Fotografin und Weltenbummlerin Alexandra Kleinichen von photography by alexk

Über Südamerika und Australien haben wir bisher ja noch nicht sehr viel im Programm gehabt. Manche erinnern sich vielleicht an Ravinas Paraguay Blog oder Simon Kuttrufs Radreise durch den Huascaran Nationalpark. In dessen Nähe bewegt sich, unter anderem, die Reisefotografin Alexandra Kleinichen. Sie ist 2007 zur Auswanderin geworden und lebt überwiegend in Australien. Das Land Peru hat sie auf ihren Reisen besonders liebgewonnen. Erfahrt mehr über sie in unserer Reihe des Blog des Monats Mai!

Alexandra Kleinichen in Sydney

Alex in Sydney

Hallo Alex, schön, dass du dir Zeit für die Weltvermessen.de.n nimmst. Wo erreichen wir dich gerade, und was machst du zur Zeit?

Hallo. Zuerst möchte ich mich recht herzlich beim Team Weltvermessen bedanken, dass mein Bericht über Peru der Blog des Monats Mai 2015 geworden ist. Momentan bin ich daheim in Sydney, Australien, und zehre noch von meiner genialen Zeit in Südamerika.

Du hast bis vor 8 Jahren in Deutschland gelebt. 2007 war Deutschland Handball-Weltmeister, aus den Radios schallte Peter Fox‘ „Haus am See“ und Kofi Annan war gerade noch UNO-Generalsekretär – ganz schön lange her alles. Wie oft im Jahr bist du noch in Deutschland?

Das ist richtig, ich bin im November 2007 in Sydney gelandet und bereue keine einzige Minute seitdem. Dennoch vermisse ich meine Familie und Freunde in Deutschland. Ich versuche, einmal im Jahr nach Deutschland zu fliegen.

Da im letzten Jahr meine Familie mich in Australien besucht hat, ließ es sich einrichten, meinen lang ersehnten Traum, nach Südamerika zu reisen, zu erfüllen.

Was hat dich damals bewogen, dem eigenen Land den Rücken zu kehren?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ich war damals beruflich und privat an einem Punkt angekommen, wo ich etwas Neues ausprobieren wollte, konnte es anfangs aber nicht beschreiben, was es genau war. Damals bin ich nach Florida gereist, um meine Sprachkenntnisse für die Arbeit aufzufrischen und dort hat mich das Reisefieber gepackt. Ich wusste plützlich, dass ich im Englisch sprechenden Ausland für eine Zeit leben wollte und ein Praktikant bei meinem damaligen Arbeitgeber hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich ständig von Neuseeland gesprochen hatte, was mir gar nicht so bewusst geworden war. Daraufhin bin ich nach Neuseeland gereist um zu schauen, wie es ist, so weit weg von der Familie zu sein. Ich war in das Land verliebt und wusste, dort will ich hin.

Nun werdet ihr sagen…moment mal…Du bist doch in Australien. Ja, das ist richtig. Leider waren die Visabedingungen etwas schwieriger für Neuseeland, aber Australien hat händeringend nach „Accountants“ aus Europa gesucht und damit die Einreisebestimmungen erleichtert. Glücklicherweise hatte ich einen Sponsor in Australien gefunden und seitdem bin ich in Sydney hängengeblieben. Das einzige, was ich an Deutschland vermisse, sind meine Familie und Freunde.

Was ich selbst erfahren durfte, ist, dass „wahre“ Freundschaften bestehen bleiben und es keine Rolle spielt, wo man wohnt. Wenn Ihr vor einer ähnlichen Entscheidung jemals stehen solltet, kann ich nur empfehlen, eurem Herzen zu folgen. Wahre Freundschaften bleiben bestehen und ihr werdet definitiv herausfinden, wer ehrlich an euch interessiert ist und euch unterstützt. Das war eine meiner besten Erfahrungen, die ich beim Auswandern erlebt habe. Jeder, der mir den Rücken zugewendet hatte, war es einfach nicht wert.

Jetzt hast du deinen Hauptwohnsitz in Australien. Wie wir schon angerissen hatten, hält es dich allerdings nicht lange an 1 Fleck. Wie sah das Jahr 2015 bisher aus für dich, bist du kreuz und quer unterwegs gewesen?

