Thomas von Einsatzfahrten und so im Interview

Auf YouTube findet man zahlreiche Videos, die die Polizei, Feuerwehr oder auch THW live in Aktion zeigen – in Zeiten von Handys mit Videokameras nichts Unübliches. Manche Kanäle sind jedoch richtig darauf spezialisiert, die Betreiber sind permanent auf Achse und interviewen gar die Sprecher der Einsatzdienste hinterher. Wer steckt dahinter? Thomas vom YT-Channel „Einsatzfahrten und so“ hat uns ein Interview gegeben. Da auch er kreuz und quer durch die Gegend reist, ist er unser (Video)blogger des Monats September!

Wassertank Brand Köln Mülheim 8. September 2015 (c) weltvermessen.de

Alter Wassertank gerät am 8. September 2015 im Kölner Schanzenviertel in Brand

Interview mit Einsatzfahrtenfilmer Thomas Kraus

Hallo Thomas, schön, dass du eine freie Minute für Weltvermessen hast. Stelle dich unseren Lesern doch kurz einmal vor.

Hallo zusammen! Mein Name ist Thomas Kraus, ich bin 26 Jahre jung und wohne in meiner Geburtsstadt Bonn. Ich bin jetzt seit etwa vier Jahren als freiberuflicher Pressefotograf unterwegs, um neues Videomaterial aufzunehmen.

Wie der Name meines YouTube-Kanals schon vermuten lässt, besteht dieser hauptsächlich aus Videos von Einsatzfahrten, also von Fahrzeugen von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst etc. Daneben gibt es noch einige andere Videos, zum Beispiel von Einsatzstellen und Presseterminen aus diesem Bereich.

Ich gehe gleich mal in die Vollen: letztens war ich zufällig im Schanzenviertel, als ein alter Wassertank lichterloh in Brand geriet. Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen ganz Köln-Mülheims schienen vor Ort zu sein. Entstanden ist das Foto – was aber hättest du aus dieser Angelegenheit „gemacht“?

Ich bin tatsächlich auf dem Weg zu diesem Brand gewesen. Da der Betreiber der Seite „bf-koeln-einsaetze.de“ vor mir an der Einsatzstelle war und mir schrieb, dass der Brand bereits gelöscht sei, bin ich nicht mehr durchgefahren.

Falls der Einsatz noch in vollem Gange gewesen wäre, wäre ich natürlich noch hin und hätte den Brand, die Auswirkungen, die Arbeiten der Feuerwehr, der Polizei und des Rettungsdienstes mit meiner Videokamera dokumentiert.

Vielleicht ein paar Interviews gemacht und anschließend das Material Zeitungen und Fernsehsendern angeboten und verkauft. Das Video hätte ich bei YouTube hochgeladen und den Einsatz auch meiner Facebook-Seite gepostet.

Du hast in deinem YouTube-Kanal Einsatzfahrten und so bereits über 1000 Videos hochgeladen. Wie kamst du auf die Idee, wie hat sich das entwickelt?

Richtig, es sind mittlerweile schon über 2200 Videos dort, im Laufe von zweieinhalb Jahren sammelt sich einiges an. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich nur etwa 10% der Videos, die ich filme, auch tatsächlich hochlade.

Wie ich auf die Idee kam: Für die Arbeit von Feuerwehr, Polizei und Co hatte ich mich seit jeher interessiert. Mit dem Zugang zum Internet (das gab es in meinem Leben noch nicht immer) habe ich auch Videos von Einsatzfahrten gefunden, und mir fiel auf, dass es so gut wie gar keine Videos aus Bonn gibt, was ich persönlich sehr schade fand.

So habe ich mir 2010 überlegt, einfach mal ein paar Einsatzfahrten aufzunehmen und diese dann auch auf dieser Seite hochzuladen. Das Ganze hat mir mehr Spaß bereitet, als ich anfangs dachte, sodass ich das Einsatzfahrtenfilmen zu meinem neuen Hobby erklärt habe. Nach etwa einem halben Jahr war ich dann schon in ganz NRW für Einsatzfahrten unterwegs.

