Naturburschen auf Reisen – Adventure Buabm im Interview

„Grias di Tagebuch! (…) Kurzer Blick nach draußen. Bewölkt. Aber es hat leider nicht geregnet. Gut, steh mer auf. Wir essen noch jeder einen Wurm, den wir vorher gefunden und abgekocht haben und dann geht’s auch schon weiter.“

Ein Auszug aus dem noch unveröffentlichten Tagebuch der zurückliegenden Survival-Reise des bayrischen Reise-Duos der Adventure Buabm. Auf der Suche nach dem absoluten Limit der körperlichen Leistungsgrenze unternehmen Simon Happacher und Thomas Baur, wie die beiden mit bürgerlichem Namen heißen, seit einigen Jahren mit einfachsten Mitteln Reisen durch die Alpen, Karpaten oder wie kürzlich, über die norwegische Inselgruppe der Lofoten. Wir haben diese zwei Abenteurer zu einem unterhaltsamen Interview getroffen.

Die Adventure Buabm mit Landkarte auf einem Stein

Die Adventure Buabm, Thomas (links) und Simon (rechts)

Servus, Adventure Buabm! Oder auch hallo, Thomas und Simon! Ihr verkörpert beide eine Art Typ, den es heutzutage eigentlich schon fast nicht mehr gibt: den echten Naturburschen! Was ist bei euren Reisen die „Unternehmensphilosophie“?

Thomas und Simon: Gries eich! (lachen)

Simon: Ja, wir stehen beide momentan mitten in unserem Studium und unsere Abenteuerlust bietet den perfekten Ausgleich dazu. Deshalb ziehen wir jedes Jahr aufs Neue los, um die Welt und uns selbst herauszufordern. Dabei ist es unser Ziel, uns und anderen zu beweisen, dass ganz normale Menschen, wie wir, auch zu Außerordentlichem fähig sind und der Mensch belastbarer ist, als man denkt.

Thomas: Darüber hinaus wollen wir auch andere ermuntern, ihre eigenen Outdoor-Projekte in Angriff zu nehmen und durchzustehen, denn nur Schritt für Schritt eignet man sich das Know-how an.

Wie lange macht ihr das schon und wie kamt ihr überhaupt auf diese geniale Idee?

Thomas: Nach Abitur und Zivildienst/Bund stellten wir uns die Frage: was tun mit der freien Zeit bis zum Studium? Ein Bekannter erzählte mir, dass er schon Teile des E5 gegangen war, und dass das was für uns wäre. So hatten wir uns nach einiger Recherche schnell entschieden, eine Alpenüberquerung zu wagen. Von Oberstdorf an den Gardasee und alles zu Fuß. So war der Plan, und alles wurde mit minimalem Budget umgesetzt. Nach der ersten Tour war klar, das müssen wir wiederholen und versuchen zu toppen.

Eine Hütte in freier Wildnis bauen

Bau eines Unterschlupfs unter freiem Himmel

Ihr seid, nach euren Steckbriefen zu urteilen, ja ein ziemlich ähnliches Paar. Derselbe Jahrgang, die gleichen Hobbies und auch die Art der invaliden Schäden an euren Körpern 😉 Wo liegen eure jeweiligen Stärken und Schwächen, und wie nutzt ihr das auf euren Abenteuerreisen?

Simon: Wenn man solche Touren macht wie wir, sollte man schon vom gleichem Schlag sein. Eine zähe Kämpfernatur, die den inneren Schweinehund immer wieder überwindet, um solche Touren durchzustehen. Dennoch schadet es nicht, wenn man einige sich unterscheidende Talente mitbringt. Thomas ist der Bauleiter des Teams, der die handwerklichen Fähigkeiten besitzt, um aus dem Nichts ein sicheres Lager zu errichten.

Thomas: Simon ist der Ruhepol des Teams, ohne ihn würde ich mich vermutlich zu Tode rennen und sehr schnell scheitern. Er behält bei brenzligen Situationen einen kühlen Kopf und geht die Sache meistens (zwinkert) ruhiger und überlegter an.

Simon steht knietief im Wasser

Simon hält sich unter voller Belastung über Wasser

Werfen wir mal einen Blick in das Tagebuch, das ihr über eure letzte Reise verfasst habt. Ihr habt euch über die Lofoten in Norwegen geschlagen, und auf so ziemlich alles verzichtet, was ein Normalsterblicher dafür eingepackt hätte. Wie habt ihr das geschafft?

Thomas: Die Neandertaler haben es früher auch nicht anders gemacht. Klar wäre es schön, einen 48-Zoll-Flachbildschirm dabei zu haben. Aber wir haben noch keinen gefunden, der diesen für uns mitträgt. Nein, Spaß bei Seite: Auf unseren Touren haben wir festgestellt, dass Weniger oft Mehr ist.