Das ist wohl wahr, ich liebe es zu reisen. Nur leider muss ich wie jeder andere arbeiten, um Geld dafür zu verdienen. Viel herumreisen konnte ich in 2015 bisher nicht, aber glücklicherweise lebe ich in einer traumhaften Weltstadt, nur 5 Minuten vom Meer entfernt. Zwei meiner besten Freunde aus Deutschland waren mich im Januar und Februar besuchen und eine kleine Wochenendcruise zu meinem Geburtstag war drin.

Dennoch lässt mich mein Reisefieber nicht los und ich plane schon wieder meinen nächsten Trip. Diesmal sind aber wieder meine Eltern dran, was ich mit einer europäischen Städtereise verbinden werde.

Für unsere Leser auch immer interessant ist, wie Vielreisende ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Wie funktioniert das bei dir? Und welche Dinge oder auch Menschen sind in diesem Berufsfeld unverzichtbar?

Bisher kann ich leider nicht von meinem Hobby leben, was allerdings ein Traum von mir ist. Bis dahin gehe ich meinem normalen Job nach. Ich bin in der Wirtschaftsprüfung tätig und kann mich über den Verdienst nicht beschweren. In Australien bekommt man nur 20 Tage Urlaub im Jahr, was nicht viel ist. In unserer Firma bekommen wir weitere 5 Tage und haben die Möglichkeit, 20 Tage Urlaub zu kaufen. Das ist unbezahlter Urlaub, aber das Gehalt wird über das Jahr ueber verteilt abgezogen und somit schmerzt es nicht so sehr.

Letztes Jahr hast du dir einen Traum erfüllt und das Land mit dem kürzesten Namen (ausgeschrieben) der Welt besucht: Peru. Wer oder was hat dich dazu inspiriert?

Mein Hobby ist Fotografie und eines Tages hatte ich in einem Magazin eine Werbeanzeige gelesen, die eine Fototour nach Peru angeboten hatte. Ich wusste sofort, die Anzeige ruft nach mir. Ich hatte mich dort angemeldet. Leider kam es zur Absage im Februar letzten Jahres. Da ich aber mich so sehr gefreut hatte, führte da kein Weg vorbei, dieses nicht durchzuziehen. Ich bin daraufhin ins Reisebüro und habe eine Tour mit G-adventure gebucht. Eine Tourgesellschaft, die ich nur empfehlen kann. Obendrein habe ich noch Geld gespart. Südamerika, insbesondere Peru mit einem Besuch des Machu Picchu, war schon immer auf meiner Liste.

Mit 1,2 Millionen km² drei Mal so groß wie Deutschland und reich an Kulturgütern – außer Claudio Pizarro wissen oder kennen die meisten Deutschen jedoch sonst nicht viel mehr aus Peru. Wie gestaltet sich zum Beispiel die Einreise ins Land? Brauchen Deutsche ein Visum?

Peru ist sehr vielseitig und bietet verschiedenste wunderschoene Landschaften – von Stränden, Wüsten, dem Amazonas, Städten, Vulkanen, Anden und dem atemberaubenden Machu Picchu. Das war mir vorher nie so bewusst gewesen. Jeder kennt den Machu Picchu, aber dann hört es meistens schon auf.

Die Einreise war einfach, als Deutscher braucht man kein Visum. Gut, dass ich einen deutschen Reisepass besitze.

Wie reist man üblicherweise? Gibt es ein Streckennetz von Zügen, oder fahren auf Grund der vielen Berge nur Busse?

Darüber musste ich mir glücklicherweise keine großen Gedanken machen, da alles von G-adventure bestens organisiert war. Aber ja, es gibt bequeme moderne Busse, die zwischen den einzelnen Städten verkehren, z.B. von Lima über Nazca nach Arequipa. Von dort aus sind wir nach Cusco geflogen. Wer direkt nach Cusco möchte, sollte von Lima aus fliegen.

Machu Picchu Inka Trail (c) photographybyalexk.com

Machu Picchu Inka Trail. Copyright: photographybyalexk.com

Den Zug von Ollantaytambo (Sacred Valley) nach Agua Calientes kann ich sehr empfehlen; der Zug ist modern und bequem. Man reist durch eine wunderbare Landschaft. Essen und Getränke werden serviert. Wir sind damals am Kilometer 104 ausgestiegen, um von da aus eine 1-Tages Wanderung zum Machu Picchu zu starten. Das ist perfekt für alle, die gern zum Machu Picchu wandern, aber nicht für 4 Tage unterwegs sein wollen und vielleicht auch kein Fan vom Zelten sind.