Das Video der Blockupy-Demo 2013, als Video in gefährlicher Umgebung

Schlüsselerlebnis Love Parade in Duisburg 2010

Dein Hobby hast du aber erst durch ein Schlüsselerlebnis zum Beruf gemacht.

Stimmt. Ich bin seit zwei Jahren ja noch freiberuflicher Pressefotograf. Das hat im Grunde damit angefangen, dass ich damals bei der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg auch in jenem Tunnel war, wo die Massenpanik aufkam.

Ich habe durch viel Glück leicht verletzt überlebt. Da ich die Katastrophe ein Stück weit dokumentiert hatte, konnte ich später aufzuzeigen helfen, welche Fehler bei der Love Parade gemacht wurden, die mir natürlich als kleinem „Insider“ auffielen.

Mein Material habe ich deswegen einigen Sendern angeboten, was dazu führte, dass das bald auf vielen Kanälen lief und ich in der Woche danach unzählige Male interviewt wurde. Dadurch habe ich gemerkt, wie wichtig Pressearbeit an sich und das Zurverfügungstellen von aktuellem Material ist.

Als mich einige Zeit später der Chef der Nachrichtenagentur „Kamera24“ fragte, ob ich nicht mit ihm zusammenarbeite möchte, habe ich mich endgültig dazu entschieden, mein Hobby zum Beruf zu machen.

Wie schaffst du es, immer schnell vor Ort zu sein? Woher weißt du von einem Geschehnis?

In der Regel werde ich von der zuständigen Leitstelle der Feuerwehr oder der Polizei per SMS über einen laufenden Einsatz informiert. Allerdings sagen bzw. schreiben mir auch sehr oft Bekannte, Abonnenten usw., wenn sie etwas Entsprechendes mitbekommen.

Wenn ich dann von einem Einsatz in Kenntnis gesetzt wurde, der nach meinem Abwägen für die Presse relevant ist, schaue ich, ob und wie ich am schnellsten dorthin komme.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Einsatzort

Mit welchen Verkehrsmitteln bewegst du dich dorthin?

Ich fahre… man glaubt es kaum… mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Einsatzort!

Die meisten denken ja, dass ich der „Rasende Reporter“ bin, der mit seinem Auto losheizt und dann im Halteverbot parkt. Aber ich fahre tatsächlich immer, außer, wenn mich mal zufällig ein Bekannter fährt, mit Bus und Bahn und komme trotzdem immer zeitnah und bequem an. Dazu noch schont es die Umwelt.

Welche Region, grob gesagt von wo bis wo, ist dein „Einzugsgebiet“?

Im Großen und Ganzen ist mein Einzugsgebiet der gesamte Regierungsbezirk Köln. Das liegt zum einen natürlich daran, dass ich, wenn ich noch weiter fahren würde, viel zu lang unterwegs wäre. Zum anderen werde ich eben von den Leitstellen aus genau diesem Bereich über aktuelle Einsätze informiert.

Für manch größere Einsätze, Fußballspiele und Demonstrationen fahre ich jedoch auch manchmal etwas weiter. So zum Beispiel bald zur Feier des Tages der Deutschen Einheit in Frankfurt, wo es zu einem großen Polizeieinsatz kommen wird.

Feuerwehrmann tritt Laptop kaputt – Kritik und mehr

Bei den ersten Videos von dir, die ich gesehen habe, dachte ich zunächst, dass du heimlich filmst. Inzwischen habe ich aber all die bereitwilligen Post-Interviews mit Polizeisprechern usw. gefunden. Wie sehen die Verantwortlichen dein Tun, hast du mal Feedback von Feuerwehr oder Polizei bekommen?

Ich bekomme fast jeden Tag Feedback, sowohl positives als auch negatives. Viele Einsatzkräfte schauen sich meine Videos selber gerne an und befürworten meine Arbeit.

