ΠΟΠ hat Geburtstag – 30 Jahre griechische Kultur in Köln

Griechischer Blues, ein stimmgewaltiger Chor aus Thessaloniki und dazu noch die Kölner Legende Klaus, der Geiger – mehr geht nicht. Dieses unschlagbare Programm stellte der griechische Kulturverein „ΠΟΠ“ anlässlich seiner Jubiläumsfeierlichkeiten auf die Beine. Es war in Anerkennung an die Leistungen dieses Verbandes, der seit nunmehr 30 Jahren Deutsche und Griechen interkulturell vereint, ein mehr als würdiger Abend.

Das Jubiläumsfest in den Räumen des Caritas-Zentrums

Die guten Erinnerungen an unseren letzten Ortstermin beim Weltreisenden David Lohmüller, der in seinem Reisebericht Panamericana Erlebnisse dokumentierte, weckten bei uns den Wunsch, wieder mehr vom regionalen Reise- und Kulturflair Kölns mitzubekommen. So führte uns der nächste Lokaltermin am letzten Novemberwochenende ins Internationale Zentrum der Caritas: in die Stolzestraße am Eifelwall, zum 30. Geburtstag des „ΠΟΠ“.

Hinter diesem Kürzel verbirgt sich auf Deutsch die Initiativgruppe Griechische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland e.V, und auf Griechisch „Πολιτιστική Ομάδα Πρωτοβουλίας“, was den gleichen Begriff wiedergibt. Kenner mögen mich im Falle des Falles jedoch ruhig berichtigen 😉

Der Verein wurde 1983 gemeinsam von Griechen und Deutschen gegründet. Auf der einen Seite sollten den in der Bundesrepublik lebenden Landsleuten das Ausüben ihrer Kultur ermöglicht werden, und auf der anderen Seite das Verständnis der Deutschen von der zeitgenössischen Kultur der Griechen auf mehr als nur Costa Cordalis und Vicky Leandros erweitert werden. Dies geschah und geschieht durch Vorträge, Lesungen sowie Film- und Theatervorführungen. Das 30. Jubiläum des „ΠΟΠ“ 2013 sollte jedoch im Rahmen eines auch für die am Samstag anwesenden Gründungsmitglieder so noch nicht dagewesenen Konzerts stattfinden!

Wir hatten im Vorfeld der Veranstaltung mit dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Nikos Thanos gesprochen, der am Samstag als Moderator auf der Bühne stand und sich herzlich um seine mehr als 200 Gäste kümmerte. In zwei Sprachen und großem Enthusiasmus hielt er den Festsaal der Caritas bei Laune. Im Vorfeld wurden über die jahrelang gepflegten Netzwerke besondere Ehrengäste nach Köln gelotst. Künstler aus dem Verein verzierten zudem die Veranstaltungsräume mit Bildern und Assecoirs, und eifrige Köche und Bäcker sorgten mit einem Büffet für das leibliche Wohl.

Rembetiko, der griechische Blues

Wir kommen etwas nach Beginn der Begrüßung an, werden dafür aber von einer Musik empfangen, die wir so noch nicht kannten. Man nennt sie Rembetiko, oftmals auch von vielen als der Griechische Blues bezeichnet. Stellte der klassische Blues anfangs des 20. Jahrhunderts für die schwarze Landbevölkerung in Amerika eine Ausdrucksmöglichkeit unerwiderter Liebe, von Einsamkeit und Hoffnungen dar, entwickelte sich in den 1930er Jahren mit dem Rembetiko in Griechenland ein musikalisches Äquivalent dazu.

Die Band Ta Alania, die aus Griechen, Deutschen und Franzosen besteht, spielt diese Musikgattung der einschneidenden Melodien und einfachen Texten aus vollem Herzen. Das Publikum erkennt viele bekannte Lieder in den Arrangements der Musiker wieder und tanzt schon im zweiten Drittel im Sirtos-Schritt um die inneren und äußeren Stuhlreihen.

Der Mann an der Bouzouki ist Achim Schiel. Er spielt dieses bauchige Instrument schon seit je Gedenken, das in der griechischen Musik stilbildend geworden ist und eigentlich selten in einem solchen Ensemble fehlt. Schiel meint übrigens: „Wo die einzelnen Bandmitglieder herkommen, ist eigentlich egal.“ Dass Ta Alania zum 30. Jubiläum von „ΠΟΠ“ spielen durfte und zur interkulturellen Kommunikation beiträgt, sei ihm und der Band viel wichtiger. Das Publikum dankt es ihnen in stehendem Applaus.

