Fernbusreisen – Interview mit FahrtenFuchs

Seit Anfang des Jahres macht eine in Deutschland fast schon in Vergessenheit geratene Art zu Reisen wieder auf sich aufmerksam – Reisen per Fernbus. Nachdem der Fernbus auf Grund gesetzlicher Regelungen für mehr als 70 Jahre von unseren Straßen verschwand, feierte er 2013 sein Comeback. Dabei versprühen Busreisen ja bekanntlich ihren ganz eigenen Charme und der Fernbus-Markt steht erst am Anfang. Wir haben Johannes Thunert, Mitgründer des Fernbusportals FahrtenFuchs, zu diesem Thema befragt. Viel Spaß beim Lesen!

 

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Update (23.01.2014): Die weltvermessen.den Thilo und Fabian waren mit zwei unterschiedlichen Bussen unterwegs und haben ihre Erfahrungen im Artikel „Der Fernbus im Vergleich“  zusammengetragen.

Guten Tag. Vielen Dank, dass Sie sich etwas Zeit für uns und unsere Fragen genommen haben. Zunächst möchten wir Sie bitten, sich selbst  und das Projekt FahrtenFuchs kurz in wenigen Worten vorzustellen.

Sehr gerne. Mein Name ist Johannes Thunert und zusammen mit zwei Freuden namens Julian Hauck und Bastian Porzner habe ich FahrtenFuchs im November 2012 gegründet. FahrtenFuchs ist eine Mobilitätsplattform, die alle Verbindungen im Fernbusverkehr findet und einen Preisvergleich der verschiedenen Anbieter ermöglicht. Zudem können die Nutzer Mitfahrgelegenheiten im Reisebus schnell und einfach online buchen.

Bitte skizzieren Sie uns die Vorteile, die man bei der Buchung einer Busreise über FahrtenFuchs hat?

Ein Vorteil ist natürlich die kostenlose Möglichkeit, Busfahrten online buchen zu können – auch noch relativ kurzfristig. Das spart viel Zeit in unserem immer hektischer werdenden Alltag.  Die Abwicklung haben wir dabei sehr benutzerfreundlich umgesetzt: Nach der Buchung über unsere Webseite erhält der Kunde im Anschluss eine Codenummer via Mail, mit der er sich bei Reiseantritt beim Fahrer des Busses identifiziert.

Zusätzlich zur schnellen, einfachen Buchung via Internet offerieren wir den Kunden aber auch eine Kundenhotline (mit Festnetznummer), über die man sich zu jeder Zeit persönlich beraten lassen kann. Davon profitieren vor allem ältere Menschen, die meistens nicht so vertraut mit dem WWW sind, aber auch junge Menschen unter 18 Jahren, die eine Möglichkeit suchen,  preiswert und vor allem sicher OHNE die Eltern zu reisen. So etwas funktioniert, allerdings nur mit der Einverständniserklärung des Erziehungsberechtigten. Unser Part ist, die Abläufe mit den Eltern durchzugehen und beratend zur Seite zur stehen.

In den USA und England ist der Fernbus schon lange ein gängiges Reisemittel. In Deutschland wurde Ende 2012 das Bahnmonopol aufgehoben. In wie weit hat sich der Fernbus inzwischen in Deutschland etabliert? Kann man sich womöglich aus den USA oder England etwas abschauen?

Sie haben Recht: Das bisherige Monopol der Deutschen Bahn mitsamt ihrer Vorrechte für den bundesweiten Fernverkehr wurde aufgehoben und damit der Markt für Fernbus-Anbieter geöffnet. Die Fernbusse, die bislang nur auf Strecken eingesetzt werden konnten, die mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen waren, können nun ein bisher noch unbestimmt großes Liniennetz im gesamten Bundesgebiet nutzen. Das hat zur Folge, dass zahlreiche nationale Fernbus-Anbieter miteinander konkurrieren: der Marktführer Berlin Linien Bus, die Deutsche Touring/Eurolines Germany und die Newcomer MeinFernbus, FlixBus und DeinBus.de. In Deutschland formiert sich also das Angebot gerade neu.

