Thailand ist nicht nur Sonnenschein

Thailand verbinden viele Deutsche mit DEM Traumurlaub schlechthin. Rund ums Jahr füllen sich deshalb die Flieger gen Bangkok mit Rucksack- und Pauschalurlaubern, die auf der Suche nach weißem Sandstrand, günstigen Massagen, gutem Essen und fruchtigen Getränken sind. Dass ferne Länder nicht nur zum Auswandern nach Andalusien bewegen, sondern auch Thailand viel mehr zu bieten hat, zeigt Stephan Wieprecht auf seinem Blog www.rundreise-thailand.info – unserem Blog des Monats! Im Interview erzählt uns der Thailand-Auswanderer von der Hingabe der Thais zum König, ihrem speziell gelebten Buddhismus und dem Unterschied zwischen Nord und Süd. Bei all dem wirft er einen differenzierten Blick auf seine südostasiatische Wahlheimat. Hier lest Ihr mehr!

Strand Phuket Thailand © ewtc.de

Traumhafte Strände wie dieser in Phuket repräsentieren nur einen winzigen Teil von Thailand.

Herr Wieprecht, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unsere Interviewfragen nehmen. Seit wann leben Sie in Chiang Mai, Thailand, und was hat Sie dazu veranlasst an diesen Ort auszuwandern?

Ich lebe seit 20 Jahren in Chiang Mai/ Thailand. Glücklicherweise durfte ich damals (1985) mit meinem Lehrmeister der Konditorei und seiner Frau mit nach Thailand. Er hatte bei einer Weihnachtsfeier Dias von Thailand gezeigt und ich war hin und weg. Dort angekommen habe ich mich sofort in das Land ( nicht Frau ) verliebt. Ich hatte ständig den unerklärlichen Drang nach Thailand zu reisen, um dort schon damals die absolute Ruhe zu finden.

Beschreiben Sie, was Sie an Ihrer Wahlheimat fasziniert!

Die Ruhe und die Schönheit des Landes. Ich meide die Sehenswürdigkeiten, an denen sich Farangs (Anmerkung der weltvermessen.de Redaktion: Farangs ist der thailändische Begriff für Ausländer mit heller Haut) aufhalten, denn die verhalten sich falsch im Land: großspurig und arrogant. Ich kenne noch einige Flecken im Norden. Dort kann ich die Ruhe und Natur genießen.

Welche landestypischen Eigenarten empfanden Sie anfangs als besonders gewöhnungsbedürftig?

Die Liebe zum König, der Drang nach Geld, Macht und Gold und der etwas andere Buddhismus. Den Drang nach Macht und Geld kann ich an den Mönchen erklären. Nach dem Buddhismus soll man als Buddhist zufrieden sein mit dem Essen, einem Dach über dem Kopf und Kleidung, und dabei noch gutes Tun. Wenn ich die jungen Mönche sehe, was die für Mobile Geräte haben, oder am Bankautomaten stehen und Geld ziehen usw. – das ist für mich ein falscher Buddhismus.

Beschreiben Sie Thailand in drei Worten!

Gutes Essen, eindrucksvolle Natur, Schönheit.

Das Klima in Thailand ist – unterbrochen von der Regenzeit von Juni bis Oktober – recht mild. Könnte man rein kleidungstechnisch ein Jahr lang im thailändischen Königreich mit kurzer Hose und T-Shirt auskommen?

Nein, als Europäer nicht. Im Winter ist es kalt. Zumal 95% der Thai lange Hosen anhaben und sauber gekleidet sind. Touristen sind meist nicht ordnungsgemäß gekleidet.

Sie leben im Norden Thailands. Gibt es einen charakteristischen Unterschied zwischen den Bewohnern des Nordens im Vergleich zu denen des Südens?

Ja. Die Thais im Norden sind gelassener und ruhiger. Teilweise mögen sie die Menschen aus dem Süden nicht – sie sagen, der Süden passe nicht zum Norden.

Laut der Deutschen Botschaft Bangkok sind die Zahlen deutscher Thailandurlauber seit den 90er Jahren geradezu explodiert, denn viele verbinden Thailand mit Traumstränden und paradiesischen Landschaften. Wie haben Sie diese Entwicklung erlebt?

