Interview mit David Lohmüller, Fotograf und Weltreisender

David Lohmüller ist Profifotograf aus Freiburg, aber auch passionierter Reisender. Ende 2010 hat er sein spannendes Projekt in Angriff genommen und die Panamericana, eine Schnellstraße, die den amerikanischen Doppelkontinent über 26.000 km Straßennetz verbindet, innnerhalb von vier Monaten bereist. Das weltvermessen.de – Team war bei seiner Präsentation (Reisebericht Panamericana) in Köln dabei. Ein paar Monate später haben wir David Lohmüller ein zweites Mal befragt, um ein noch besseres Bild des Globetrotters zu bekommen. David Lohmüllers Blog ist unser Blog des Monats.

Zelten am Bergsee unter freiem Himmel (c) David Lohmueller - weltvermessen.de

David Lohmüller auf seiner Panamericana-Tour

1. Hallo Herr Lohmüller. Bevor wir mit den Fragen beginnen, wo erreichen wir Sie gerade?

In Portugal. Genauer gesagt im Ort „Luz“, wo ich mir gerade eine kleine Auszeit gönne und meinem größten Hobby, dem Wellenreiten, nachgehe.

2. Sehen Sie sich selbst eher als professionellen Reisenden, als Blogger oder als Fotografen?

Letzteres. Alleine vom Reisen und Bloggen den Lebensunterhalt zu sichern, ist schwierig und ich stehe, wenn überhaupt, in diesem Bereich auch erst am Anfang. In der Fotografie konnte ich mir in den letzten Jahren jedoch in meiner Heimatstadt Freiburg mit einem Fotoblog (100% FREIBURG) ein berufliches Standbein aufbauen. Dass den Blog mittlerweile über 13.000 Facebook Fans verfolgen, verdanke ich bestimmt auch ein Stück weit meiner Erfahrung als Reiseblogger.

3. Wie viel Zeit verbringen Sie im Schnitt pro Jahr auf Reisen?

Leider nicht so viel, wie ich es mir wünschen würde. Meine letzte große Reise war die Panamericana (2011). Seither war ich nur auf kleineren Kurztrips unterwegs.

4. Kann man Sie erreichen, wenn Sie unterwegs sind?

Das hängt natürlich ganz davon ab, wo ich gerade bin. Aber in aller Regel ja. Zumindest gilt das für Emails, etc. Mittlerweile gibt es schließlich auch in den entlegensten Orten dieser Welt Internet und man hat quasi von überall Zugriff auf sein elektronisches Postfach. Ein Telefon habe ich bei größeren Reisen jedoch nie dabei.

5. Was zeichnet gute Reiseblogs aus?

Ich muss ehrlich gesagt gestehen, dass ich selbst gar nicht so viele Reiseblogs verfolge. Einen davon, den ich aktuell jedoch sehr toll finde, ist weitweg.ch: Ein guter Freund von mir ist mit 5 Euro am Tag mit seiner Freundin für „zwei oder drei Jahre“ unterwegs um die Welt und nimmt dabei in regelmäßigen Abständen unheimlich schöne, emotionale und bildgewaltige Videotagebücher auf. Das wichtigste bei einem Reiseblog sind für mich immer unverstellte Beiträge, die es schaffen, den Leser für einen kurzen Moment lang aus dem Alltag zu entreißen und mit auf die Reise zu entführen. Authentisch muss es sein.

6. Gibt es Druck, Orte zu entdecken, die noch kein anderer Blogger beschrieben hat?

Nein.

Mayaruine in Palenque (c) David Lohmüller - weltvermessen.de

7. Nimmt das Bloggen ein wenig den Spaß am Reisen? Vielleicht, weil man nicht frei in den Tag  hineinleben kann, sondern darauf achten muss, gute Bilder zu schießen und weiß, dass man am Ende einen ausführlichen Bericht veröffentlichen muss?

Ich habe das Bloggen eigentlich immer als Bereicherung erlebt und es in erster Linie für mich selbst getan. Ich schreibe sehr gerne und es hilft mir dabei, die vielen Eindrücke und Erlebnisse, die einem auf einer Reise widerfahren, zu verarbeiten. Unabhängig davon ist es schön, auf diese Weise am Ende ein Tagebuch zu haben, in dem man auch später noch stöbern kann. Den Spaß am Reisen hat mir das Bloggen daher noch nie genommen.

Seitdem aber auch ein größeres Publikum meine Blogs verfolgt und sich dafür interessiert, wie es weitergeht, möchte ich natürlich mit den Geschehnissen auf dem Laufenden bleiben. Da ist es zugegebenermaßen nicht immer ganz einfach, die Zeit dafür zu finden. Auf der Panamericana habe ich daher zum ersten Mal auch zwischendrin ein paar Extratage eingeplant, um den Blog zu aktualisieren.

8. Warum legen Sie für jedes Projekt ein eigenes Blog an?

Darüber habe ich mir bisher noch nicht viele Gedanken gemacht. Aber ich habe jetzt seit kurzem eine eigene Homepage (http://www.davidlohmueller.com), die ich nun als Sammelstelle für meine diversen Projekte verwenden werde.

