Lynn von lieschenradieschen-reist.com im Interview

Lynn Benda ist noch nicht ganz 1 Jahr unter den Reisebloggerinnen, besitzt aber bereits einen gut gefüllten Blog (witzigerweise mit dem gleichen WordPress-Template wie wir). Mit 21 Jahren hat sie schon viele Länder gesehen und sich so einen Erfahrungsscore aufbauen können, unter anderem zum Thema alleine Reisen als Frau. Dies und mehr heute bei Weltvermessen. Interview zum Blog des Monats Oktober ab!

Lynn (c) Lynn Benda

Lynn von lieschenradieschen-reist.com

Hallo Lynn von lieschenradieschen-reist.com! Schön, dass du etwas Zeit für uns gefunden hast. Stell dich doch einfach mal kurz vor!

Hallo Ihr. Ich bin 21 Jahre alt und komme aus dem wunderschönen Hannover. Ich studiere Sozialwissenschaften und mein allergrößtes ist das.. na? Richtig geraten! Das Reisen.

Da meine Eltern schon mit mir als Säugling unterwegs waren, wurde es mir sozusagen in die Wiege gelegt. Nachdem ich viel durch Europa gereist bin, habe ich irgendwann meine Kreise erweitert und so Afrika kennen gelernt. Für mich einer der faszinierendsten Kontinente überhaupt.

Beim ersten Recherchieren fällt auf, dass „Lieschen Radieschen“ eine Kinderbuchfigur ist. Was hast du mit ihr gemein bzw. warum hast du deinen Blog so getauft?
Das hat gleich zwei Gründe. Zum einen ist Lieschen einer meiner Spitznamen, ich wurde schon immer so gerufen. Zum anderen gefällt mir das Lieschenradieschen einfach als Figur.

Diese ist mit nichts zufrieden und schreit so lange, bis sie ihren Willen bekommt. Irgendwann drohen ihre Eltern ihr, dass der Lämmergeier sie holen wird, wenn sie nicht Ruhe gibt. Der Lämmergeier kommt natürlich. Anstatt sich allerdings von ihm mitnehmen zu lassen, schreit das Lieschen so lange, bis sie, anstatt in seinen Klauen, auf seinem Rücken davon fliegt.

Wie travelst du am liebsten – Luft, Schiene, Straße, zu Fuß…?
Das ist von Land zu Land tatsächlich unterschiedlich. Ich finde große, unbewohnte Länder wie Namibia oder Kanada eignen sich hervorragen, um mit dem Auto unterwegs zu sein. Andererseits habe ich die Fortbewegung zu Fuß sehr schätzen gelernt. Es gibt kaum eine andere Möglichkeit Land und Leute so intensiv kennen zu lernen.

Wandernd in Marokko (c) Lynn Benda

Wandernd in Marokko

Du schreibst nach eigenen Angaben insbesondere an die Zielgruppe allein reisende Frauen. Wie hat sich das entwickelt?
Das hat sich eigentlich mehr per Zufall entwickelt. Nach meinem Abi im letzten Jahr wollte ich unbedingt ins Ausland. Komischerweise habe ich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, mit jemand anderem zu reisen. So habe ich mir meinen Flug gebucht, bin nach Südafrika geflogen und war da.

Allerdings muss man dazu sagen, das ich mich zeitweise auch einer Reisegruppe angeschlossen habe. So oder so lernt man ja aber wahnsinnig schnell Menschen kennen.

Komische Gasse Vancouver (c) Lynn Benda

Komische Gasse in Vancouver

Deiner Travel Map folgend – welche Länder, in denen du warst, sind relativ safe gewesen, und wo hast du dich trotz allem unsicher gefühlt?
Kanada ist eigentlich ein sehr sicheres Reiseziel, trotzdem hatte ich dort eine der unheimlichsten Begegnungen überhaupt. Es gibt dort ein Viertel in Vancouver, welches zwischen zwei sehr beliebten Touristenzielen liegt. Dort gibt es unglaublich viele Drogenabhängige und dementsprechend auch viele komische Gestalten.

