Patenschaft für Kinder in Afrika

Wir Reiseblogger gehen unserer Passion, andere Länder zu sehen und neue Kulturen zu entdecken, meist aus bestimmten Gründen nach. Wir dokumentieren, was wir erleben, fotografieren Landschaften, Natur und Städte und nehmen neben unseren Berichten noch ein Souvenir mit heim. Diese Lebensweise erfüllt viele von uns, und zu den jeweiligen Gegenden, in denen wir waren, entsteht auch eine geistige Verbindung, die bis in unser Herz reicht. Ja, Reisen und Bloggen ist viel, aber es ist nicht alles. Unser Blog des Monats Februar nimmt sich des Themas Patenschaft für Kinder an. Über eine Patenschaft kann ein jeder von uns in die Verantwortung für jemanden treten, der es nicht so gut hat wie wir. Ein Gespräch mit Lisa Werner von patenschaft-afrika.com.

Blog Patenschaft für Afrika von Lisa Werner (Screenshot)

Blog von Lisa Werner „Patenschaft für Afrika“

Guten Tag Frau Werner, mit dem Schicksal welches Kindes haben Sie sich heute schon beschäftigt?
Schicksal ist so ein großes Wort. Häufig ist es mit so negativen Emotionen belegt. Für mich ist Schicksal einfach der Grund warum Dinge passieren. Egal welche Wege wir in unserem Leben gehen, sie führen uns eben stets dorthin, wo das Schicksal uns leiten will. Unser Sohn beispielsweise ist mit einer Hörstörung geboren. Natürlich war das im ersten Augenblick ein Schock für uns. Doch mit den Monaten stellte sich heraus, dass eben auch dieses Unglück einen Grund hat. Im Zuge der Untersuchungen zu seiner Schwerhörigkeit kam heraus, dass er an einer lebensbedrohlichen Herz-Rhytmus-Störung leidet, die unerkannt schwere Folgen für ihn haben könnte. Ohne die Untersuchungen wäre diese Störung vielleicht erst erkannt worden, wenn es schon zu spät ist. Dementsprechend bin ich auf meine Weise jeden Morgen dankbar über das Schicksal unseres Sohnes.

Sie betreuen auf der Seite www.patenschaft-afrika.com einen Erfahrungsblog für Patenschaften von Kindern. Mal zu Anfang gefragt, worin besteht eine solche Patenschaft eigentlich?
Die Patenschaften, wie die von WorldVision, bestehen vor allem aus finanzieller Unterstützung, die je nach Wunsch der Paten auch zu einer ganz persönlichen Unterstützung werden kann. Mit einem monatlichen Betrag hat man entweder die Möglichkeit Neugeborenen und besonders kleinen Kindern im Allgemeinen zu helfen oder aber die direkte Patenschaft eines bestimmten Kindes zu übernehmen. Man hat dann natürlich die Möglichkeit in Kontakt mit dem Kind zu treten und ihm neben der finanziellen Unterstützung auch Briefe, Geschenke oder ähnliches zukommen zu lassen.

Wie finden Sie die Kinder für dieses Projekt bzw. wie erreichen Sie, dass dieses und jenes  Kind uns letztendlich von den Fotos Ihrer Website her anstrahlen kann?
Neben unserem Patenkind Shadrack, sind die Kinder auf unserer Webseite sind fast ausschließlich Kinder aus der Organisation von WorldVision. Dort betreut der Verein zahlreiche Einrichtungen, die sich der Kinder annehmen. Nicht nur der Bau von Schulen, sondern bereits der Aufbau einer Grundversorgung an Medizin und Nahrungsmitteln ist bei Kindern in solchen Krisengebieten enorm wichtig. Jede auch noch so kleine Hilfe nehmen diese Kinder dankend an und so ist es nicht verwunderlich, dass sie so in die Kameras strahlen. Es ist zudem immer wieder faszinierend, welche Lebensfreude auch Kinder in ärmsten Verhältnissen oft noch haben. Kinder sind einfach wundervoll.