Mehr Kriminalität, Unfälle und es wurden Preise kaputtgemacht. Lebensmittel gibt es im Überfluss – es wird soviel Essen weggeschmissen. Alle Lebensmittel sind in Thailand teurer als in Deutschland. Es kommen reiche Thais aus Bangkok und kaufen Land und Boden im Norden ohne auf den unangemessenen überteuerten Preis zu achten. Autos, Häuser und sonstige Dinge werden auf Pump gekauft. Ich warte nur noch bis diese Blase in den nächsten Jahren platzt. Außerdem ist da noch die starke Umweltverschmutzung.

Als gelernter Konditormeister und Küchenchef sind Sie Experte in Sachen Kochkunst. Welche thailändischen Spezialitäten können Sie uns besonders empfehlen?

Ich mag die Einfachheit der thailändischen Küche. Meine Empfehlung: Papayasalat mit Fleischspießchen, Erdnußdip, und zuvor Tom yam gung, vielleicht noch Kräuterbaguette hinzu. ‚Ne eiskalte Cola dazu.

Welche Tipps können Sie denjenigen von unseren Lesern geben, die mit dem Auswandern nach Thailand liebäugeln?

Behalten Sie Ihr Geld, Konto und Ihre Postadresse in Deutschland. Sie können mit einer Kreditkarte in Thailand auskommen. Meiner Meinung nach ist es als Ausländer nicht möglich, legal in diesem Land zu arbeiten, es sei denn, man arbeitet für eine Firma aus dem Ausland. Alles andere, wie eine Bar, Tauchschule oder sonstiges ist ausgelutscht. Am besten, das Geld kommt aus Deutschland und man hat keine Probleme mit den Thais.

Wie halten Sie Kontakt mit Ihren deutschen Freunden und Bekannten?

Über Skype und ca. 4 Rückflüge nach Deutschland im Jahr.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Wo sehen Sie sich in 5 Jahren, hinsichtlich der Thailand-Rundreise?

Screenshot Thailand Rundreise - Erlebe Thailand von der schönsten Seite_' - www_rundreise-thailand_info

Screenshot von Stephan Wieprecht’s Thailand-Blog

In 5 Jahren will ich gar nicht mehr arbeiten, sondern das Leben ohne einen Funken Stress genießen. Somit gut essen, trinken und beobachten. Mein Projekt Thailand sehe ich in 5 Jahren als eine Info-Plattform für kritische Thailandurlauber, die nach Thailand reisen wollen, aber nicht nur des Sonnenscheins wegen, sondern auch das original Dorfleben/Thailand sehen und verstehen wollen.

Allerletzte Frage: Sie kennen wahrscheinlich unseren Weltvermessen-Faktor! Hier stellen wir eine Zahl vor, die mit dem Thema oder Land zu tun haben soll, um das es sich gerade dreht. Welchen Faktor haben Sie für uns, Herr Wieprecht?

Die Liebe zum König – man muss aufpassen, was man sagt und schreibt. Ganz klar, das thailändische Volk liebt den König. Es ist aber sehr schade, dass das Königreich in über 60 Jahren nicht zur Ruhe gekommen ist. Alle 5 Minuten sieht man den König im Fernsehen. Die Liebe zum König kann man nicht erklären, sie wird den Kindern schon im Kindergarten eingepflanzt. In der Schule geht es dann weiter, dort geht es meist dann nur noch um Thailand. Angenommen der König stirbt demnächst, dann hoffe ich, dass ich in Deutschland bin.

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2 Kommentare

  1. Toll geschrieben
    Einfach gesagt Thailand ist ein Traum Land aber kein Land für Träumer. 😉
    Aber wie du sagst die extreme Preissteigerung kann nicht so weiter gehen.
    Die Armen werden Ärmer und die Kriminalität steigt.

  2. Ich hab mir mein Traum vom Auswandern erfüllt, lebe seit 3 Jahren auf Mallorca.
    Finanzelle Unabhängigkeit habe ich mir mit einem Internet Business gesichert, kann ich jedem nur sehr empfehlen!

    Man lebt nur einmal, warum nicht das machen was einem Spass macht
    Viele Grüße Robert