Simon:Der limitierende Faktor ist das Gewicht, ganz einfach. Ein schwerer Rucksack vermiest einem unter Umständen die ganze Tour. Die Rechnung könnte lauten: Mehr Essen gleich weniger unnötige Kleidung.

Welchen Tieren oder anderen Naturbegebenheiten seid ihr begegnet, die man wahrscheinlich nur in dieser Gegend antrifft?

Simon:Leider haben wir keinen norwegischen Elch gesichtet, sondern nur deren kleinere Verwandte, die Rentiere. Diese waren aber leider sehr scheu und zu schnell über den Berg, als dass sich eine Jagd gelohnt hätte.

Thomas:Außergewöhnlicher war da schon die Natur. Wir mussten uns nachts erst an die ausbleibende Dunkelheit und die stark schwankenden klimatischen Bedingungen gewöhnen. Des Öfteren mussten wir uns durch Sümpfe, Schneeflächen und gratlige Birkenwälder kämpfen.

Wir sind ja seit ein paar Monaten dran, einmal den britischen TV-Star und Überlebenskünstler Bear Grylls zu interviewen. Auch wenn er vermutlich keine Zeit hat – in eurem Tagebuch liest man, ihr habt eine Steinfalle so wie er gebaut.

Thomas:Nicht ganz. Wir wollten sie so wie er bauen. Leider fiel mir nicht mehr ein, wie er das genau gemacht hatte – was mir schlaflose Nächte bescherte. Letzten Endes hatte ich im Halbschlaf dann doch noch eine Idee. Ich konstruierte meine eigene Falle, die äußerst funktionsfähig war: Sie löste beim kleinsten Kontakt aus. Leider gab es auf der Insel zu wenig Jagdmaterial. Wir sahen zwar Hasenbollen, aber auf der Insel selbst haben wir weder einen Hasen entdeckt, noch einen klar erkennbaren Trampelpfad dieser Wildtiere. So mussten wir uns mit Blau- und Heidelbeeren begnügen.

Steinfalle im Wald

Thomas‘ Steinfalle

Das Tagebuch der beiden ist echt genial. Die beiden haben extra ein paar Hundert Gramm in ihrem Bordgepäck freigelassen, um Hefte für ihre Tagebucheinträge mitnehmen zu können. In lustigen, aber auch sehr spannenden Episoden werden die 19 Tage dokumentiert. Im Kopf spielt sich dabei ein richtiger Film ab, wie die beiden Adventure Buabm bestimmte Situationen durchleben. Ich ertappe mich dabei, wie ich mitten in einem Kapitel an dessen Ende springe und lese, wie es denn ausgeht, weil ich es sonst nicht mehr vor Spannung ausgehalten hätte. Hier ein weiterer Auszug:

„Gestern Abend hatten wir ein wenig Nachwehen vom Reis. Er war wohl doch noch etwas gammliger als wir dachten. Bei mir ging es so einigermaßen, also mir war nicht total speiübel, aber beim Simon war es etwas kritischer, wie er mir sagte. Bei ihm war es wohl so, dass er sich nicht mehr bewegen wollte, um das Spucken zu verhindern. Aber alles blieb in unseren Mägen. Wir schleppen das Zeug ja nicht mit, um es dann wieder auszukotzen, das wäre ja gelacht.“

Thomas und Simon, das klingt jetzt aber wirklich nach Bear Grylls‘ härtesten Stunden. Wie kamt ihr mit ernsteren Krankheiten klar bzw. was war die brenzligste Situation, in die ihr bisher geraten seid?

Thomas:Krankheit ist auf unserem strengen Tourenplan nicht eingeplant, wer krank wird, wird zurückgelassen. Nein natürlich nicht, (lacht) Kameradschaft steht an erster Stelle! Wir müssen die Kirche auch im Dorf lassen, Bear Grylls hatte schließlich keinen Reis dabei. Ansonsten gilt, jedes Gramm, mag es noch so gammlig sein, gibt Energie und Kraft. Wir hatten bisher Gott sei Dank das Glück, dass keiner ernsthaft krank wurde, wenn wir unterwegs waren.

Simon:Brenzlige Situationen gibt es allerdings immer wieder mal. Die einprägsamste war wohl die erste Nacht der Adventure Buabm auf unserer ersten Tour war. Damals schlugen wir unser Zelt nicht weit entfernt vom Gipfel auf und wurden mitten in der Nacht von Donner und Blitz geweckt. Es bestand also ein nicht unerhebliches Risiko, vom Blitz gegrillt zu werden. Die Hölle schlechthin, da wir nichts tun konnten außer Ausharren, Beten und hilflos abzuwarten, bis das Unwetter vorbeizog.