Allen Warnungen in Reiseführern zum Trotz, wollte ich von A nach B und musste also da durch. Ich dachte mir, dass es so schlimm ja nicht sein kann, schließlich bin ich in einer Weltmetropole und zusätzlich in Kanada. Pustekuchen! Nach wenigen 100 Metern bin ich umgedreht, weil ich noch nie so etwas Unheimliches gesehen habe.

So viele kaputte Gestalten, Menschen die in den Ecken liegen und vor sich hin brabbeln. Kennt ihr zufällig die wahnsinnige Katzenfrau von den Simpsons? So eine ist da leibhaftig herum gelaufen.

Aus dieser Situation kann ich allerdings auch etwas Gutes ziehen. So habe ich festgestellt, dass ich auf mein Bauchgefühl hören kann, das hat mich nämlich schon vor allem anderen gewarnt…

Welche 3 Tipps hast du für allein reisende Damen? Was sollte frau mitnehmen, beachten oder auch vermeiden?
Viele allein reisende Frauen beschäftigen sich vor allem mit ihrer Sicherheit, und das ist auch richtig so! Aus diesem Grund kann ich nur raten, wie oben auch schon beschrieben, hört auf euer Bauchgefühl. Lieber einmal zu viel ein Taxi oder den Umweg genommen, als einmal zu wenig.

Je nach Reiseziel kann manchmal auch ein Alibiehemann oder -ring hilfreich sein.
Ansonsten habe ich auch gerne ein Buch dabei, mit dem man sich beschäftigen oder im Zweifelsfall auch hinter verstecken kann.

Reisebekanntschaften (c) Lynn Benda

Reisebekanntschaften

Schließt du dich vor Ort kurzerhand auch mal mit anderen Reisenden zusammen, um nicht ganz alleine zu sein? Welche besonderen Bekanntschaften hast du, falls ja, so schon gemacht?
Ja, auf jeden Fall. Gerade das Unbekannte bzw. neue Menschen und ihre Lebensmodelle interessieren mich sehr.

Ich bin ja gerade aus Marokko zurück, deshalb ist mir dieses Land auch immer noch sehr präsent. Dort habe ich einen Marokkaner kennen gelernt, der eigentlich in meinem Hotel angestellt war. Zunächst habe ich nur eine Tour gebucht, aber irgendwann haben wir uns dann tatsächlich angefreundet, sodass er mir Land und Leute aus einer ganz anderen Perspektive gezeigt hat. Dort habe ich auch meine Pläne über den Haufen geworfen.

Eigentlich wollte ich nämlich die Küste sehen, habe mich dann aber für die Berge entschieden und das war die richtige Entscheidung.
Außerdem habe ich nun einen Grund, wiederzukommen…

Namib Wüste (c) Lynn Benda

Namib Wüste

Ein wesentlicher Teil deines Blogs dreht sich um Afrika. Wo warst du konkret, und was hast du dort erlebt?
Mit einer Kenia Reise 2012 hat alles begonnen. Danach war ich noch in Südafrika, Namibia und jetzt ganz aktuell in Marokko. Und so viel sei verraten, nächstes Jahr geht es wieder runter…
Die Wüstenbilder wurden übrigens in der Namib Wüste, in Namibia, aufgenommen.
Dort bin ich zwei Wochen mit einem riesigen Truck und 22 anderen, verrückten Menschen durch die Gegend gereist. In der Wüste sind wir morgens um 4:45 Uhr aufgestanden, um den Sonnenaufgang von einer der Dünen zu sehen. Eine meiner eindringlichsten Reiseerfahrungen!

Deine Blogkategorie „Die Geschichte hinter dem Bild“ finde ich mit am spannendsten. Hinter welcher Aufnahme steckt dort die größte Überraschung/Geschichte?
Tatsächlich! Die größte Überraschung steckt hinter der Geschichte „Die Hunde-Eskorte“. In Südafrika war ich viel mit dem Zelt unterwegs und wie es nun mal so ist, ruft irgendwann die Natur nach einem, auch nachts.

