Fleecejacken, Weihnachtsmann und Trolle: Neulich in Norwegen

Verdammt lang, alles andere als breit, aber mit einer zerklüfteten Küstenlandschaft gesegnet – das ist Norwegen, eine äußerst begehrte Endhaltestelle für viele deutsche Aussiedler. Man bräuchte mehrere Tage, um das skandinavische Land von unten bis oben und zurück zu erkunden und hätte wahrscheinlich immer noch nicht alles gesehen. Deshalb lassen wir binnen 5 Tagen „nur“ die Hauptstadt Oslo und deren Umgebung auf uns wirken und reden im Verlaufe dessen auch mit deutschen Auswanderern, die Ihr Glück im Land der Wikinger gefunden haben.

Aussicht von der Skisprungschanze Holmenkollen

Aussicht vom Holmenkollen

Norwegen und der Skisport

Woran denkt man hierzulande, wenn die Sprache auf Norwegen kommt? Vielleicht ans Skifahren? Das ist in skandinavischen Ländern ja sehr beliebt. Eine kleine Anekdote dazu handelt von einer norwegischen Filmproduktionsfirma, die dereinst eigene Versionen einer erfolgreichen dänischen Filmserie nachdrehte, jede Rolle aber mit Norwegern besetzte. Nur ein äußerst stattlicher Däne wurde gebeten, seine Rolle auch in den norwegischen Filmen zu spielen – Norweger fahren offenbar doch viel zu gerne Ski…

Eine international bekannte Skisprungschanze ist jedenfalls der Holmenkollen, der auch ein Museum beinhaltet und zur Besichtigung freigegeben ist. Es ist ein guter erster Anlaufpunkt, den man mit der S-Bahn erreicht. Man muss einen klaren Tag erwischen, um eine gute Aussicht zu haben. Ein bisschen Stehvermögen für die Warteschlange vor dem Fahrstuhl, der uns auf die Plattform hochfährt, ist auch ganz gut. Oben angekommen und mit Blick auf die Schanze haben wir dann das Gefühl, die Skiathleten könnten von dieser Piste hier direkt in die Osloer Innenstadt springen!

Der Vigelandpark in Oslo

Der Vigelandpark in Oslo

Hop-on-hop-off-Tour in Oslo: Tourist on, Ticket off, oh Schreck!

Jene Osloer City hält dann viele kulturelle Kuriositäten bereit. Viele davon liegen auf der Tour der doppelstöckigen Hop-on-hop-off-Busse, von denen wir gleich einen entern. Wer eine wasserabweisende Fleecejacke trägt, sollte allerdings auf seine Eintrittskarte achtgeben: dies ist ein Aufkleber, der einem vom Buspersonal auf die Brust geheftet wird, als Zeichen, dass man bezahlt hat. Diese Sticker lösen sich nur recht schnell von Materialen wie unseren Fleecejacken, man verliert sie und muss sich den Wiedereinstieg in den nächsten Bus erlächeln. Ein kleines Dilemma, denn auch im August ist Norwegen nicht gefeit vor vorübergehendem Regen.

Dafür erhält man Gewissheit, dass viele Sehenswürdigkeiten wie der Vigeland-Park auch bei Nieselregen einen Besuch wert sind. Der Vigeland-Park ähnelt einem riesigen Freilandmuseum und beherbergt Statuen aus Stein, die vom Künstler Gustav Vigeland erschaffen wurden und Frauen, Männer und Kinder nachbilden. An der Stirnseite des Vigeland-Parks blickt man auf die bannige Dreifaltigkeit zweier Statuen des Parks und einer großen Kirche im Stadtgebiet. Die Kulisse könnte von Gustav Vigeland dereinst exakt so geplant worden sein…

Das Wikingerschiffmuseum "Vikingskiphuset"

Imposante Bauten im Wikingerschiffmuseum „Vikingskiphuset“

Schon die alten Wikinger…

Denn Planung ist bekanntermaßen ja alles. Für das Vikingskipshuset, das Wikingerschiffmuseum, musste man vor der Zusammenstellung der Exponate zunächst ein geeignetes Museumshaus finden – Türen und Decke so hoch wie Schiffsmasten, Platz für die Besucher und Gelegenheit für Restaurationsarbeiten. Ein ehemaliges Kirchengebäude mit plusförmigem Grundriss eignete sich dann dafür. So haben zahlreiche gut erhaltene Überbleibsel der alten Wikinger hier ein Zuhause gefunden. Mächtige Schiffe, Transportschlitten, Werkzeuge und Dinge des täglichen Gebrauchs aus den Wikingerzeiten bewegen uns, auch mal eine Zeit länger stehen zu bleiben, inne zu halten und uns die Lebensumstände vor Hunderten von Jahren plastisch vor Augen zu führen.