Wieder andere finden es total schlimm, was ich mache und können das gar nicht verstehen. Diese werfen mir auch oft vor, dass ich keine richtige Pressearbeit mache, bzw. es mir darum geht, möglichst Tote und Verletzte zu filmen etc. was natürlich beides nicht der Fall ist.

Oft werde ich auch im Internet beleidigt und bedroht. Seit neustem ruft mir sogar ein Zugführer der Berufsfeuerwehr unschöne Worte zu, wenn er mich kommen sieht, weil ich mal bei einem tödlichen Verkehrsunfall gefilmt habe. Das gehört aber eben zur Pressearbeit. In dem betreffenden Video war freilich keine Leiche zu sehen.

Das krasseste, was ich mal erlebt habe, war ein Berufsfeuerwehrmann, der meinen Laptop kaputt getreten hat, weil er nicht gefilmt werden wollte. Weil dies aber definitiv zu weit ging, habe ich in diesem Fall die Polizei eingeschaltet, der Beamte musste mir den Schaden ersetzen.

Aber solche negativen Vorkommnisse sind die Ausnahme. Positive Erlebnisse habe ich nahezu jeden Tag. Ich lerne fast täglich neue Leute kennen, die sich über meine Arbeit freuen, von den Zuschauern bei YouTube ganz zu schweigen.

Das Video zum 150-jährigen Jubiläum der Feuerwehr Bonn, mit allen Fahrzeugen der Berufsfeuerwehr Bonn

An deiner Arbeit stoßen sich auch private Leute. Es gibt in Foren und bei Facebook Seiten, die sich konkret gegen den Kanal Einsatzfahrten und so stemmen. Was ist deren Vorwurf an dich und inwieweit verstehst du die Kritik?

Soviel ich weiß gibt es nur eine Facebook-Seite, die sich konkret gegen meinen Kanal richtet. Diese Seite gehört einem Einsatzfahrtenfilmer. Ich vermute, er hat diese Seite nur ins Leben gerufen, um selber Aufmerksamkeit zu bekommen.

Auf dieser Seite behauptet er allerlei unwahre Dinge, um mich zu schädigen, bezichtigt mich zum Beispiel Straftaten wie Steuerhinterziehung. Oder meint, ich würde meine Informationen auf illegale Weise erhalten, nahezu alle Einsatzkräfte gegen mich seien und ich sogar Hausverbot vor Wachen hätte.

Stimmt alles nicht. Ich könnte noch mehr aufzählen, aber möchte dieser Person nicht noch am Ende eine Aufmerksamkeit verschaffen, die sie nicht im Ansatz verdient. Witzig ist, dass sich alle Kommentare der Personen, die auf der Seite interagieren, ausschließlich gegen den Ersteller der Seite richten und kein einziges gegen mich.

Kritik von anderer Seite verstehe ich natürlich auch. Manche Personen möchten eben keine Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang sehen, wobei ich dann sage, dass sie sich mein Video einfach nicht anschauen sollen. Die Kritik, die ich oft bekomme, dass man keine verdeckten Leichen filmen darf/soll, kann ich jedoch nicht verstehen, da in der Tagesschau und anderswo teilweise sogar nicht verdeckte Leichen, ungepixelt, aus Kriegsgebieten gezeigt werden.

Was in Videos nicht gezeigt wird

Gibt es Geschehnisse, wo du die Kamera wegdrehst bzw. was würdest du weder zeigen noch überhaupt erst intentional aufnehmen?

Grundsätzlich filme ich erstmal alles, weil ich ja vorher nie weiß, wofür es mal gebraucht werden könnte. Ausnahmen mache ich nur bei nicht verdeckten Leichen, SEK-Einsätzen und wenn ein anderer wichtiger Grund dafür spricht.

Selbstverständlich veröffentliche ich jedoch nicht alles, was ich filmte. Verletzte und Leichen veröffentliche ich, wenn überhaupt, nur wenn sie nicht erkannt werden können, bzw. pixel alles entsprechend.