Trotz der vielen neuen Strecken konzentriert sich das Angebot weiterhin primär auf die großen Städte. Gerade in den ländlichen Gebieten sowie in Nord- und Ostdeutschland existieren weitaus weniger Verbindungen. Das könnte in einigen Monaten allerdings schon anders aussehen, da alle bisherigen Akteure den Ausbau ihres Streckennetzes planen. So möchte MeinFernbus auf 122 angefahrene Ziele bis zum Jahresende aufstocken. DeinBus.de möchte vom Süden in den Rest der Republik expandieren und FlixBus will Verbindungen nach Hamburg und Berlin ins Angebot aufnehmen.

Auch neue Anbieter stehen bereits in den Startlöchern, denn der Markt bietet genügend Potenzial. So drängt zum Beispiel der britische und spanische Branchenprimus National Express unter dem Namen city2city auf den deutschen Markt. Ob sich dieser jedoch eine so starke Stellung wie in Großbritannien – oder Greyhound als Monopolist in den USA – erarbeiten kann bleibt abzuwarten. Im Gegensatz zu den genannten Ländern spielt der Schienenverkehr in Deutschland eine wesentlich bedeutsamere Rolle. Einen passenderen Vergleich bieten vielleicht die Entwicklungen auf dem schwedischen Markt, auf welchem sich in den letzten Jahren eine Handvoll mittelgroße Unternehmen durchsetzen konnten.

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ADAC und Deutsche Post wollen ab November in den Fernbusmarkt einsteigen (http://bit.ly/179Ujoc). Welche Auswirkungen wird das Ihrer Meinung nach auf die Marktsituation in Deutschland haben? Werden die Fahrgäste davon profitieren?

Mit ADAC und Deutsche Post kommt ein sehr finanzstarker Mitbewerber auf den Markt. Der sowieso schon starke Preiskampf für Fernbusse wird dadurch wohl noch verschärft und für die kleineren Fernbusanbieter wird es immer schwieriger, eine feste Größe auf dem Markt zu werden bzw. zu bleiben.

Für den Kunden klingt Preiskampf natürlich zunächst nach Schnäppchen und Sparangeboten von allen Seiten. Doch um auf einem solchen Markt bestehen zu können, müssen auch irgendwo Einsparungen vorgenommen werden, worunter die Beförderungsqualität leiden könnte. Auf der anderen Seite kann es natürlich auch sein, dass jeder sein Stück vom Kuchen abbekommt und sich so für den Kunden ein flächendeckendes Busliniennetz als sinnvolle Alternative zum Auto oder Zug etabliert.

Wir können uns vorstellen, dass viele Reisende zunächst das Flugzeug oder die Bahn dem Bus vorziehen. Wie würden Sie diese Menschen von einer Busreise überzeugen?

Vor allem preislich ist der Fernbus eine gute Alternative zur Bahn, dem Flugzeug oder dem Auto. Während zum Beispiel die Strecke Tübingen – Stuttgart – Frankfurt mit einer Fahrtzeit von vier Stunden im Bus ab 9 Euro kostet, bietet die Bahn 3 Stunden zum Preis von 53 Euro an. Im besten Fall werden 44 Euro gespart, bei nur 45 Minuten mehr Fahrzeit. Gegenüber dem Auto hat die Fahrt im Reisebus ebenfalls einige Vorteile: Viel Beinfreiheit sorgt für hohen Komfort und ein entspanntes Ankommen. Viele Busse sind mit WLAN ausgestattet, so dass man die Möglichkeit hat, unterwegs zu arbeiten. Das spart wiederum Zeit ein.

Last but not least liegt uns das Thema Nachhaltigkeit – auch in Sachen Reisen – sehr am Herzen. Und der Reisebus ist nach dem Fahrrad das klimafreundlichste Verkehrsmittel. Somit tragen Mitfahrer im Reisebus einen Beitrag zum Erhalt der Umwelt bei.

Einem Klischee nach reisen Frauen ja oft mit dem halben Hausstand. Gibt es, wie bei Flugreisen Richtlinien für die Mitnahmen von Gepäck? Was darf Mann/Frau an Gepäck mitnehmen?