Irgendwann plagt uns der Hunger. Und wen in Oslo der Hunger plagt, der hat mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. Man sollte als herzhafte Mahlzeit oder als Snack unbedingt „Pølse“ ausprobieren, einen Hotdog mit schinkenummanteltem Würstchen. Für die Vegetarier oder als Nachtisch eignen sich „Boller“, Milchbrötchen mit Schokolade oder Rosinen gefüllt. Der Konsum von beidem führt eventuell zum Drang, in nächster Zeit vermehrt Ski fahren zu wollen 😉 Allzu oft leisten wir uns dieses kulinarische Vergnügen also nicht, auch im Hinblick auf das Preisniveau: Norwegen, Deutschlands zweitgrößter Handelspartner in Europa, ist in allen Belangen ein teures Pflaster.

Auswandern nach Norwegen

Über das Auswandern nach Andalusien und Auswanderer in Marokko haben wir schon viel gehört. Warum drängt es junge Menschen aus Deutschland also hierher? Über das Goethe-Institut in Oslo lernen wir ein paar junge deutsche Aussiedler kennen. Die Gründe, warum sie hier sind, ähneln sich, unterscheiden sich aber auch teilweise. Bei Jeanette hat die Liebe eine Rolle gespielt, in Kürze heiratet sie einen norwegischen Grafiker. Beide bewohnen ein gemütliches Holzhaus außerhalb der Osloer City. Sie haben auch schon eine Zeitlang in Deutschland gelebt, doch, so die beiden, sei in Norwegen die Lebensqualität höher, der Jobmarkt entspannter und alles etwas ungezwungener, liberaler.

Auch für Dani, ursprünglich aus Greifswald, war schon in jungen Jahren klar, welche Richtung sie einmal einschlägt. Nach ihrem Studium der Skandinavistik arbeitet die 24-Jährige heute freischaffend unter anderem für das Auslandsressort einer großen norwegischen Tageszeitung. Mareike hingegen kam vor zwei Jahren über eine Umweltschutzorganisation nach Bergen und hat sich, erst einmal, in Oslo niedergelassen. Allen ist gemein, dass sie auch so schnell wie möglich die restlichen Weiten des skandinavischen Landes kennenlernen wollen – die klare Luft, die beeindruckenden Fjorde und vor allem ihre interessanten Mitmenschen in Dörfern und Städten. Ob Oslo für immer der Lebensmittelpunkt für alle sein wird, ist ungewiss – zumindest in Norwegen wollen sie aber alle bleiben.

Tagestrip nach Dröbak

Am vorletzten Tag nimmt Dani uns mit nach Drøbak, einer kleinen Stadt südlich von Oslo. Angeblich hat dort der Weihnachtsmann sein Büro eingerichtet, für die Annahme und Bearbeitung von Wünschen von Kindern aus aller Welt! Nach einer guten Stunde Busfahrt kommen wir zunächst an den kleinen Hafen von Drøbak, wo draußen im Wasser weiße Segelboote vorbeiziehen. Durch den ganzen Ort ziehen sich die typischen Holzhäuser, vor einem davon steht ein uriger Oldtimer. So langsam verstehe ich, dass man es hier wirklich aushalten kann. Im Julehuset schließlich, dem Büro von Santa Claus, können wir unsere Wunschzettel sehen und hoffen, dass die Trolle (in Norwegen helfen dem Weihnachtsmann statt der Engel die Trolle) in den Werkstätten unsere Wünsche bearbeiten werden.

Am letzten Tag gehen wir in Oslo noch in die Nationalgalerie, um Edward Munchs berühmtes Bild „Der Schrei“ zu bestaunen. Es ist eins der berühmtesten Gemälde der Welt, und man darf es ebenso wenig fotografieren wie ihm zu nahekommen. Da Sonntags freier Eintritt in der Galerie ist, stört uns das aber nicht. Der friedliche Abschluss bildet dann das Nobel Peace Center, in der die Geschichte und sämtliche Preisträger des wichtigsten Nobelpreises dokumentiert werden.

Ich persönlich freue mich, dass ich wieder ein Land mehr in Skandinavien kennengelernt habe, auch wenn es nur ein Teaser für noch mehr gewesen ist. Ich sehe dem nächsten Mal schon freudig entgegen!

Der weltvermessen.de Faktor

Beim Kauf von Mitbringseln aus Norwegen, aber auch bei ganz normalen Besorgungen muss man als Tourist stets einen mathematisch herausfordernden Wechselkurs berechnen. 7,5 Kronen entsprechen in etwa einem Euro, wobei das auch immer nur ein Näherungswert ist. Umso höher die Preise in Norwegischen Kronen also werden, desto sorgloser wird man, habe ich gemerkt. 90 Kronen sind ja fast noch 10 Euro, und 200 Kronen für die Stadtrundfahrt „bezahlt man in deutschen Städten ja auch“, so gedacht. Also außerhalb der Eurozone nicht nur auf die Fleecejacke aufpassen! 😉

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