Publikum beim 30. Jubiläum des griechischen Kulturvereins

Das Publikum am Samstag

Das sehen auch seine Mitstreiter so. Obwohl, Mitstreiter wäre hier viel zu unpersönlich formuliert: „Familienbande“ könnte man auch sagen, denn bei Ta Alania sitzt Achim Schiel an der Bouzouki, seine Mutter Margret steht am Kontrabass und noch ein weiterer Schiel, Rolf, ist für die Technik zuständig! Kurz nach der letzten Zugabe müssen die Multiinstrumentalisten übrigens schon zum nächsten Auftritt huschen. „Wer uns ganz ohne Termindruck hören möchte, kann sich gerne unsere im nächsten Jahr erscheinende CD zulegen“, gibt uns Achim Schiel noch mit auf den Weg. Über den Webauftritt der Band findet man alle weiteren Infos.

Lieder im 7/8-Takt – der Chor Visanthi aus Thessaloniki

Der Chor Visanthi aus Thessaloniki

Der Chor Visanthi aus Thessaloniki

Nikos Thanos ist kurz darauf sehr aufgeregt, das erlebt man eher seltener. Gegen 17 Uhr betreten vier Herren und 16 Damen, zwölf in Schwarz, drei in Weiß (die Solistinnen) und eine Pianistin, die Bühne. Es ist der Chor Visanthi, der extra aus Thessaloniki in Griechenland hierher geflogen ist, um sich in der Domstadt anlässlich des bedeutenden Festakts des „ΠΟΠ“ die Ehre zu geben. Die Sängerinnen und Sänger sind sowohl mit ruhigen Tönen, an anderer Stelle aber auch voller Stimmgewalt im Einsatz. Durch ihre Kostüme ergibt sich ein kontrastreiches Bild, das den Auftritt des Chors farblich noch unterstützt.

Auch ohne die Sprache zu verstehen, erkennt man den für griechische, volkstümliche Lieder so charakteristischen 7/8-Takt, der nicht einfach zu klatschen ist und auch nicht zu tanzen. Zeitgenössische, deutsche Musik verwendet meist andere Rhythmen wie den 4/4-Takt oder andere, gleichmäßige Formen. Aber das Anderssein ist es ja schließlich auch, was verschiedene Kulturen neugierig aufeinander macht. Wer immer nur unter seinesgleichen bleibt, vom Buch der Welt nur eine Seite sieht, dass ist leider noch viel zu oft der Fall und die Mitwirkung an solchen Projekten tritt dem hoffentlich entgegen.

Ein Mann, der mittlerweile schon das siebzigste Lebensjahr überschritten hat, aber immer noch unwiderstehliche Musik auf seiner Geige spielt und sich nie hat verbiegen lassen, steht in Köln wie vielleicht kein anderer für die Vernetzung verschiedener Kulturen und soziales Miteinander. Für das Finale Furioso dieses Abends ist es „ΠΟΠ“ gelungen, Klaus den Geiger und seine Mitstreiter zu gewinnen. Ich glaube aber zu wissen, dass er für diesen Auftritt nicht lange hat überzeugt werden müssen.

Klaus der Geiger – ein deutsches Unikat

Bei diesem abendlichen, musikalischen Höhepunkt bleibt kein Platz mehr unbesetzt. Hinter den letzten Reihen des Saals des Caritas-Zentrums stehen die Leute, vorne versuchen Fotografen, die besten Aufnahmen einzufangen, und das aus gutem Grund: eine schlagfertige und spielstarke Truppe hat sich dort eingefunden, bestehend aus dem KunstSalon-Orchester unter Leitung von Klaus von Wrochem („Klaus, der Geiger“), der Sängerin und Zweiten Vorsitzenden des „ΠΟΠ“, Ioanna Giannaki sowie Alexandros Sotiropoulos an der Bouzouki.

Klaus der Geiger, einer der bekanntesten deutschen Straßenmusiker, ist an diesem Abend bestens aufgelegt. Er wird schon vor dem ersten Orchesterstück vom Auditorium frenetisch gefeiert. Von Wrochem, der unter anderem ein Komponistenstudium in den USA absolvierte und eine hohe musikalische Schulung durchlebte, entschied sich schon früh in seinem Leben für den Weg des größten Widerstands. Anstatt in der Mailänder Scala oder in einem Philharmonie-Orchester zu Ruhm und Reichtum zu gelangen, war ihm der Kontakt zum gewöhnlichen Volke ein großes Stück wichtiger. Ihn hat das in seinem Leben manches Mal fast um den Halt des Existenzminimums gebracht – um die Verehrung seines Publikums jedoch nie.