Wie können Leute, die Verantwortung übernehmen wollen, ein Pate oder eine Patin werden?
Der Weg dorthin ist wirklich einfach. Die meisten Organisationen sind im Internet vertreten. Große Hilfsorganisationen wie WorldVision genießen besonderes Vertrauen und so kann man guten Gewissens dort online eine Patenschaft übernehmen oder einmalige Spenden überweisen. Um ein einzelnes Patenkind zu unterstützen kann man gezielt ein vorgeschlagenes Kind auf der Webseite auswählen oder sich Vorschläge zuschicken lassen. Es erwartet einen jedoch keine Bildergalerie wie in einem Spielwaren-Katalog. Es werden lediglich ein bis drei Vorschläge zugesandt. Nach einer Registrierung und der Angabe von Bankdaten um die monatlichen Gebühren einzuziehen erhält man schon nach wenigen Tagen einen ausführlichen Informationsbogen zum eigenen Patenkind, seiner Familie, seiner Gegend und Details über die Arbeit von World Vision vor Ort.

Warum sollte ein jeder von uns eine Patenschaft übernehmen?
Deutschland ist ein Konsumland. Wir investieren in die überflüssigsten Dinge, geben Geld für Luxusartikel aus ohne mit der Wimper zu zucken. Tatsächlich ist es einfach erschreckend, wie unbedacht wir hier Geld ausgeben, wo es andere Menschen auf unserem Globus so bitter nötig hätten. Es ist gerade einmal ein Euro pro Tag, den wir in die Hand nehmen müssen um einem Kind in Afrika die Chance zu geben gesund erwachsen zu werden, dieses Alter überhaupt zu erreichen, ihm Bildung zu ermöglichen und Hilfe zur Selbsthilfe aufzubauen. Wie kann man noch Freude am dreißigsten Paar Schuhe und der hippen fünften Uhr haben, wenn man nicht einmal 30 Euro in das Leben eins Kindes investieren kann?

Kann man auch für Kinder aus anderen Erdteilen als Afrika Verantwortung übernehmen?
Viele Organisationen sind nicht nur in Afrika, sondern auch auf zahlreichen anderen Kontinenten aktiv. Das SOS-Kinderdorf und World Vision beispielsweise engagieren sich neben Afrika auch für Kinder in Asien, Osteuropa oder Lateinamerika.

Screenshot vom Geburtstagspaten bei Worldvision

Geburtstagspate werden

Was bedeutet es, ein „Geburtstagspate“ zu werden?
Ein Geburtstagspate zu sein, bedeutet ein Kind zu unterstützen, dass am selben Jahrestag geboren wurde, wie man selbst. Diese Gemeinsamkeit schafft noch einmal eine ganz besondere emotionale Verbindung. Unser Patenkind hat gemeinsam mit unserer Tochter Geburtstag, was bedeutet, dass wir an diesem Tag zwei Kinder feiern möchten. So wird dieses Jahr beim Geschenkeverpacken eben auch an den kleinen Mann in Afrika gedacht. Rückmeldung auf unser Geschenk zu erhalten ist für unsere Tochter wie ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk.

Ok, mein Patenkind wäre demnach Anfry aus der Dominikanischen Republik, der wie ich am 14.9. Geburtstag hat. Wohin geht meine Spende dann genau, und wie ist sichergestellt, dass Sie auch nur bei Anfry ankommt?
Die Spende geht zu Anfry, seiner Familie und seinem direkten Umfeld. Denn, die finanzielle Unterstützung wird natürlich nicht nur für ihn als Person genutzt. Die Spende wird auch für den Aufbau von Schulen im eigenen Dorf, für den Bau eines nötigen Brunnens oder ähnliches genutzt. Eben aber nur in Einrichtungen und Dinge, von denen Anfry selbst profitieren wird. Eine hohe Transparenz und das Siegel des Deutschen Zentralinstitutes für Soziale Fragen, mit dem viele der Organisationen (wie auch World Vision) ausgezeichnet sind gibt Paten zudem Sicherheit, dass das Geld sinnvoll genutzt wird.

Seit wann gibt es nun den Blog zu dieser Aktion, und welche Themen greifen Sie dort auf?
Die Seite gibt es seit Oktober letzten Jahres, als wir uns entschieden haben, eine Patenschaft zu übernehmen und uns dafür zu engagieren, dass viele andere Menschen ebenso handeln. Im Blog möchten wir neben unseren eigenen Erfahrungen zu Patenschaft alle Themen aufgreifen, die mit der Not von Kindern in den ärmsten Regionen der Welt zu tun haben.

