Gornji Grad und Donji Grad: Sehenswürdigkeiten in Zagreb

Spätabends um 22 Uhr rollen wir nach stundenlanger Fahrt in den Zagreber Busbahnhof ein. Wir befinden uns auf Rundreise durch Kroatien, deren erster Teil in der Hauptstadt Zagreb stattfindet.

Reiterstandbild von König Tomislav

Reiterstandbild von König Tomislav

Stadtrundgang durch Zagreb – die Unterstadt Donji Grad

In der Nacht ist das Gebäude des Bus– und Fernbahnhofs fast nicht zu erkennen, aber am nächsten Tag sieht es schon klarer aus. Der König-Tomislav-Platz mit dem Hauptbahnhof im Hintergrund ist der Ausgangspunkt unserer Stadtbesichtigung. Mit dabei ist Ivan, Dozent für kroatische, serbische und slowenische Literatur an der Universität Zagreb. Als er noch studiert hatte, machte er für Touristen als Nebenjob Führungen durch die 800.000-Einwohner-Stadt. Perfekte Voraussetzungen also für einen spannenden Tag. Kennengelernt habe ich Ivan in einer deutschen Summer School, und vor einiger Zeit stand endlich mein Gegenbesuch ins Haus.

Zagreb besitzt zwei alte Stadtkerne, deren modernerer und neuer Teil die Unterstadt (Donji Grad) ist. Hier stehen wir vor König Tomislavs Memorial. Im Jahre 910 n.Chr. vereinigte dieser das Binnenkroatien und das an der Küste liegende Kroatien zu 1 Staat und führte danach weitere Eroberungen durch. Auf mysteriöse Weise war er ein paar Jahre später allerdings wie vom Erdboden verschluckt, sieht sich heute jedoch immerhin in eben diesem Reiterstandbild wieder.

Gerichtsgebäude in Zagreb

Gerichtsgebäude in Zagreb, Bänke davor

Anekdote vorm Gerichtshof aus der Zeit Titos

Mir gefallen, obschon die echten Highlights noch warten, bereits die Häuserzeilen der Stadt, das Grün rundum, die Menschen und insgesamt das Flair des Balkans und seinen zahlreichen verschiedenen Kulturen. An einem weißen Gebäude mit einem durch dicke Säulen gestützten Balkon bleiben wir stehen. Ich mache ein Foto, und ich bin froh, dass darauf neben dem Gebäude auch zwei Bänke mit darauf gekommen sind.

Nachdem wir nämlich weitergehen, erzählt Ivan, dass die rechte Sitzbank im Bild, mit Blick auf das Gerichtsgebäude, erst seit ein paar Jahren wieder dort steht. Zu Zeiten Titos, als Kroatien noch zu Ex-Jugoslawien gehörte, wurde die betreffende Bank abmontiert. Aber warum, was war der Grund dafür?

Die Staatsführung unter dem Diktator Josef Tito hatte damals befürchtet, dass dort sitzende Passanten zuweilen aus dem Gerichtsgebäude abgeführte Gesinnungsgegner hätten beobachten können. Da man in Zagreb auch den ganzen Tag am selben Fleckchen sitzen kann, sollte niemand bei direkter Konfrontation solcher Szenen auf etwaige „falsche“ Gedanken kommen oder politische Zustände hinterfragen. Das Gebäude und seine Pforten sollte man allenfalls in seinem Rücken haben, und direkt gegenüber fällt die Aufmerksamkeit dann schnell auf einen kleinen Stadtpark.

Der Ban-Jelacic-Platz in Zagreb

Der Ban-Jelacic-Platz

Der Ban-Jelacic-Platz ist der Hauptknotenpunkt Zagrebs

Weiter geht es zum Ban-Jelacic-Platz. Einerseits kommen hier Liebhaber von Zischlauten auf ihre Kosten, zum anderen befinden wir uns hier natürlich auch auf dem belebtesten Platz der Hauptstadt. Das Denkmal vom Reiterban Jelacic stammt noch aus der Österreich-Ungarischen Zeit. Drei verschiedene Stilepochen der Architektur (Klassizismus, Wiener Sezession und Moderne) münden ebenso in den Ban-Jelacic-Platz wie die längste Straße Kroatiens, die Ulica Ilica.

Die Kathedrale zu Zagreb ist ebenfalls unweit, sie ist mit ihrer Doppelkirchturmspitze eins der höchsten Gebäude Kroatiens. Wir werden sie gleich nochmal von der Oberstadt Gornji Grad aus sehen. Und um dorthin zu gelangen, gehen wir nicht zu Fuß, nutzen wir nicht den Zug, lassen das Auto stehen und werden auch nicht fliegen!

Die Station der Standseilbahn, von der Unterstadt aus gesehen

Die Station der Standseilbahn, von der Unterstadt aus gesehen

Die Standseilbahn Uspinjaca in Zagreb

Von der Ulica Ilica geht eine Sackgasse ab zur Zagreber Uspinjaca, einer Standseilbahn, die es in einigen Städten der Welt gibt, die verschiedene Höhenlevels besitzen. Mit dieser blauen Schublade setzen wir also nach der Oberstadt Gornji Grad über bzw. hinauf. Die Fahrt dauert zwar nur 1 Minute, dafür kann ich reklamieren, mit einer der steilsten Standseilbahnen der Welt gefahren zu sein. Und dazu auch noch geradeso rechtzeitig, denn ein Schild weist uns auf anstehende Reparaturarbeiten hin. Glück gehabt, sonst hätten wir laufen müssen!

