mein Fernbus!!!

    da habe ich ganz andere Erfahrungen gamacht und noch von viel viel schlimmeren von anderen gehört…

    Es kann nicht sein, dass sich der Bus von Mein Fernbus bei jeder meiner Fahrten verspätet und der Fahrer nach etwa einer halben Stunde Fahrt eine Pause von einer halben bis dreiviertel Stunde an der Tanke neben der Autobahn eingelegt wird und ich dadurch absolut verspätet am Ziel eintreffe. Und der Fahrer sagte mir noch, dass das IMMER so bei seinen Fahrten sein. Und eine Nachricht oder Ankündigung über Verspätungen oder außerplanmäßige Stopps gab es nicht einmal! Pfui, diese Geschäftsgebaren. Ich kann nur von mein Fernbus abraten! W-Lan funktioniert auch nie, auch nach Ansprache beim Fahrer nicht.

    • Hallo Kristin, danke für deinen Kommi. Ich glaube, nobody is perfect, aber für den Preis (wenn nicht gerade Ostern oder Weihnachten ist) kann man manchmal auch nicht den Luxus der DB erwarten…ich bin kein Jünger von MeinFernBus, aber WLAN auf der Autobahn ist an sich ambitioniert und das Konfigurieren desselbigen während des Busfahrens vermutlich auch 😉

  6. Kleiner Tipp mein flixbus wegen der YouTube sperre. Einfach eine vpn Umleitung nach Polen herstellen UND dann klappt alles. Hab es jetz Grad probiert und es funktioniert