Lieder von Mikis Theodorakis bis „Pulp Fiction“

Klaus der Geiger und Ioanna Giannaki

Klaus der Geiger und I. Giannaki

Klaus der Geiger dirigiert sein tadellos spielendes Orchester aus Geigen, einem Kontrabass, der Percussion und einer Panflöte, während er sich mittendrin immer wieder zu einem seiner virtuosen Soli aufschwingt. Er spielt auf seiner Violine ohne Schulterstütze, und pfeffert sein liebes Instrument, wenn er es schnell beiseitelegen muss, auch mal etwas schwungvoller in den Geigenkasten. Seiner versierten Spieltechnik merkt man jedoch die Erfahrung und eine hohe Ausbildung an.

Geheimtipp: Einfach mal auf den rechten Oberarm von Geigern schauen, wie dieser sich im Vergleich zum Tempo des Stücks bewegt! Aus dem „Handgelenk geschüttelt“ passt vielleicht nirgends besser auf etwas als auf solche Fähigkeiten.

Der zweite „Star“ des Abends ist die frisch aus dem Mutterschaftsurlaub zurückgekehrte Ioanna Giannaki. Sie ist die Stimme dieser Super Group, die die Eleganz und die Melancholie griechischer Lieder zum Publikum trägt, wie es vielleicht niemand anders in diesen Breitengraden kann. Sie spricht, singt und summt zur Begleitung des Orchesters, und interagiert geschickt mit dem Publikum. Die meisten hier kennen „ihre“ Ioanna übrigens sehr gut. Zwar erst seit Januar 2012 im „ΠΟΠ“ dabei, übernahm sie jedoch schnell Verantwortung im Vorstand und engagiert sich seit jeher auch kulturell.

Wir treffen die fast ganz in Weiß gekleidete, junge Frau nach ihrem großartigen Konzert zu einem kurzen Plausch. Fast alle Lieder des Konzerts entstammten heute aus der Feder des griechischen Nationaldichters Mikis Theodorakis. Dieser heute 88jährige Komponist, Schriftsteller und ehemalige Politiker spricht wie kein anderer stellvertretend für große Teile des griechischen Volkes. Einesteils seiner essayistischen und politischen Leistungen wegen, aber hauptsächlich durch seine Musik, die er seit den 1960er Jahren schuf. Man merkt: an diesem Abend lernt weltvermessen.de eine ganze Menge über Griechenland hinzu.

Trotz BILD-Zeitung – die griechische Kultur in Deutschland lebt

Thilo Götze und Klaus der Geiger

Thilo von weltvermessen.de mit Klaus, dem Geiger

Und das, liebe Freunde, war ja auch irgendwo das Ziel. Wenn Künstler, das sei auch noch erwähnt, mit einiger Berühmtheit und in großer Anzahl irgendwo ohne Gage auftreten, ist es meistens für eine rechtschaffene Angelegenheit. (Die Gegenleistung des Vorsitzenden Nikos Thanos, den Chor Visanthi aus Thessaloniki einmal über einen deutschen Weihnachtsmarkt zu führen, zählt ja nicht als monetär 😉 )

Wir sind der griechischen Kultur an diesem Abend in jedem Falle ein Stück näher gerückt und hoffen, dass sich in Zukunft dafür auch zahlreiche Nachahmer finden. Besonders in Köln gibt es mit dem Kulturverein „ΠΟΠ“ schließlich gute Anschlussmöglichkeiten und Raum, sich zu verwirklichen. Gern möchten wir auch auf ein weiteres schönes Projekt der Weltvermessenden verweisen, was mit Griechenland in Verbindung steht und die schönsten Strände auf Kreta zum Thema hat.

Also dann, ihr lieben Griechen, auf die nächsten 30 Jahre!

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2 Kommentare

  1. Hallo Thilo Götze.
    Ein sehr schöner und ausführlichen Artikel, den Du über die POP insbesondere über unsere Jubiläumsfeier geschrieben hast. Leider konnte ich als Geschäftsführer der POP selbst an diesem Fest nicht teilnehmen, da ich im Kranknkenhaus lag.
    Umso mehr freue mich trotz dieses für mich unglücklichen Umstandes, einen so guten Bericht zu lesen.
    Natürlich würde ich mich freuen ihn, wenn ich den Bericht in einer noch zu erstellenden Dokomentation auf unserer Webseite einstellen dürfte.

    Mit herzlichen Grüßen

    Jürgen Rompf

    • Hallo Herr Rompf,

      danke für Ihre Meldung. Ja, die anwesenden Mitglieder der POP hatten Sie einige Male erwähnt und dass es sehr schade war, dass Sie den Tag nicht da sein konnten. Nichtsdestotrotz freuen wir uns, dass der Artikel gut gelungen ist und würden natürlich eine Einbindung, Verlinkung, Erwähnung oder ähnliches auf Ihren Seiten herzlichst begrüßen. Vielen Dank und schöne Grüße, Thilo und die weltvermessen.de.n