Sevilla – Die verschachtelte Stadt

Schon seit langem wollte ich einmal einen Abstecher nach Andalusien machen, denn der arabische Einschlag des spanischen Südens hat etwas absolut Faszinierendes an sich. Im vergangenen Herbst ist es mir dann endlich gelungen – mit einem Städtetrip nach Sevilla. Einer Stadt, die voll ist von Geschichte und Orangenbäumen.

Alcázar Sevilla

Alcázar

Die engen Gässchen von Sevilla

Mein erster Eindruck über die südspanische Stadt bildete sich während ich mit dem Rollköfferchen über die gepflasterten Straßen der Altstadt fuhr. Was hab ich in der Abenddämmerung über diese Labyrinth-ähnlichen Gassen geflucht, durch die es – trotz Stadtplan und einigermaßen gut ausgeprägtem Orientierungssinn – gefühlte Ewigkeiten dauerte bis ich mein Hostel fand.

Am nächsten Morgen mit Ortskundigen an der Seite sah dann alles zum Glück schon ganz anders aus. Schnell wurde mir klar: Sevilla ist ein geschichtsträchtiger und vor allem ein begehrter Ort. Neben den Phöniziern, haben im Laufe der Jahrhunderte abwechselnd auch die Römer, die Westgoten, die Mauren, die Normannen, die Almohaden und – schlussendlich – die christlichen Spanier die Stadt für sich erobert. Bis heute finden sich Spuren dieser verschiedenen Völker in der Stadt; so beispielsweise die stabilen, schweren römischen Türen vieler Häuser der Altstadt und die typischen Innenhöfe einiger Gebäude.

Hintergrund der dichten Architektur ist übrigens folgender: Das frühere Judenviertel konnte so besser und personensparender bewacht werden – was die Bewohner trotzdem nicht vor dem Pogrom 1391 beschützte… Die Verschachtelung der Straßen hilft außerdem dabei das im Sommer sengend heiße Klima in den Griff zu bekommen. Häufig münden die Sträßchen auf kleine bepflanzte Plätze mit Brunnen, die als städtische Oasen zum Verschnaufen einladen.

Viele wunderschöne Orangenbäume tragen zu einem ganz besonderen Stadtbild bei. Leider handelt es sich bei selbigen Südfrüchten um saure Orangen, die ungenießbar sind. Und die Fruchtbäume sind nicht nur schön anzuschauen: Die Orangen dienten früher als eine Art Parfüm für die stinkenden mittelalterlichen Gassen – fiel eine der Früchte vom Baum und Frau, Mann oder Pferd trat drauf, so entfaltete sich ein frischer, zitroniger Geruch.

Tipp:Beim Spaziergang durch Sevilla sollte man ab und zu nach oben schauen. Oft flattern krakeelende Kanarienvögel, die sich bei den warmen Temperaturen fast das ganze Jahr über in der Südstadt wohl fühlen, oberhalb der Häuser und Palmen.

Lugares de interés en Sevilla

Alcázar: Das ursprünglich von den Mauren errichtete Gebäude wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder erweitert und weist so verschiedene architektonische Einflüsse auf. Dominiert vom islamischen Baustil ist es eines der berühmtesten Wahrzeichen von Sevilla. Neben dem Gebäude selbst, war ich vor allem von den Palastgärten beeindruckt. Hohe Palmen, Brunnen, Statuen, Granatapfelbäume und sonnige Innenhöfe gestalten einen paradiesischen Rückzugsort inmitten in der Stadt.

Plaza de España: Das halbkreisförmige Gebäude, ein künstlicher Fluss und die angrenzenden Gärten schaffen ein eindrucksvolles Ambiente.

Torre del Oro: Der Turm ist ein Überbleibsel aus der maurischen Periode und steht am Flussufer des Guadalquivir. Erasmus-Studenten treffen sich hier abends zum Botellón.

Sevilla ist Flamenco

Viele in- und ausländische Besucher pilgern in die Stadt, um genau diesen Tanz im Rahmen eines Kurses zu lernen. Kein Wunder also, dass es die Flamenco-Shows vor Ort an jeder Ecke anzusehen gibt. Ich selbst kam (teils mehr, teils weniger freiwillig) in den Genuss von insgesamt drei dieser Auftritte. Am besten davon gefiel mir der Besuch einer kleinen Flamenco-Show, der über unser Hostel organisiert wurde.

Generell wird das Intro durch einen arabischen Gesang gestaltet. Der Tanz ist sehr emotional – fast aggressiv – und wird von Gitarrenspiel und rhythmischem Klatschen und Aufstampfen begleitet. Stil und Interpretation variieren von TänzerIn zu TänzerIn. Mein Fazit: So faszinierend dieser Tanzstil anzusehen ist, in meinem Fall habe ich nach einer Woche Sevilla das Pensum an Flamenco für die nächste Zeit erstmal erreicht.

Tapas zum Niederknien

Die Spanier lieben Tapas.

Und wer hat’s erfunden?

Die Sevillanos!

Tatsächlich: Sevilla ist die Tapas-Hauptstadt Spaniens. So gute und günstige Tapas wie hier kriegt man, laut Insidern, weder in Madrid noch in Barcelona. Die Variationen reichen von Tortilla über kunstvoll garnierte Sardinen und Salchicha bis hin zu meinem absoluten Favoriten: gebackenem Ziegenkäse mit Honig auf einem krossen Toaststück getoppt mit karamellisierten Zwiebeln! J Getränke wie cerveza, vino oder tinto de verano (ein Sommergetränk aus Rotwein und Zitronenlimo) passen hervorragend dazu.

Ir de tapas ist eine – wenn nicht sogar DIE – populär(st)e Feierabendaktivität der Spanier. Im Freundeskreis, bei Häppchen, Bier oder Wein, wird der neueste Stadtklatsch ausgetauscht und über den FC Sevilla bzw. die Primera Divsión diskutiert. Diese Art den Tag ausklingen zu lassen, zeigt, dass das spanische Völkchen eine sehr ausgeprägte gesellige Seite in sich trägt. Hach ja: Die Südländer wissen einfach, wie man das Leben genießt!

Der weltvermessen.de Faktor

Der heutige Weltvermessen.de Faktor dreht sich um den Glücksbringer der Einwohner von Sevilla: die Giraldillo. In Form einer bronzenen Frauengestalt in Tunika, trägt die Giraldillo ein Palmenblatt in der linken und eine Flagge in der rechten Hand. Sie thront hoch oben auf dem Glockenturm der Kathedrale von Sevilla, der sog. Giralda. Die Statue dreht sich durch die Wetterfahne mit dem Wind und dient den Städtern als Orientierungspunkt.


Weitere Infos zu Sevilla:

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