Estland: Von verborgenen Schätzen und einem Lächeln

Estland ist die kleine Schwester, die nicht so richtig dazu gehört. Das östlichste der drei baltischen Länder hat einen anderen Sprachursprung als Lettland und Litauen und wird von den anderen als, sagen wir mal, „etwas langsam“ belächelt. Warum das sympathisch und nervig gleichzeitig ist? Das und welche Ecken als Familie einen Besuch wert sind, erfährst Du in diesem Artikel von der Reisemeisterei.

Moorwanderweg Estland (c) Christina Burkhardt

Moorwanderweg

Estlands Küste: Rauhe Schönheit

Über unglaubliche 1.500 Inseln reihen sich entlang der estnischen Küste! An Hiiumaa aber haben wir unser Herz verloren. Und an einen kleinen Ort ganz besonders: Die Halbinsel Tahkuna. In meiner Erinnerung tauchen abwechselnd auf: Den 7 Kilometer langen Küstenwanderweg, mit unserem einjährigen Töchterchen auf dem Rücken und einem Blick durch Fichtenwälder und steinige Strände entlangschlendern. Sich Schritt für Schritt herzklopfend in Bunker aus dem zweiten Weltkrieg wagen. Den Wind und die Freiheit auf dem Tahkuna Tuletorn – dem 42,7 m hohen Leuchtturm – spüren. Wissen, dass man einen Moment erlebt, der in die eigene Lebenserinnerung eingehen wird.

Das Landesinnere Estlands: Verborgene Schätze

Bunker aus dem zweiten Weltkrieg in Estland (c) Christina Burkhardt

Einer der Bunker in Estland

Touristen schlagen meist in der Hauptstadt Tallinn auf. Dann bewegen sie sich hauptsächlich an der 3.794 Kilometer langen Küste entlang. Aber das Landesinnere ist definitiv zu schön, um ausgelassen zu werden und lässt sich prima im Rahmen einer Rundreise erkunden. Das 10.110 ha große Naturschutzgebiet Endla ist vor allem für Familien perfekt. 5 bis 7 Kilometer auf Bohlenwegen durch das Hochmoor. Schwarzes Wasser in 6 Seen, braun-rote Moose und immer die Aufregung, nicht doch vielleicht auf einen Bären zu treffen. Eine meiner schönsten Erinnerungen, gänzlich allein durch unberührte Natur zu wandern. Kaum vorstellbar in Deutschland.

Ganz in der Nähe: Die Weinhauptstadt Pöltsamaa (Ja, mit den doppelten Buchstaben haben es die Esten wirklich). Und dort: Im Schloss eine Verkostung von 5 verschiedenen Obstweinen für Mama und Papa. Ein Preiselbeersafttest für die Tochter.

Estlands Küche: Russisch-deutscher „Mischmasch“

Estnischer Obstwein

Estnischer Obstwein

Die Hauptgerichte Estlands haben es in sich. Alte deutsche und russische Gerichte gemischt und nicht auf die Kalorienzufuhr geachtet. So in etwas würde ich die fleisch-, fisch- und kartoffellastige Küche beschreiben. Aber so gut! Nicht ungern haben wir auch typisch estnische Getränke getestet. Vor allem der Gin von der Insel Saaremaa ist mir in besonders guter Erinnerung geblieben. Und nach einem Essen mit gebratener Wurst, Sauerkraut und etwas öligen Kartoffeln tut so ein Viin (Vorsicht: Estnisch für „Wodka“, nicht für „Wein“) wirklich gut. Sven hat sich über unterschiedlichste Biersorten abends am Lagerfeuer gefreut.

Estlands Bevölkerung: Langsame Gastfreundschaft

Estnische Küche

Estnische Küche

Die Esten werden von den Letten und Litauern teils als etwas langsam belächelt. Zumindest von denen, die wir kennen gelernt haben. Und es hat manchmal fast wahnsinnig gemacht. Wie lange wir in Restaurants auf unseren Kaffee oder in Menscheschlagen auf unser Drankommen warten mussten. Ahh… Jetzt das „Aber“. Selten war ich in einem derart ausgeprägten Entspannungsmodus. Es hat also wiederum auch mich niemand gedrängt. Vielleicht liegt die Langsamkeit einfach auch daran, dass sich die Esten Zeit für Gastfreundschaft nehmen? In 17 Tagen und Nächten, 9 Nächten auf dem Campingplatz, einer Nacht im Kloster, 2 Nächten im Guesthouse und 5 Nächte bei Couchsurfingsurfinggastgebern wurden wir wirklich jedes einzelne Mal mit einem Lächeln aufgenommen. Das war für uns das tatsächliche Erlebnis, was wir mitgenommen haben.

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2 Kommentare

  1. Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Weiter so!

  2. Wir schwelgen auf unserem Blog auch gerade in Erinnerung an unseren Estland-Roadtrip :-)… uns hat das kleine Land auch extrem gut gefallen – die Kombination aus abwechslungsreicher Natur, Meer und hübschen Städten und Dörfern hat es uns angetan!

    http://alongsunnymoon.blogspot.com