9. Ihr letztes Projekt war ein Road Trip entlang der Panamericana, den Sie auch auf einer Tournee in vielen deutschen Großstädten vorgestellt haben. Hatten Sie genug Zeit auf der Reise, einzelne Länder oder Orte auch näher kennenzulernen? Gibt es ein Land, das Sie gerne noch einmal gesondert bereisen würden?

Die Herausforderung bei dem „Roadtrip Panamericana“ war es, in nur 4 Monaten die komplette Strecke von 18.000 Kilometern ohne Flugzeug zurückzulegen. Es liegt in der Natur der Sache, dass es dabei relativ zügig vorangehen musste. Ich habe versucht, eine gute Mischung aus Unterwegssein und aus Innehalten hinzubekommen.

Dabei gab es zwischendurch immer wieder größere Abschnitte, in denen ich Kilometer gemacht habe, aber dann eben auch die Abschnitte, in denen ich mir viel Zeit genommen habe, um die Orte, die mir wichtig waren, genau anzuschauen und kennenzulernen.

Ich würde gerne noch einmal nach Nicaragua reisen, aber auch die wilden Weiten Patagoniens und Feuerlands haben es mir sehr angetan und ich möchte auf jeden Fall noch einmal dort hin zurückkehren.

10. Wie finanzieren Sie Ihre Reisen?

Ich habe meine Reisen bisher immer selbst finanziert und darauf hingespart. Die Vortragstournee über den „Roadtrip Panamericana“ hat es mir jetzt zum ersten Mal ermöglicht, eine Reise nachträglich zu finanzieren.

11. Was war Ihr spannendstes Ziel und Ihr spannendstes Erlebnis?

Keine leichte Frage. Denn da fallen mir spontan so viele Dinge ein, die es alle wert sind hier Erwähnung zu finden. Alleine auf meinem „Roadtrip Panamericana“ gab es unzählige Erlebnisse und Erfahrungen:

Da gab es die 3-tägige Fahrt durch Sturm und Wolkenbruch in einer Nussschale von einem Segelboot. Das Klettern hinab in die stickigen Schächte der höchst gelegenen Silbermine der Welt. Das Pflücken von Kokosnüssen auf einer Paradiesinsel, die nicht größer ist, als ein Fußballfeld. Der Adrenalinkick, mit 72 km/h auf einem Holzbrett über Vulkanasche talwärts zu rasen. Das Erstarren vor einer unglaublichen Traumwelt in den Salzwüsten der bolivianischen Hochebene. Das Wellenreiten an weltberühmten Surfspots entlang des Pazifiks. Die Faszination des mystischen Machu Picchu. Das Überstehen einer 47 Stunden langen Busfahrt. Das Sprengen einer Stange Dynamit. Die Mountainbike-Abfahrt auf der gefährlichsten Straße der Welt.

Es gibt noch sehr vieles, was mir dazu einfallen würde.  Für mich persönlich das Aufregendste waren vielleicht aber die letzten Meter auf meinem langen Weg zum Ende der Welt und zu realisieren, dass ich tatsächlich angekommen war.

12. Wo möchten Sie noch hin?

Überall da hin wo ich noch nicht war 🙂

Ruinenstadt der Inkas Machu Picchu in Peru (c) David Lohmüller - weltvermessen.de

Ruinenstadt der Inkas Machu Picchu in Peru

13. Sie sind häufig alleine unterwegs, macht das ganze Reisen da nicht einsam?

Das stimmt so nicht. Ich war bisher eigentlich so gut wie nie alleine unterwegs. Die längste Zeit alleine war ich auf der Panamericana unterwegs. Genauer gesagt, die komplette Strecke durch Südamerika. Das lag aber daran, dass meine damalige Freundin, mit der ich die ersten beiden Monate unterwegs war, berufsbedingt früher zurück musste.

Unabhängig davon, ist man aber sowieso nie alleine. Das Reisevolk ist ja generell sehr kontaktfreudig und man findet eigentlich immer und überall Gleichgesinnte, mit denen man kleinere oder größere Abschnitte einer Reise zusammen verbringen kann. Aber gerade auch einsame Momente können sehr wertvoll sein. Oftmals sind genau das die Momente im Leben, wo man ein wenig zu sich selbst finden kann und Dinge reflektieren kann, zu denen man zuhause im Alltag sonst nie Gelegenheit und Muse findet.

Ich stimme allerdings zu, dass es immer schöner ist, zu zweit zu reisen und Erlebnisse, Stimmungen , Emotionen, Höhen und Tiefen zu teilen. Das kann am besten mit jemandem, mit dem man vertraut ist und mit dem man auch Jahre später noch in Erinnerungen schwelgen kann. Gemeinsames Reisen verbindet wie kaum etwas anderes.

14. Was ist Ihr nächstes Projekt und wann dürfen wir dazu den nächsten Blog erwarten?

Ich spiele mit dem Gedanken, nächstes Jahr einmal quer durch Indonesien zu reisen – mit Moped und Surfbrett. Noch ist nichts in trockenen Tüchern, aber wenn es so weit ist, wird es auf jeden Fall wieder einen Blog geben. Wer es nicht verpassen will, darf sich gerne in meinen Newsletter eintragen.

15. Haben Sie einen Plan, was Sie nach dem (professionellen) Reisen/ Bloggen machen möchten?

Ankommen 🙂

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