Tagesausflug nach Hohenschwangau zum Schloss Neuschwanstein

Vor einiger Zeit habe ich mit meiner Freundin einen Tagesausflug von München aus nach Schloss Neuschwanstein unternommen, dem Schloss aller Schlösser in Deutschland. Lässt man Regen, Schienenersatzverkehr, eine ungewisse Rückkehr nach München in der Nacht sowie eine hoffnungslos überfüllte Anlage außer Acht, war es ein auf kultureller Basis einmaliges Erlebnis. Hoffentlich 😉

Blick aus dem Fenster vom Schloss Neuschwanstein (c) weltvermessen.de

Blick aus dem Fenster vom Schloss Neuschwanstein, halb links das Schloss Hohenschwangau


Nach Füssen zum Schloss Neuschwanstein per SEV

Freitag, 9. August in München, 9 Uhr morgens. Es regnet in Strömen, als wir aus unserem Hotelfenster blicken. Es beschleicht uns ein zwiespältiges Gefühl. Die Freude einerseits, bereits gestern den Tagestrip nach Hohenschwanstein unternommen zu haben, und andererseits ein wenig Missmut darüber, gestern alles „in a rush“ gemacht zu haben. Aber anders ging und geht es wohl auch nicht.

Die bayrischen Schaffner verstehen keinen Spaß, wahrhaftig nicht. Als wir am Donnerstagmorgen des 8. August zum Bahnhof eilen, haben wir zunächst noch keine Fahrkarte. Die Idee, zunächst keine zu kaufen, da wir ansonsten den Zug verpassen würden und versuchen, sie irgendwie im Regionalexpress nach Füssen nachzulösen, verflüchtigt sich durch das Verpassen desselbigen.

Von München nach Schloss Neuschwanstein per Zug (c) weltvermessen.de

Von München nach Schloss Neuschwanstein mit der Bayrischen Oberlandbahn

Stellte sich als guter Umstand heraus, da wir 1 Stunde später, dann mit Ticket, auf Kontrolleure treffen, die auch gut in einer Security-Firma arbeiten könnten. Zack, zapp, zarapp. Da hat Zucht und Ordnung zu herrschen und jeder einen Fahrausweis samt Berechtigungsschein desselbigen zu haben!

In Kaufbeuren ist dann vorübergehend die Welt zu Ende, da wegen Bauarbeiten der Zug nicht bis Füssen durchfahren kann. Das bayrische Personal mit den orangenen SEV-Westen am Bahnhofsausgang versucht die Leute, vornehmlich Touristen, in Zaum zu halten, auf dass sie nicht zugleich zum nächsten Bus stürzen, der sich von etwas weiter weg in Bewegung setzen wird.

Als Nicht-Tourist getarnt, schmuggle ich mich jedoch völlig arglos aussehend Richtung Bus und so steigen wir als erstes am Haltepunkt ein.

Wunderbare Almlandschaften – und ein plötzlicher Stop

Das war nicht schlecht gemacht, fand ich. Wir bekommen einen guten Platz und können die heile, bayrische Welt der Milchweiden, Almlandschaften und Kuhherden bewundern, die sich auf der Fahrt über die Berge auftut. Das Gras sieht nicht nur für die Kuh zum Anbeißen aus, die Milchproduktion in den ansässigen Höfen läuft rund und nichts dort konnte uns stoppen auf dem Weg in das „Märchenschloss“, wie Neuschwanstein auch genannt wird.

Dachten wir. Aber das ging durchaus, 10 Kilometer vor unserem Ziel hielt der Bus aus für meisten Touristen unerfindlichen Gründen auf freier Strecke an. Und wartete. Und wartete. Mindestens 40 Minuten.

Wenn es ganz listig gemacht worden wäre, hätte man noch einen Reifenschaden simulieren können, aber dazu war der Fahrer wohl nicht bereit. Ich als fast einziger Deutscher im Bus konnte fast den bayrischen Funkverkehr deuten. Man hielt wohl die eine Schar anrückender Besucher solange zurück, bis oben am Berge wieder ein wenig mehr „Luft“ war. Was damit gemeint war, sahen wir aber erst an der übernächsten Station.

Von Bus zu Bus zu Bus ins Schloss Neuschwanstein

Denn zunächst stiegen wir vom Schienenersatzverkehrs-Bus in den Ortsbus Füssens ein. In anderen Städten ist sicher nicht so viel Auslastung auf einer lokalen Buslinie – in Füssen machen die Fahrer dagegen richtig Reibach, weil der Weg nach oben ein beschwerlicher sein dürfte. Auch wären wir bei einem Fußmarsch wohl gänzlich zu spät im Anmeldehäuschen gewesen.

Dieses ist eher ein Saal, an dem in langen U-Schlangen die Leute darauf warten, dass sie drankommen und ein Ticket für eine Führung erstehen können. Es gibt auch die Möglichkeit, das andere Schloss, Hohenschwangau, zu besichtigen, denn dafür hätte man sofort eine Führung bekommen können. Aber natürlich wollen alle, wenn schon einmal da, ins weiter oben gelegene, prächtigere und berühmtere Neuschwanstein. Wir benötigten eine englische Führung, und bekamen die letzte, um 19.15 Uhr.