Hund der Eskorte (c) Lynn Benda

Hund der Eskorte

Ich war schon völlig überrascht von dem hellen Mondschein und der Tatsache, dass ich deshalb gar keine Taschenlampe mehr brauchte. Noch mehr hat es mich allerdings überrascht, als mich das dort lebende Hunderudel vom Klo bis zu meinem Zelt zurückeskortiert hat. Diese Erfahrung hat mich sehr berührt und ich denke gerne daran zurück.

Du hast super Fotos auf lieschenradieschen-reist.com. Welche Ausrüstung hast du für dein Hobby, die Reisefotografie, immer bei dir?
An erster Stelle steht dort mein Handy. Dies habe ich immer zur Hand und es ist wunderbrar um Snapshots zu machen. Ich bin auch immer wieder von der Qualität dieses kleinen Dings beeindruckt.

Für professionellere Fotos nutze ich meinen Canon D1000, eine Spiegelreflexkamera. Auf Reisen nutze ich am liebsten ein Reiseobjektiv von Sigma. Dieses hat eine super Brandbreite an Möglichkeiten und ich kann sowohl Tiere in der Ferne als auch tolle Aufnahmen im Nahbereich machen. Allerdings spiele ich momentan mit dem Gedanken, mir eine dieser Systemkameras zuzulegen.

Seit Weihnachten letzten Jahres bin ich auch stolze Besitzerin einer GoPro Hero3+. Deshalb gibt es nun bei Lieschenradieschen Reist auch bewegte Bilder.

Ein anderer Aspekt deines Blogs ist die Reiseliteratur. Was war dein letztes Buch, was du gelesen hast und warum würdest du es weiterempfehlen (oder auch nicht)?
Mein letztes Buch war „Die beste Entscheidung unseres Lebens“ und ich würde es bedingungslos weiterempfehlen. Die Autoren Friederike Achilles und Philipp Rusch haben einfach einen unglaublich komischen Schreibstil. Man kann das Buch gar nicht aus der Hand legen. Interessant finde ich auch die Art ihres Reisens, da ich mich gut damit identifizieren kann.

Welches Genre bevorzugst du, um Lust auf eine Reise zu bekommen?
Klassische Reiseberichte. Ich liebe es Geschichten von Menschen zu lesen, die an ihre Grenzen gehen und wirkliche Abenteuer erleben. Letztens habe ich zum Beispiel ein Buch über einen Mann gelesen, der durch die Demokratische Republik Kongo gereist ist, obwohl im alle gesagt haben, dies sei unmöglich. So etwas fasziniert mich!

Welche anderen Reiseblogs besuchst du häufiger?
Ich bin sehr gerne bei Rosas Reisen (https://rosasreisen.wordpress.com/) unterwegs. Anuschka war vor allem viel im Norden unterwegs, einer Gegend, die ich so gar nicht kenne und sie deshalb um so faszinierender finde.
Optisch sehr ansprechend finde ich auch den Blog Jolly&Luke (http://jollyandluke.de/). Aber eigentlich habe ich viel zu wenig Zeit für die ganzen, schönen Blogs dort draußen.

Angenommen, wir geben dir einen Eimer voll mit 1000 Dollar in Münzen. Mit dem Geld kannst du machen, was du möchtest. Wo würde die Kohle landen am Ende?
Oha! Am Ende wurde ich sie natürlich in eine Reise investieren. Wo genau? Gute Frage… Momentan plane ich einen Roadtrip ins Baltikum. Da wären 1000 Dollar mehr als genügend.

Apropos Eimer, auf deiner Bucket List steht unter anderem die Begehung des Jakobswegs drauf. Da könntest du glatt bei uns vorbeikommen! Allerdings…

Au ja!

…wollen wir so lang warten nicht, bis du uns deinen persönlichen Weltvermessenfaktor verraten hast: Das ist die letzte Frage, in der du uns eine Zahl oder Ziffer nennst, die mit dir und deinem Tun eng in Verbindung steht. Welche ist es? =)

Im Moment würde ich sagen die 21. Allerdings wächst diese Zahl um die Jahre, die ich älter werde. Ich habe mir nämlich vor genommen, mindestens jedes Jahr ein Land zu bereisen, welches ich nicht kenne. So bin ich dann in 100 Ländern gewesen, wenn ich 100 bin. Guter Plan oder?

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