Im Reich des Alexander Lukaschenko – mein Urlaub in Belarus

Unser heutiger Gastautor Stefan besuchte im letzten August Weißrussland.  Thilo war zwei Jahre zuvor ja schon mit dem Zug nach Minsk gefahren und hatte sich im Eislaufen versucht. Stefans Erfahrungen unterscheiden sich deutlich von der schneereichen Idylle, die Thilo so genießen konnte. Leider gehören auch negative Erfahrungen zum Reisen, aus denen andere aber lernen können.

Palast der Republik (c) Stefan Petzold

Palast der Republik

Vom 19.08.2013-26.08.2013 besuchte ich die Hauptstadt Minsk in Belarus, das ich schon immer mal noch sehen wollte. Meine Erlebnisse waren jedoch nicht so schön wie in Moskau und St.Petersburg. Ich merkte schnell, dass ich in einem rigiden Staat „Urlaub“ machte.

Die Polizisten und viele Belarussen sind strenger und humorloser. In Moskau konnte ich ohne Probleme einen Polizisten nach einem Weg fragen, dort bekam ich ostentativ die Frage „Tschto“? (dt. „Was?“) mit aggressivem Unterton als Antwort.

Hotelzimmer Jubilejny in Minsk (c) Stefan Petzold

Hotelzimmer Jubilejny in Minsk

Übernachtung mit pikantem Sonderangebot: Sex in Minsk

Ich übernachtete im Hotel „Jubilejny“. In einer Gästebewertung des Hotels von einem Besucher zuvor, las ich, dass die hübschen Damen der Rezeption abends Gäste anrufen und bestimmte Dienste anbieten…(also Sex gegen Geld). Ich nahm das Hotel trotzdem.

Montag abends wusste ich, dass das alles keine Lüge war. Sie riefen mich bis auf zwei Abende jeden Abend an. Ich tat so, als ob ich nichts verstehen würde, später nahm ich gar nicht mehr ab. Ich wusste, dass, wenn ich mich einmal darauf einlassen würde, diese Leute mich ausnützen würden. Schließlich war ich allein. Ich hatte Bedenken, dass sie es als Beleidigung empfanden und sich anderweitig was einfallen lassen, um an Geld zu kommen.

Im Zimmer hatte ich diesmal auch keinen Safe. Ich hätte meine Pässe an der Rezeption abgeben können, jedoch tat ich dies nicht, da ich den Angestellten nicht vertraute.

An dem Abend, als niemand anrief, schlief ich schlechtesten. Denn es hätte ja sein können, dass sie dann persönlich zu mir kommen. Ich schlief immer halbwach. Das alles beunruhigte mich, weil es in Belarus nicht nur für Totschlag und Hochverrat die Todesstrafe gibt, sondern auch für Sexualdelikte.

Im Zimmer war auch immer ein nerviges lautes Klopfen zu hören, wenn jemand eine Spülung im Hotel tat. Die Wände waren dünn und das Hotel war noch im alten sowjetischen Baustil der Sechziger Jahre. So hatte ich im Jahr 2013 noch die Gelegenheit, in einem Hotel aus den Sowjetzeiten zu sein.

Das Preis-Leistungsverhältnis war ein Witz. Für dasselbe viele Geld hätte ich in Moskau mehr Service, Freundlichkeit und Sauberkeit bekommen. Ich vermisste das Hotelpersonal im Hotel in Moskau von den vorigen Jahren. In Belarus war das Personal perfide, unhöflich und auf Geld aus.

Oper in Minsk (c) Stefan Petzold

Oper in Minsk

Stadtrundfahrt in Minsk ohne viel Fotografieren

Dienstags machte ich eine zweistündige Stadtrundfahrt mit einem Fremdenführer, der Wassili hieß. Wir fuhren mit dem PKW umher. Wir unterhielten uns über Politik, die Sowjetunion und Sozialismus. Als ich mit ihm über Alexander Lukaschenko reden wollte, bemerkte ich, dass ihm das unangenehm war, öffentlich über ihn zu sprechen.

Ich erzählte ihm auch von meinem Hotel und er meinte, ich solle generell in Belarus brav sein und die Nerven bewahren. Das tat ich, so gut es ging. Da es mir dort nicht so gefiel, machte ich auch wenige Fotos. In Museen übrigens gar keines, denn das Museumspersonal war sehr unhöflich.