Die St.-Markus-Kirche in Zagreb

Die St.-Markus-Kirche

Die Oberstadt Gornji Grad

Die wichtigste der Sehenswürdigkeiten in Zagreb, was die Oberstadt angeht, ist die St.-Markus-Kirche. Auf dem Dach des Kirchenschiffs befinden sich zwei Wappen, die wie aufgestickt aussehen. Rechts ist das heutige Wappen der Stadt Zagreb, links daneben das des dreieinigen Königreichs Kroatien, Slawonien und Dalmatien, das wie fast jeder Staat mit seinem Volk und seinen Monumenten eine bewegte Geschichte hat.

Hier im Südosten Europas, das darf man nicht vergessen, herrschte vor nicht einmal 20 Jahren noch ein schlimmer Krieg, und auch die Jahrhunderte davor sind voll von Heldengeschichten, Tragödien und Konflikten. Die Kroaten heute, so erzählt mein Reiseführer Ivan, wollten heute aber einfach nur leben, und nicht mehr über vergangene Zeiten sprechen oder denken müssen.

In diesem Zusammenhang kommen wir wie zufällig an einem Museum vorbei, durch dessen Scheibe ich lunse. Es ist das Museum of Broken Relationships, das inzwischen auch einen temporären Ableger in Berlin hat. Dort werden Exponate aus auseinandergegangenen Liebesbeziehungen ausgestellt. Entweder sind es Gegenstände, die einen an die schöne Zeit vergangener Tage erinnern, oder es sind Überbleibsel, die repräsentativ für das Scheitern der jeweiligen Liebschaft steht. Zuweilen ist es skurril und humorvoll, aber wenn man sich gerade frisch getrennt haben sollte, gibt es in Zagreb auch noch andere Beschäftigungen, wie etwa mit den Naturwissenschaften.

Gedenktafel für Nikola Tesla

Gedenktafel für Nikola Tesla

Denn wenn man mit Zagrebern schnell ins Gespräch kommen möchte, behilft man sich einer simplen Vorgehensweise. Fragt einfach jemanden etwas ungläubig, ob der vielen Statuen, Gedenktafeln und dem Konterfei auf dem 100-Dinar-Schein: „Wer war das denn nun eigentlich, dieser Nikola Tesla?“ (Da man in Kroatien an überwältigend vielen Orten Deutsch versteht, ist das gar keine so verrückte Idee). Nikola Tesla war ein Pionier in der Elektrotechnik, der sich besonders in der drahtlosen Energieübertragung für viele Neuerungen und Patente verantwortlich zeichnen konnte und seine Hauptschaffenszeit in den USA verbrachte. Mehr kann euch dann euer Gesprächspartner vor Ort erzählen…

Cevapcici im Serbischen Restaurant in Zagreb

Cevapcici im Serbischen Restaurant in Zagreb

Die Belohnung danach: Cevapcici essen gehen in Zagreb

Zur maximalen Ausbeute an diesem Tage fehlen uns bei einem Spaziergang zurück in die Unterstadt durch den wunderschönen Park Maksimir nur noch zwei Dinge. Nein, eigentlich drei, denn Ivan hat jetzt Hunger für zwei und ich nur für mich selbst 😉 Wir gehen etwas raus aus der City, in ein Wohnviertel schon, und suchen ein Restaurant mit serbischer Küche auf. Das sei das einzige Manko, sagt Ivan mit einem Augenzwinkern, dass viele berühmte und schmackhafte Gerichte vom Balkan exklusiv serbisch sind und nicht von seinen Landsleuten erfunden. Aber das ist reine Anerkennung. Schließlich weiß er die Vorzüge von Pan-Bier, schmackhaft gebratenen Cevapcici, einer großen Schüssel Bohnen und einem riesigen frischen Brot sehr wohl zu schätzen.

Der weltvermessen.de-Faktor der Sehenswürdigkeiten in Zagreb

0,00 Euro kostet das Nutzen der öffentlichen Verkehrsmittel in Zagreb an gesetzlichen Feiertagen. Bis vor drei oder vier Jahren war dies auch an jedem anderen Tag des Jahres der Fall, nur wurde das Modell des kostenlosen Nahverkehrs an Nicht-Feiertagen dann aus finanziellen Gründen wieder abgeschafft.
(Ivan fährt aber nach wie vor schwarz 😉 )

PS: Den zweiten Teil meiner Kroatien-Quadrologie findet ihr auf Markus‘ Blog als Gastartikel: http://www.travellingtheworld.de/auf-den-spuren-der-roten-zora-senj/

PPS: Den dritten Teil findet ihr nunmehr weiter vorne im Blog. Lest, wie ich um die Sehenswürdigkeiten in Trogir schlich!

(Visited 715 times, 1 visits today)

3 Kommentare

  1. Hallo Thilo,

    danke für den tollen Artikel. Ich will demnächst mit Freunden auch unser neues EU-Land erkunden. Wir sind uns noch nicht sicher ob wir Zagreb aufsuchen wollen, aber nach dieser Lektüre werde ich das mal wärmstens ans Herz legen.

    Kannst Du mir sagen (oder noch besser auf Googlemaps zeigen) wo wir dieses serbische Restaurant finden?

    LG

    sEb

    • Hallo Seb,

      danke für dein/euer Interesse. Auf der Seite travellingtheworld.de von Markus erscheint nächsthin ein zweiter Artikel über meine Kroatienreise (nach Senj, Stadt der Roten Zora). Im Zuge dessen werde ich meinen damaligen Host einmal anmailen, wo sich dieses Restaurant befindet. Ich melde mich dann spätestens nächste Woche wieder.

      Beste Grüße,
      Thilo & die Weltvermessen.de.n

  2. Pingback: Reisebericht Senj, Drehorte aus Die Rote Zora (1979)