Das Gefühl nach einer sechsstündigen Wanderung am berühmten Sungate anzukommen, kann man nicht in Worte fassen. Mir liefen vor Freude die Tränen herunter.

Ich wusste übrigens gar nicht, dass die Bewohner Perus…

…so sehr arm, aber so freundlich sind. Mir war bewusst, dass ich in die Dritte Welt reise und die Leute sehr arm sind – dennoch war ich schockiert zu sehen, wie viele Menschen in solcher Armut leben. Unser Tourguide hat uns viele herzzerreißende Geschichten über die Einwohner Perus und deren Probleme erzählt. Es ist für uns unvorstellbar. Die Menschen jedoch sind so freundlich und würden alles für einen tun, soweit man den Menschen mit Respekt entgegenkommt.

Was mich total beeindruckt hatte, waren diese beiden Kinder mit ihrem Esel. Deren Eltern haben Touristenartikel verkauft. Unser Bus hatte wegen des Sonnenuntergangs gehalten, aber als ich die beiden Kinder in ihrer traditionellen Kleidung mit ihrem Esel gesehen hatte, war ich hin und weg. Ich habe dieses Foto aufgenommen:

Kinder mit Esel in Peru Copyright: photographybyalexk.com

Kinder mit Esel in Peru. Copyright: photographybyalexk.com

Es ist ueblich, erst zu fragen und dann die Peruvaner zu bezahlen, wenn man ein Foto aufnimmt. Ich habe diesem Maedchen 2 Soles gegeben (ueblich sind 1 Soles), sie war so ueberwaeltigt und dankbar. Das Laecheln dieses Maedchens war unbezahlbar. Die Einfachheit, in der diese Familie lebt und deren Happiness, die sie austrahlen, hat mich zum Nachdenken gebracht. In unserer westlichen Welt spielen die meisten Kinder mit Ipads und lernen nicht den Wert des Geldes zu schaetzen. Manche Leute besitzen Reichtuemer und sind ungluecklich. Die beiden Kinder in Peru haben mich wach geruettelt und gezeigt, dass Happiness nicht von Dingen kommt, die man besitzt, sondern vom Inneren des Herzens. Jeder in der Welt kann gluecklich sein, wenn man es will und zulaesst und die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen weiß.

Wie kommuniziert man am besten mit den Einwohnern, in welcher Sprache, aber auch auf welche Gesten sollte man achten?

In Südamerika und insbesondere in Peru sprechen nur wenige Leute Englisch und schon gar nicht Deutsch. Ich empfehle auf jeden Fall die wichtigsten Worte in Spanisch zu lernen. Wer „Gracias“ (Danke), „por favour“ (Bitte) und „buenos dias“ (Guten Tag) sagen kann, hat schon ein Lächeln der Einwohner gewonnen. Wenn man ein paar Worte mehr kann, um so besser.

Wer reisen will und die Sprache der Einwohner halbwegs kennt, lernt wirklich das Land kennen. Andere bleiben Touristen. Erwartet nicht, dass die Einwohner Eure Sprache sprechen. Jede kleine Unterhaltung, die man führen kann, wird von den Peruvanern hoch geachtet. Auch wenn man Grammatik und Wörter durcheinander bringt, das spielt keine Rolle. Der Wille wird hoch anerkannt. Und glaubt mir, mein Spanisch war eine Katastrophe, aber ich konnte ein paar wenige Worte sagen und verstehen.

Auch nicht zu übersehen ist, dass Spanisch sprechende Reisende nicht so schnell uebers Ohr gehauen werden als Leute, die kein Wort verstehen.

Einsames Boot in Cronulla (c) photographybyalexk.com

Einsames Boot in Cronulla. Copyright: photographybyalexk.com

Hast du einen Geheimtipp für Perureisende? Ein Ort, der dir besonders gut gefallen hat?