Innenstadt von Minsk mit MacDonalds (c) Stefan Petzold

Der „berühmte“ McDonald’s in der Innenstadt von Minsk

Positive Aspekte der Reise

Aber es gab auch perplexe und kuriose bzw. positve Tatsachen in diesem Land: Es gibt kaum Obdachlose, die Arbeitslosen- und Kriminalitätsquote ist sehr gering. Obdachlose sah ich nur vereinzelt, und wenn dann, in Parks. Als Tourist kann man bis spät in die Nacht auch dort spazieren gehen. Es ist sehr sicher, denn die Polizei ist stets präsent und sorgt für Ordnung.

Straßenmusikanten sind auf der Straße nicht zugegen, nur wenige in den Metro-Stationen. Ich selbst ging lange bis in die Dunkelheit promenieren, weil ich mich außerhalb des Hotels sicherer fühlte. Im Hotel kam ich mir wie die Maus in einer Falle vor, die stets zuschlagen kann. Auch waren im Hotel wenige Deutsche, wenn dann nur Geschäftsleute.

Eine Statistik aus dem Jahr 2008 besagt, dass nach Belarus in einem Jahr nur soviel Deutsche reisen, wie nach Mallorca an einem ganzen Tag! Also kein Urlaubsland, was mir auch die Belarussen durch verwunderte Blicke zu verstehen gaben, wenn ich mal eine Auskunft brauchte und ich ihnen erzählte, dass ich aus Deutschland komme.

Aber da ich mittlerweile die kyrillische Schrift lesen und schreiben kann, war vieles einfacher. In den Supermärkten gibt es dieselben Produkte wie bei uns, und auch McDonalds hat sich dort etabliert. Die Globalisierung macht selbst dort nicht halt.

Mitte der Woche wurde es lockerer und am Freitag verbrachte ich einen schönen Mittag mit einem Argentinier, der Pablo hieß. Ich traf ihn vor dem Opernhaus und er machte eine Rundreise in Belarus, ging z.B. noch nach Brest, das ehemalige Brest-Litowksk, wo die Friedensverhandlungen nach dem Ende des 1.Weltkrieges stattfanden.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Minsk sind

  • Palast der Republik (Foto)
  • Regierungs/Parlamentsgebäude A. Lukaschenko
  • Mahnmahl gegen alle Kriege der Erde
  • Nationalbibliothek
  • Sowjetisches Ehrenmal
  • Expo
  • Museum des großen Vaterländischen Krieges
  • Denkmal von Felix Dscherschinski, dem Gründer des Geheimdienstes Tscheka (In Mokau wurde das Denkmal entfernt)

Regierungssitz Minsk Lukaschenko (c) Stefan Petzold)

Regierungssitz von Lukaschenko in Minsk

Architektur der Stadt

Minsk ist offiziell eine Stadt, in der die sowjetische Architektur zur Geltung kommt, erkennbar durch die futuristische Baukunst (z.B. die Expo und die Nationalbibliothek).

Auf einer großen Leinwand in der Innenstadt wird Alexander Lukaschenko übertragen, wenn er eine Sitzung oder eine Rede hält. Lukaschenko war als einziger damals gegen die Gründung der GUS, und unterzeichnete die Auflösung der UDSSR nicht.

Negativ aufgefallen ist er als rabiater Unterdrücker der Oppositionsbewegung in Minsk und in den Medien hierzulande, als er eine impertinente Reaktion auf Guido Westerwelle hatte. Dieser meinte, Lukaschenko sei ein Diktator, worauf dieser antwortete: „Lieber Diktator als schwul“.

Sowjetischer Baustil in Minsk (c) Stefan Petzold

Sowjetischer Baustil in Minsk

Fazit

Auf Grund meiner Erfahrungen bin ich der Meinung, dass Belarus kein sozialistisches Land ist, sondern ein repressiver Staat, der sein Volk kontrolliert. Auch in ökonomischer Hinsicht ist vieles anders. Es gibt reiche Menschen, die auch ihre Eigentumswohnungen haben.

Die Menschen kamen mir jedoch insgesamt nicht glücklich vor, sondern eher angepasst und so, als ob sie sich mit den Gesetzen in diesem Staat abgefunden haben.

Obwohl es eher ein psychischer Härtetest als ein Urlaub war, habe ich es trotzdem nicht bereut. Die Erfahrung war es wert.

Autor:
Stefan Petzold

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