Die Gepäckbestimmungen sind von Busunternehmen zu Busunternehmen unterschiedlich. Aber für alle Unternehmen gilt, dass sperrige Transportgüter (z.B. Ski, Fahrrad etc.) vorher angemeldet werden müssen und gebührenpflichtig sind. Drei Beispiele:

Bei DeinBus darf ein Gepäckstück bis 20 kg sowie ein Handgepäckstück bis 5 kg kostenfrei mitgenommen werden. Jedes weitere Gepäckstück bzw. Sperrgepäck oder Fahrräder kosten 9 Euro extra.

Bei MeinFernbus können Handgepäck und zwei Reisegepäckstücke kostenlos mitgenommen werden. Sperrige Gepäckstücke werden, wenn Sie eine gewisse Größe nicht überschreiten, wie ein Reisegepäckstück behandelt. Normale Fahrräder können auf einigen Strecken nach Anmeldung mitgenommen werden. Die Zusatzgebühren dafür betragen 5 Euro.

BerlinLinineBus berechnet für Reisegepäck (bis 25kg) eine Gebühr von einem Euro für die ersten beiden Gepäckstücke. Ab dem dritten Gepäckstück oder für Gepäck über 25 kg erhöht sich die Gebühr auf 10 Euro. Handgepäck ist von der Regelung ausgenommen.

Am besten, man schaut sich vor Fahrtantritt die jeweiligen Bestimmungen des Fernbusanbieters kurz einmal genauer an.

Homepage FahrtenFuchs.de - www.weltvermessen.de

Der Komfort ist das Wichtigste bei einer längeren Reise. Welchen Komfort erwartet Reisende bei einer Reise, die über FahrtenFuchs gebucht wurde? Kann man zum Beispiel Fernsehen schauen oder gibt es womöglich sogar einen Boardservice?

Auch hierbei kommt es auf das ausführende Unternehmen und die eingesetzten Busse an. Die meisten  Fernbusse aber  verfügen über eine Vielzahl an Features, die den Reisenden die Fahrt so angenehm wie möglich machen sollen. So ist standardmäßig eine Toilette an Board, kostenfrei kann WLAN verwendet werden und auch kleine Snacks, Kaffee und Softdrinks können zu fairen Preisen erworben werden. Weiterhin gehören verstellbare Rückenlehnen, Fußstützen, Kopfhöreranschlüsse, klappbare Tische sowie Handgepäckablagen zur Grundausstattung.  Manche Fernbusse verfügen auch über Bildschirme, auf denen man z.B. die Reiseroute wie im Flugzeug nachvollziehen kann.

Der Sommer hierzulande lässt immer mehr zu wünschen übrig. Kann ich per Fernbus auch in die Sonne reisen? Werden neue Routen ins Angebot mit aufgenommen und wie werden diese ausgewählt?

Zurzeit liegt unser Fokus noch auf dem deutschen Markt. Aber es lassen sich auch Busverbindungen ins angrenzende Ausland bei uns finden. Innerhalb von Deutschland können bei uns alle Verbindungen von allen Fernbusunternehmen gefunden werden. Hierbei richtet sich die Auswahl der Strecken nach dem Angebot. Das heißt, wenn ein Anbieter eine neue Verbindung hat, kann man diese auch bei FahrtenFuchs finden.

Leider ereigneten sich in der Vergangenheit immer wieder Unfälle mit Reisebussen auf Grund mangelnder Sicherheit oder übermüdeter Fahrer. Führen Sie Kontrollen zur Sicherheit bei Ihren Kooperationspartnern durch?

Der Fernbus ist statistisch gesehen das sicherste Verkehrsmittel. Die angesprochenen Unfälle sind traurige Einzelfälle, dessen Risiko sich mit der Liberalisierung des Fernbusmarktes noch einmal verringert hat. Denn um eine Fernlinie betreiben zu dürfen, müssen die Fernbusunternehmen hohe Auflagen erfüllen. Des Weiteren ist es natürlich schwierig, als unabhängiger Vermittler tiefergehende Sicherheitskontrollen durchzuführen. Aber wenn sich die Möglichkeit bietet, führen wir von Zeit zu Zeit Testfahrten durch.

Eine Frage in eigener Sache. Busfahrten sind ja im Allgemeinen eine zeitintensivere Angelegenheit  und können auch schon mal 10 -15 Stunden dauern. Wie oft gibt es eigentlich eine Pause, in der man sich auch mal die Füße vertreten kann?