Ich glaube, jeder kennt und hat von Machu Picchu gehört…und ja, ich weiß nicht, was es ist, aber es ist ein magischer Ort. Der Weg zum Sungate ist anstrengend und bevor man den gigantischen Ort zu sehen bekommt, muss man die „oh my god“ – stairs hochklettern. Das sind sehr steile Treppen, die man wie eine Leiter besteigen muss. Dann endlich am Sungate angekommen, sieht man den gigantischen Machu Picchu. Das Gefühl kann man nicht in Worte fassen. Gänsehaut und pure Lebensfreude stellen sich ein; auch ein Gefühl von unwahrscheinlichem Respekt kam in mir hoch. Wie die Inkas diesen Ort in dieser Höhe erschaffen haben, ist mir immer noch ein Rätsel.

Machu Picchu in Peru (c) photographybyalexk.com

Machu Picchu in Peru. Copyright: photographybyalexk.com

Außer Machu Picchu und der super idyllischen Stadt Cusco hat mir auch Arequipa gefallen. Eine weiße Stadt, umgeben von Vulkanen und ein Klostergelände von über 20.000 m². Nicht zu vergessen, der Lake Titicaca – einer der höchstgelegenen Seen der Welt, ist traumhaft schön.

see http://www.photographybyalexk.com

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Was kann man, was sollte man, an der Costa, in der Sierra (Hochland) und in der Selva (Regenwald) einmal kulinarisch probiert haben? Perus Küche ist sicher sehr exotisch…

Die Peruvanische Küche ist eine der besten der Welt. Quinoa, das sogenannte „Superfood“, ist überall zu haben und wächst dort wie Unkraut. Jegliche Peruvanische Suppen sind köstlich und voller Geschmack. Die Peruvanische Küche verwertet viel Chili, aber keine Angst, ich fand den Chili mild. Meine Lieblingsgerichte waren:
-Palta rellena (gefüllte Avocado)
-Sopa de criolla (Suppe mit Tomaten und Chili, Fleisch und Ei)
-Quinoa soup
-lomo soltado (beef with Soja Sauce, Chilli and Paprikaschoten)
-unbedingt zu probieren: Ceviche
-der getrocknete Mais ist so lecker
-Llama Fleisch und
-in Puno (Lake Titicaca), wer mutig ist, kann Meerschweinchen am Spieß probieren
-Meeresfrüchte und Fisch sollte man nur an der Küste und am Lake Titicaca essen.

Essen in Peru (c) photographybyalexk

Essen in Peru. Copyright: photographybyalexk.com

Bleibt für uns nach diesen Eindrücken zu fragen, wann du wohl wieder dorthin zurückkehrst, und worauf du dich weiterhin in der Zukunft noch freust?

Ich war so fasziniert von Peru. Die Einwohner sind so freundlich. Etwas, was ich gelernt habe, ist definitiv, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Die Mehrheit der Peruvaner sind so dermaßen arm, das tat mir in der Seele weh zu sehen. Dennoch, einen großen Unterschied stellte ich fest: die Leute sind glücklich und mit dem zufrieden, was sie besitzen. Deren Werte im Leben sind Familie, Freunde und Respekt. Etwas, von dem wir lernen können.

Einen guten Tipp am Rande – wenn Ihr an Luxusurlaub interessiert seid, vergesst Peru. Das ist nicht der Ort für Euch. Wenn Ihr aber Reisende seid, die ein Land und deren Kultur richtig erfahren und euer eigenes Leben zu schätzen wissen wollt, dann seid ihr in Peru genau richtig. Bedenkt, dass die meisten Einwohner keine heiße Dusche haben oder ein Dach über ihrem Haus, das ändert jedoch nicht den Menschen.

Mein Salsatanzlehrer in Sydney ist Peruvaner. Er sagte eines Tages:

„Solange man den Leuten mit Respekt begegnet, werden Peruvaner alles für Dich tun, sie laden Dich zum Essen ein und servieren alles, was sie haben. Dass sie letztendlich morgen nichts zum Essen haben, spielt keine Rolle.“

Das war etwas, was mich total berührt hat.

Viel Spaß beim Reisen. Wenn ihr mehr über meine Reisen erfahren wollt, schaut doch mal auf meiner Webseite und dem Blog vorbei: http://blog.photographybyalexk.com.

Liebe Alex, vielen Dank für dieses Interview und die selten zu findenden Einblicke über Peru und seine Bewohner! 

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