Du hast deutschlandweit auch „Kollegen“, die ähnliche Videos auf YouTube hochstellen. Ist man untereinander in Kontakt? Inwiefern tauscht man sich aus?

In ganz Deutschland gibt es zur Zeit um die 100 Einsatzfahrtenfilmer. Die meisten kennen sich untereinander und treffen sich gelegentlich auch, um zusammen filmen zu gehen.

Wie das bei Gruppen so ist, verstehen sich manche gut und andere eben nicht so. Ich persönlich habe grundsätzlich erstmal gegen keinen etwas. Es gibt ein paar Filmer, die neidisch sind und sich unreflektiert äußern oder gar Videos auch von mir klauen, und mit diesen Filmern möchte ich dann auch keinen Kontakt haben.

Mit anderen verstehe ich mich hingegen sehr gut und wir tauschen uns aus, indem wir uns zum Beispiel über Großübungen etc. informieren.

Selbst beim Müll rausschaffen Handy und Kamera dabei

Welche Ausrüstung hast du immer bei dir? Was ist unverzichtbar?

Eine Kamera und mein Handy habe ich grundsätzlich immer dabei. Und ich meine wirklich immer, also auch beim Müll rausbringen, Einkaufen und so weiter – denn man weiß nie, wann was passiert.

Wenn ich unterwegs bin, trage ich Folgendes mit mir:

  • Handy und Kamera
  • oft noch eine zweite Kamera,
  • einen Fotoapparat
  • meine Warnweste
  • mehrere Speicherkarten und Akkus

Gibt es ein Erlebnis, das du unter all den Geschichten als besonders unvergesslich bezeichnen würdest? Welches war das und was passierte genau?

Mit am besten haben mir die Dreharbeiten von „Cobra 11“ gefallen, die ich auch gefilmt habe. „Cobra 11“ ist meine Lieblingsserie, deswegen alleine ist es schon cool, bei den Dreharbeiten dabei sein zu dürfen und Autogramme zu bekommen. Zum anderen ist das Video, das ich daraus geschnitten habe, das bestlaufende auf meinem Kanal.

Wie geht es in der Zukunft weiter mit den Einsatzfahrten?

Fast 5000 Leute folgen dir auf deinem Kanal, beinahe täglich gibt es neues Videomaterial. Hast du einen mittel- bis längerfristigen Plan, ob du das in den nächsten Jahren so weiterführst, und wenn ja, welchen? Wechselst du vielleicht doch irgendwann zum Fernsehen? 😉

Stimmt, mittlerweile habe ich mehr als 5000 Abonnenten, was schon ziemlich viel ist und wodrauf ich auch sehr stolz bin. Zur Zeit gehe ich davon aus, dass ich das in den nächsten Jahren so weiter machen werde, weil mir meine Arbeit einfach mega viel Spaß macht und ich auch gut über die Runden komme.

Ich glaube aber eher nicht, dass ich irgendwann zum Fernsehen wechsele, weil genau diese Freiheit, dass ich tun und lassen kann, was ich möchte, als Angesteller eines Senders nicht gegeben wäre. Meine Videos sind ja trotzdem oft genug im Fernsehen und in der Zeitung. 😉

Zu guter Letzt hätten wir gerne noch den Weltvermessen-Faktor von dir, Thomas. Dies ist eine Zahl oder Ziffer, die mit deinem Schaffen besonders in Verbindung steht. Was verbunden mit dem WV-Faktor verrätst du uns also noch über dich?

Also ich glaube da nehme ich mal die 112, diese Zahl lese ich fast jeden Tag auf meinen Motiven und kann gleichzeitig auch nochmal Werbung für die Nummer des Notrufs der Feuerwehr und des Rettungsdienst in Europa machen! 😉

Wir setzen noch einen drauf und freuen uns, dass Thomas heute als 24ster Blogger des Monats Rede und Antwort steht und diese Rubrik quasi ins dritte Jahr geht! Vielen Dank an dich und hier gibt es noch allerhand weiterführende Links für euch:

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