Kulturaustauschprogramm – Interview mit Stepin

Eine fremde Kultur kennenzulernen prägt einen Menschen für sein gesamtes Leben. Ganz besonders lohnenswert ist diese Erfahrung für junge Menschen. Kultur-, und Schüleraustauschprogramme bieten den optimalen Rahmen in eine neue Welt einzutauchen, indem sie den Beteiligten organisatorisch und persönlich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das betrifft nicht nur die Austauschschüler, sondern vor allem auch die Gastfamilien, die eine fremde Kultur zu sich einladen. Wir haben Barbara Seyfert-Joiner von Stepin, einer Organisation für internationale Austauschprogramme, zu diesem Thema befragt. Viel Spass beim Lesen!

Gruppenfoto Schüleraustausch Stepin - www.weltvermessen.de

Guten Tag, Frau Seyfert-Joiner. Vielen Dank, dass Sie sich etwas Zeit für uns und unsere Fragen  genommen haben. Zunächst möchten wir Sie bitten, sich selbst und Stepin in ein paar Worten vorzustellen.

Ich bin zuständig für das Inbound to Germany Programm von Stepin. Stepin ist unter anderem eine Schüleraustauschorganisation und schickt Schüler in diverse Länder, um dort in einer Gastfamilie zu wohnen und die örtliche Schule zu besuchen und Stepin nimmt auch Schüler aus den unterschiedlichsten Ländern auf.

Sie betreuen bei Stepin das Inbound-Programm. Was kann man sich darunter vorstellen und wie viele Mitarbeiter arbeiten hier zusammen?

Ich kümmere mich um Gastschüler, die nach Deutschland kommen, suche eine Gastfamilie für sie und betreue den Schüler und die Gastfamilie während des gesamten Aufenthaltes. Der Schüler besucht in der Zeit auch ein Deutsches Gymnasium. Ich leite das Programm, habe eine Assistentin, die mir ca 2 Tage die Woche zur Seite steht und meine Chefin springt auch ab und an ein.

Im Rahmen Ihres Kulturaustauschprogramms suchen Sie Gastfamilien, die Austauschschüler bei sich aufnehmen möchten. Wie kann man sich dafür bewerben und welche Voraussetzungen sollte man als Gastfamilie erfüllen?

Wir suchen „Gastfamilien“ mit vielerlei Facetten. Sie können klassisch, Vater-Mutter-Kinder sein, oder Mutter –Kinder, oder Mutter-Kind, oder ein Paar, welches, Kinder hatte oder auch Singles, die verantwortlich genug sind einen Schüler aufzunehmen und sich darum zu kümmern.

Was sind die Unterschiede zu einem klassischen Schüleraustausch?

One Way. Das bedeutet, klassischer Schüleraustausch geht über die Schule und ist in der Regel für bis zu maximal 4 Wochen. Und es findet ein Gegenbesuch statt, ob man sich mag oder nicht ;). Bei uns sucht sich die Familie ihr neues Familienmitglied auf Zeit aus (bis zu 10 Monaten) und in der Regel ist die Verbindung dann auch so stark, dass gegenseitige Besuche über Jahre hinweg stattfinden.

Über Ihre Agentur finden sich Austauschschüler und Gasteltern. Aber wer sucht wen? In wie weit kann eine Gastfamilie Einfluss auf die Auswahl nehmen? Wo sind die Grenzen?

Nur die Familie kann den Schüler aussuchen! Wenn es etwas kritisch ist, wie zb Familie wohnt sehr ländlich ohne jegliche Transfermöglichkeiten, und der gewünschte Schüler kommt eventuell aus Sao Paulo in Brasilien, dann frag ich nach ob sich der Schüler damit anfreunden kann.

Gruppenfoto Schüleraustausch Stepin - www.weltvermessen.de

Die möglichen Gasteltern müssen einen Fragenbogen ausfüllen. Inwieweit werden Gastfamilien darüber hinaus noch überprüft, zum Beispiel durch Hausbesuche?

Wenn sich die Gastfamilien näher interessieren und aussuchen, dann schicken wir den zuständigen Betreuer zur Familie.

Ihr Slogan lautet „Let the World Step in to Your Home“. Wie reagiert die Welt, wenn man sie zu sich nach Hause holt?

Nicht anders als derjenige der sie aufnimmt. Das heißt beide Seiten müssen flexibel und tolerant sein, damit es funktioniert.

Welche Kulturen kann man sich über das Austauschprogramm überhaupt nach Hause holen?

Brasilien, Mexiko, USA, Guatemala, Venezuela, Italien, Frankreich, Belgien, Slowakei, Australien, China, Thailand, Schweden, Norwegen, Neuseeland…

Gerade in der Anfangsphase ist die Kommunikation auf Grund der noch schlechten Deutsch-Kenntnisse der Austauschschüler bestimmt oft schwierig, gerade wenn sich Probleme ergeben. Wie können Gastfamilien solche Probleme am besten lösen?

Das wichtigste ist ein begleitender Sprachkurs, dann Kommunikation, Kommunikation und nochmals Kommunikation, Verständnis und uns zu Rate ziehen.

Was können die Gastschüler von Ihrer Kultur in die Gastfamilie einbringen?

Verständnis, andere Gewohnheiten und Essenskultur, Sprachkenntnisse auffrischen.

Wie sieht der typische Tagesablauf eines Austauschschülers in der Familie aus? Soll der Gast in bestimmte Aufgaben, zum Beispiel Kochen, eingebunden werden?

Sein Zimmer aufräumen, im Haushalt genauso eingebunden werden wie die eigenen Kinder.

Wenn man einen Gastschüler bei sich aufnimmt, geschieht das auf einer Vertrauensbasis. Ist es möglich schon vorab Kontakt zum Austauschschüler oder dessen Eltern aufzunehmen? Ist das überhaupt sinnvoll?

Zu dem Schüler definitiv aber erst nachdem wir die Familie besucht haben und das OK gegeben haben.

Wie geht man als Gastfamilie mit großem, anhaltendem Heimweh am besten um? Gibt es nach Ihrer Erfahrung ein wirksames Rezept dagegen?

Unterschiedlich, aber das Beste ist immer Ablenkung! Aus dem Zimmer holen, mit Freunden viel unternehmen und am Leben der Gastfamilie teilnehmen.

Bitte erklären Sie uns aus Ihrer eigenen Perspektive, warum man jemanden aus einem fremden Land aufnehmen und nicht einfach selbst eine Reise unternehmen sollte? Haben Sie eigentlich auch schon selbst Austauschschüler aufgenommen?

Mit der Aufnahme eines Gastschülers öffnet man seine kleine Welt und lernt andere Betrachtungsweisen, genauer hinzuhören und zu verstehen. Familien sehen sich selbst in einem anderen Licht und erklären immer wie bereichernd die Erfahrung ist. sehr interessant sind Erkenntnisse, die man bekommt  – seine eigenen Grenzen kennen lernen.

Müssen wir als weltvermessen.de natürlich fragen 😉 Welcher Austauschschüler hatte bisher die weiteste Anreise?

Australien – Sydney Gegend, aber demnächst kommen auch Neuseeländer.

Gruppenfoto Schüleraustausch Stepin - www.weltvermessen.de

Foto-Credit: (c) 2013 Stepin

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