Licht im Zelt der Adventure Buabm

Tagebuch schreiben während des Trips

Unterwegs habt ihr immer mal wieder, meist abends, eure Eindrücke festgehalten und zu Papier gebracht. Ohne Licht und wasserfestes Papier manchmal etwas schwierig…

Thomas: Schwierig war das meistens nicht, weil wir ja im trockenen Zelt schreiben konnten. Manchmal war es nur etwas nervig, sich nach einem anstrengenden Tag und langem Fußmarsch noch hinzusetzen und das Tagebuch zu schreiben. Aber es lohnt sich wirklich, ein bis zwei Stunden später schlafen zu gehen und das Erlebte festzuhalten.

Simon: Die ganzen Details und Vorkommnisse gehen so nicht verloren und sind auf Ewig festgeschrieben. Beim Lesen kann man den Tag immer wieder aufs Neue erleben. Später werden wir mal unseren Enkeln, im Schaukelstuhl sitzend, die Gute-Nacht-Geschichte von den Abenteuern der Adventure Buabm vorlesen.

Wie habt ihr denn indes die norwegische Bevölkerung erlebt? Ich war neulich selbst in Oslo, und vielleicht sind Stadtmenschen ja anders als die im hohen Norden…

Simon:Da keine größere Stadt auf unserer Route lag, haben wir nur die Landmenschen kennen gelernt. Diese sind der krasse Gegensatz zur rauen und kargen Landschaft. Sie sind stets höflich, zuvorkommend und hilfsbereit.

Thomas:Ab und zu mussten wir kurze Strecken trampen. Das war gar kein Problem, zumal manche auch spontan einen Umweg für uns in Kauf nahmen. Ein anderer wiederum lud uns zu sich nach Hause ein, um den weiteren Verlauf unserer Tour abzustimmen. Am Schluss schenkte er uns auch noch Kartenmaterial.

Trampen am Straßenrand in Norwegen

Trampen in Norwegen

Habt ihr ein paar Tipps für angehende Adventurers, was man drauf haben muss, um euch nachzueifern? Wie muss man sein?

Simon:Als Basisliteratur empfehlen wir natürlich unsere Tagebücher. Ansonsten können wir nur empfehlen rauszugehen, etwas zu wagen und mit offenem Herzen den nächsten Berg in Angriff zu nehmen.

Thomas:Natürlich sollte man Basics wie Abenteuerlust, Liebe zur Natur, Leidensfähigkeit und Mut mitbringen. Für wen das zutrifft: Schuhe raus und ‘nauf auf‘n Berg.

Wo seht ihr euch in 5 Jahren, hinsichtlich der Adventure Buabm? Was sind eure Ziele, wo in der Welt wollt ihr noch mal Steinfallen auslegen und Bäume hochkraxeln?

Simon:Das hört sich ja sehr nach Bewerbungsgespräch an. Wir haben keinen genauen Fünf- Jahres-Plan aufgestellt, da wir zur Zeit noch von Jahr zu Jahr planen, um jederzeit flexibel bleiben zu können und das Leben zu nehmen, wie es kommt.

Thomas:Unsere Träume und Ziele sind aber noch nicht konkret, sondern beziehen sich mehr auf Gebirgszüge, die wohl ein Jeder einmal in seinem Leben gesehen haben sollte, wie z.B. die Anden, das Himalaya und die Rocky Mountains. Mal schauen, was die kommenden Jahre für uns bereithalten.

Allerletzte Froag: Ihr kennt’s freili‘ den uanseren Weltvermessen-Faktor! Doa stell‘ ma a Kennziff’r vor, die hernach mit’m Thema od’r Land zu duan hoam soll, um das es sich groad fei dreaht. A welchen Faktor habt’s heit‘ fier uns, die Herrn Adventure Buabm? 🙂

Thomas:76 – so alt ist derzeit die norwegische Königin Sonja von Norwegen. Tja, was hat das jetzt mit uns zu tun? Des Öfteren wurden wir darauf hingewiesen, dass die norwegische Königin immer mal wieder wandern geht auf den Lofoten. Auch das genaue Gebiet wurde uns beschrie-ben.

Simon:Als wir aber dann selbst auf den „Wegen“ der Königin wandelten, mussten wir schmunzeln. Hier ist diese gute alte Dame nie im Leben langgewandert. Kein markierter Weg, brutale Steigungen und jede Menge Farn.

Liebe Adventure Buabm, vielen Dank, dass ihr euch heute Zeit für uns genommen habt.

Beide: Wir bedanken uns auch bei euch von Weltvermessen.de für das Interview und das Interesse an uns. An alle, die noch mehr über uns Buabm und unsere Adventures wissen wollen: Besucht einfach unsere Internetseite www.adventure-buabm.de. Bis dahin, Pfiats eich!

Panorama in den Lofoten in Norwegen

Die Adventure Buabm in den Lofoten

 

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