Gab es bisher schon Zusammenführungen oder Treffen von Patenkind und Paten?
Wir sind noch in der Anfangsphase unserer Patenschaft, doch Treffen zwischen Patenkind und Paten sind gar nicht so selten. Über die langjährige Patenschaft entwickelt viele Paten ein enormes Bedürfnis das Kind am Ende der Spende kennen zu lernen. Häufig entsteht durch den regelmäßigen Austausch von Briefen und Paketen ein fast familiäres Verhältnis, dessen Höhepunkt dann ein persönliches Kennenlernen ist – emotional ein einzigartiger Augenblick für alle Beteiligten.

Lisa Werner von Patenschaft Afrika (c) Lisa Werner

Lisa Werner von Patenschaft Afrika

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich für die Belange von Kindern, denen die Privilegien einer Industrienation verwehrt bleiben, so engagiert einzusetzen?
Seit der Geburt meiner beiden Kinder wird mir immer wieder bewusst wie dankbar ich sein kann in einem Land zu leben, in dem Gesundheit so selbstverständlich ist, ein Land in dem es Lebensmittel und Medizin im Überfluss gibt, ein Land ohne Unruhen, Krieg und Naturkatastrophen. Die Kinder können sich nicht aussuchen, in welchem Land sie geboren werden, sie kommen völlig hilflos zur Welt und sind auf die Hilfe derer angewiesen, die sich engagieren. Wie können wir da einfach wegsehen?

In Ihrem Blog und auf der Seite gibt es vieles zu lesen, doch das Schicksal eines Jungens ist mir besonders stark in Erinnerung geblieben. Der 6jährige Asher Zulu lebt in Simbabwe, und ein Moskitonetz, das sein Pate ihm gestiftet hat, schützt ihn in der Nacht vor der Übertragung von Malaria durch Insekten. Sind es eher die kleinen Dinge, die realisiert werden, oder gibt es Beispiele für größere Projekte für das Patenkind?
Eben weil die Spenden nicht ausschließlich für das Kind selbst genutzt werden, sondern gemeinsam mit den vielen anderer Paten des selben Dorfes auch für größere Projekte genutzt werden, bleibt es nicht nur bei den kleinen Hilfen wie beispielsweise eben einem Moskitonetz, das für die Kinder vor Ort übrigens nicht als kleine Hilfe angesehen wird. Es werden Schulen gebaut, eine medizinische Versorgung aufgebaut und viele andere wichtige  Hilfen umgesetzt.

Zum Schluss sind wir noch auf Ihren Weltvermessen-Faktor gespannt. Dieser ist eine bestimmte Maßzahl oder statistische Angabe, die unmittelbar mit Ihrem Projekt zusammenhängt oder symbolisch dafür steht.
Ein tiefer Atemzug dauert in etwa 3 Sekunden. Jedes Mal, wenn sich unsere Lungen mit Sauerstoff füllen stirbt auf dieser Welt ein Kind. 30.000 – so viele Kinder sterben alleine täglich an den Folgen von Unterernährung. Gerade einmal einen Euro am Tag bedarf es einem Kind, seiner Familie und auch seinem Dorf zu helfen diese erschreckende Zahl zu senken. Ein Euro am Tag rettet mehr als ein Leben.

Liebe Frau Werner, wir danken Ihnen für die Zeit, die Sie sich heute für uns genommen haben und für die, die Sie all den Patenkindern mit Ihrer Arbeit noch zur Verfügung stellen werden.

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1 Kommentar

  1. Tolles Interview! Ich habe mein Patenkind schon seit 2 Jahren, und unterstütze es seither sowohl mit finanziellen Mitteln als auch Geschenken und ganz lieben Briefen. 🙂
    Es ist wirklich sehr traurig zu sehen, wie viel Menschen tagtäglich ausgeben, aber vor 30€/Monat als lebensrettende Spende für ein an Hunger leidendes Kind schrecken sie zurück. 🙁
    Ich hoffe, es bekommen immer mehr und mehr Kinder einen Paten, der sich so gut es geht um sie kümmert. 🙂

    LG Corina