Die Zeit zwischen dem Herausdrängeln aus der Kajüte dort und der neuerlichen Busfahrt, diesmal endgültig zum Schloss hinauf, nutzten wir mit einer kleinen Wanderung. Am Alpsee lässt es sich herrlich entspannen, eine Rast dort entschädigte uns ein bisschen von den bisherigen Strapazen der Anreise, des Anstehens und des von Zeit zu Zeit aufkommenden Nieselregens.

Nach Säuling, direkt auf der deutsch-österreichischen Grenze, sind es zu Fuß weniger als 6km, und da wir beide noch nie dort waren, schusterten wir dahin. Wegweiser von Hohenschwangau bis Tirol nur 80min (c) weltvermessen.de Zu Gute kamen uns unsere Wanderschuhe, die wir uns zusammen mit den Rucksäcken bei www.outdoor-treasure im Paket besorgt hatten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Bis nach Österreich sind wir nicht gekommen, weil wir aus zeitlichen Gründen wieder umkehren mussten, aber der bayrische Wald hat durchaus seine Vorzüge. Die Adventure Buabm aus Bayern hätten diese Wegstrecke wahrscheinlich geschafft, aber wir üben noch mit unserer Ausrüstung.

Die Marienbrücke von Königin Marie von Bayern

Die Marienbrücke bei Schloss Neuschwanstein aus der Ferne (c) weltvermessen.de

Die Marienbrücke bei Schloss Neuschwanstein aus der Ferne

Wir waren, am Haltepunkt des Busses auf dem Berg angekommen, wirklich die Teilnehmer der letzten Führung des Tages. Den letzten Bus des Tages zum Bergesgipfel hinauf zu nehmen, haben wir uns auch nicht vorenthalten lassen – wobei dieser allerdings auch der letzte Bus auch wieder hinab ins Tal war und unmittelbar die Rückreise antrat – leer. Wir konnten uns also für den Weg zurück auf einen eiligen Sturzspaziergang vorbereiten später.

Touristen auf der Marienbrücke bei Schloss Neuschwanstein (c) weltvermessen.de

Auf der Marienbrücke

Bevor wir zu des Schlosses Pforten eilten, wies uns unser Guide noch auf einen Abzweig auf der Strecke hin, über den wir die legendäre Marienbrücke erreichen konnten. Diese wurde nach Königin Marie von Bayern (geborene von Preußen, man merke auf) benannt, ragt fast 100 Meter über der Pöllatschlucht und trägt noch die Originalgeländer von ihrer Fertigstellung im Jahre 1866. Bös‘ tief nach unten goaht des, ja mei!

Ferner hatten wir nach dem Fototermin dort nun noch weniger Zeit, pünktlich 19.15 Uhr am Burgtor zu stehen. Zum entsprechenden Zeitpunkt musste man dort sein, oder die Türen fallen wieder zu. Fotos waren nur von außen erlaubt, innen zerfällt bei Aufnahmen alles zu Staub, und das geht ja nun mal nicht 😉

Englische Führung im Schloss Neuschwanstein

König Ludwig von Bayerns Schloss Neuschwanstein (c) weltvermessen.de

Ja, was soll ich sagen? Wir kamen in den Genuss einer Führung durch die wichtigsten Säle und Gebäudetrakte von Schloss Neuschwanstein. König Ludwig hat es sich einiges kosten lassen (er hat es selbst ja nicht bezahlt), dort oben mit Wasser und Elektrizität gewohnt, jedoch die endgültige Fertigstellung des Baus nicht mehr zu Lebzeiten erlebt. Da hatten wir es schon besser, aufmerksam lauschten wir den Einlassungen unseres Guides.

Nun werde ich aber auch das Rad bzw. Schloss (auch nicht Fahrradschloss) neu erzählen, das wichtigste zu den Thron-, Wohn- und Sängersälen findet ihr auch woanders im Internet bzw. wenn es euch an einem schönwettrigen, leeren Tag einmal Richtung Füssen spült. Ich möchte euch lediglich anraten, so früh wie möglich dort aufzukreuzen. Denn groß Zeit für den Touri-Shop blieb kaum, wir mussten uns den Berg hinabstürzen, um den letzten Bus Richtung Füssen zu bekommen, der uns zum letzten (SEV-)Bus nach Kaufbeuren brachte.

Den nutzten wir dann sogar schwarz, weil wir uns ob der heranstürzenden Wolke von heimwehgeplagten Touristen in der Nacht nicht einmal zum Ticketautomaten durchschlagen konnten. Halb 12 stiegen wir dann in Kaufbeuren in den Regionalexpress nach München, inklusive den Hardliner-Schaffnern. Am nächsten Tag wachten wir mit Regen vorm Hotelfenster auf, und waren in der Stimmungslage, die ich eingangs schon beschrieben hatte.

Dieser Satz wäre doch mal ein etwas nachdenklicherer Schluss eines Beitrags von mir gewesen, oder? Aber nein 🙂 ich freue mich, dass alles so gut geklappt hat und frohlocke schon unserem nächsten Ziel entgegen: Schloss Sanssouci! Dafür brauche ich dann aber lediglich 20 Minuten, denn dort in der Nähe ist meine Heimatstadt. Und von Königen kann man nie genug bekommen. Weiß man ja schon vom Skat.

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