Hierbei kommt es auch wieder auf den Fernbusanbieter und auch auf die Strecke an. Generell sind Pausen auf längeren Strecken üblich.

FahrtenFuchs.de - Team - www.weltvermessen.de

Auf Grund vieler Baustellen und des hohen Verkehrsaufkommens gerät man auf Autobahnen schnell in einen Stau. Werden mögliche Staus in die angegebene Fahrzeit mit einkalkuliert oder kann es passieren, dass die Reise noch etwas länger dauert als veranschlagt?

Jeder Anbieter setzt bei der Ausarbeitung seiner Fahrpläne auf Erfahrungswerte, so dass generell ein gewisser Spielraum eingeplant ist. Aber natürlich lässt sich ein beispielsweise unfallbedingter Stau schlecht einplanen. Hierbei haben die Busfahrer aber die Möglichkeit, spontan auf die entsprechende Verkehrssituation zu reagieren und einen Stau zu umfahren.

Die Bahn fährt teils auf extra angelegten Hochgeschwindigkeitstrassen. Ist ein solches Modell auch für Fernbusse denkbar, zum Beispiel eine eigene Busspur auf Autobahnen?

Ich denke, bis ein solches Modell umsetzbar ist, bedarf es noch viel Zeit, da sich der Markt zunächst einmal finden muss. Gemeint ist, dass ein umfassendes Fernbusnetz etabliert sein müsste, bevor über Hochgeschwindigkeitslösungen nachgedacht werden kann. Die nächsten Überlegungen werden wohl eher in Richtung von Direktverbindungen ohne Zwischenhalte gehen, um die Reisezeit verkürzen zu können.

Weiterhin werden Hochgeschwindigkeitsstrecken wohl die Bahn aufhorchen lassen, weil damit nicht nur eine monetäre, sondern auch eine zeitliche Konkurrenzsituation durch den Fernbusverkehr hervorgerufen wird. Des Weiteren spielen auch Genehmigungen von behördlicher Seite eine wichtige Rolle.

FahrtenFuchs wurde im November 2012 gegründet. Welche Pläne haben Sie für die Zukunft des Portals? Sind interessante Kooperationen  mit anderen Reiseanbietern geplant?

Seit ein paar Tagen gibt es auf der der Website die „Deal-Sektion“. Ab sofort werden wir in regelmäßigen Abständen besonders günstige Tickets bzw. Sparangebote von unseren Partnern an dieser Stelle übersichtlich auflisten. Natürlich können diese auch direkt bei uns gebucht werden. Auch arbeiten wir mit Nachdruck daran, alle unsere Fahrten in Zukunft klimaneutral zu gestalten. Hierfür entwickeln wir gerade ein entsprechendes Konzept und verhandeln mit unterschiedlichen Partnern.

Ganz besonders am Herzen liegt uns natürlich unsere Suchfunktion. Immerzu sind wir damit beschäftigt, diese so kundenfreundlich wie möglich zu gestalten. So sollen mittelfristig neben dem Fernbus auch noch weitere Formen der Mobilität – z.B. CarSharing, Mitfahrgelegenheiten, Taxis etc. – mit in die Suche einbezogen werden, um etwaige Verbindungslücken zu füllen.

Müssen wir als weltvermessen.de natürlich fragen 😉 Welches ist die längste Strecke die Sie derzeit im Angebot haben?

Puh, schwierige Frage. Sehr lang mit knapp 30 Stunden Fahrtzeit ist aber auf jeden Fall die Strecke Köln – Druskininkai (Litauen). Wir haben bereits mal angedacht, diese Strecke im Rahmen eines Firmenausflugs zu testen. Aber der eine oder andere Mitarbeiter sträubt sich noch dagegen. 🙂

Strecke Köln-Druskininkai - www.weltvermessen.de

Vielen Dank für das Gespräch.

Sehr gern‘ geschehen. Wir haben ebenfalls zu danken. Für Fragen stehen wir jederzeit unter 0228 37 759945 zur Verfügung. Weitere Informationen findet man auf unserer Webseite unter www.fahrtenfuchs.de. oder in unserem Blog.

 

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